Nichts als schöner Schein

ADVenzyklopÄdie

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Es gehörte in Kindertagen so zwingend zu Weihnachten wie der Engel auf der Baumspitze: Lametta. Die schmalen, glitzernden Metallstreifen galten wie Rauschgold oder Engelshaar als unverzichtbar; ohne dieses Silbergehänge erschien uns selbst ein üppig geschmückter Tannenbaum nackt. Der fremdländisch klingende Name, der wie ein Schoggitannzapfen auf der Zunge zerging, erhöhte seine Attraktivität zusätzlich. Dass Eiszapfen Lametta als Vorbild gedient haben sollen, konnten wir Kinder gut nachvollziehen.

Nur gut, dass die Eltern uns vor der nüchternen Realität verschonten: Unser Glitzerding war nichts anderes als Stanniol, das geschmolzen, gegossen, gewalzt und in schmale Streifen geschnitten worden war. Und «lama» ist einfach die italienische Bezeichnung für Metallblatt, «lametta» dessen Verkleinerungsform. Als später das originale Stanniollametta durch leichtere, metallisierte Kunststoffstreifen ersetzt wurde, hatten wir den schönen Schein längst durchschaut.

Später erfuhren wir die umgangssprachliche Bedeutung: So nannten die Verwandten die überaus üppig dekorierte Ordensbrust von Militärs. Der Volksmund nahm auch kein Blatt vor den Mund, als er Gestapo-Gründer Hermann Göring (heimlich) als «Goldfasan» verspottete: «Rechts Lametta, links Lametta,/ Und der Bauch wird imma fetta,/ Und in Preussen ist er Meester -/Hermann heesst er!» (sj.)

Geheimnisvolles rankt sich um die Adventszeit. Bis Weihnachten versuchen wir in dieser Spalte, einige Rätsel zu lösen.

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