Nichts kopiert

Starke Stimme Ihr erstes Album war bereits äusserst erfolgreich. Nun legt die Thurgauerin Lina Button mit «Copy & Paste» ihre zweite Solo-CD vor und überzeugt erneut. Franco Brunner

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Lina Button ruht sich nicht gerne auf Lorbeeren aus. (Bild: Raphaela Pichler)

Lina Button ruht sich nicht gerne auf Lorbeeren aus. (Bild: Raphaela Pichler)

Auch wenn es der Albumtitel vermuten lässt, den allereinfachsten Weg ist die Thurgauer Singer- und Songwriterin Lina Button mit «Copy & Paste» nicht gegangen. Denn von schlichtem «Kopieren und Einfügen» kann bei dem zwölf Lieder starken Werk nun wirklich nicht die Rede sein. Auch wenn die Verlockung relativ gross gewesen sein muss. Immerhin war Buttons Débutalbum «Homesick» 2011 alles andere als nicht erfolgreich.

Der Sprung in die Charts sowie die Nomination als «Best Talent» für den Swiss Music Award zeugen davon. Trotzdem. Die 30jährige Button hat sich dem künstlerischen Stehenbleiben und dem Auf-den-Lorbeeren-Ausruhen erfolgreich verweigert und mit «Copy & Paste» ein neues, eigenständiges und vor allem reifes Album produziert.

Ansteckende Leichtigkeit

«Copy & Paste» ist das Werk einer in sich ruhenden Musikerin. Einer Musikerin auch, die sichtlich Freude an ihrem Beruf zu haben scheint. Langsame, ja fast schon herzerwärmende Balladen wie «Do You Still Care» wechseln sich wie selbstverständlich mit etwas schnelleren Nummern wie zum Beispiel «Do We Think At All» ab. Auch pfeifend-fröhliche Gute-Laune-Songs wie «Place In The Sun» wirken bei Button für einmal nicht wie sonst üblich künstlich-angestrengt, sondern kommen durchwegs glaubwürdig daher – meistens jedenfalls. Hinzu kommen nette Ideen wie etwa das Titelstück «Copy & Paste» – eine augenzwinkernde Auseinandersetzung mit dem Musiker-Dasein. Bei diesem Lied wirkt übrigens Matt Buchli von 77 Bombay Street als Duettpartner von Button mit. Der gemeinsame Produzent Thomas Fessler macht dies möglich. Dass man stimmlich bei Button nur schwerlich etwas aussetzen kann, stellte die Wahlzürcherin schon auf ihrem Débutalbum unmissverständlich klar. Auch auf dem neuen Werk spielt sie gekonnt mit ihrem Organ und gerät auch bei den gesanglich etwas anspruchsvolleren Stücken wie «Loner» oder «Crossing The Line» nie auf die schiefe Stimm-Bahn. Dies alles macht aus «Copy & Paste» zwar sicherlich noch kein weltbewegendes und beileibe auch kein überwältigendes, aber ganz bestimmt ein solides und schön anzuhörendes Blues-Pop-Album mit teilweise souligen und folkigen Einflüssen.

Kein schlechter Geschmack

Solid und schön anzuhören ist in diesem Fall auch tatsächlich als echtes Kompliment gemeint. Denn für ein Nachfolgealbum eines Erstlingswerkes das ziemlich eingeschlagen hat, ist solid und schön anzuhören schliesslich aller Ehren wert. Nur allzu oft gelingt es Künstlern nämlich nicht, die Erwartungen, die sie mit ihrem ersten (Zufalls-)Wurf geweckt haben, in der Folge zu erfüllen. Lina Button tut dies indes mit einer – so macht es zumindest den Anschein – Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die beeindruckt. Oder um es mit Buttons Worten zu sagen: «It's not just copy & paste, it's all about taste.» Also nichts ist kopiert, nichts eingefügt, es geht nur um Geschmack. Und so viel steht fest: Schlechten Geschmack beweist man nicht, wenn man an Buttons Musik Gefallen findet.

Lina Button: «Copy & Paste». Phonag Records AG, ab 15. März im Handel. Lina Button live am 23. März im Eisenwerk in Frauenfeld, am 29. Mai im Kino Madlen in Heerbrugg, am 31. Mai im Kulturforum in Amriswil sowie am 1. Juni im Zeltainer in Unterwasser.

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