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Nicht nur den Fischen wird’s zu warm

Die Schweiz wird trockener, heisser, schneeärmer. Zudem wird die Bevölkerung häufiger mit Stürmen und heftigen Niederschlägen leben müssen. Das zeigen die Klimaszenarien CH2018 von der ETH Zürich und Meteo Schweiz.
Bruno Knellwolf

Am Dienstag wurden die Klimaszenarien CH2018 für die Schweiz präsentiert. Nicht etwa, weil wir gerade eines der heissesten und trockensten Jahre seit Messbeginn im Jahr 1864 erleben. Vielmehr haben das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie Meteo Schweiz und die ETH Zürich den Auftrag des Bundesrats, das Klima der Schweiz alle fünf bis sieben Jahre zu analysieren. Und diese Klimaszenarien zeigen Dramatisches, wie Projektleiter Andreas Fischer von Meteo Schweiz und der Klimaforscher Reto Knutti von der ETH Zürich zeigen. Mehr Hitzetage, trockene Sommer und öfter vereinzelte Starkniederschläge, Unwetter und Gewitter. «Der Sommer 2018 zeigt eindrücklich, was das bedeutet», sagt Fischer. «Besonders betroffen von der Trockenheit waren die östlichen Landesteile», erklärt er. Und erzählt von Schaffhausen, wo drei Tonnen tote Fische aus dem Rhein gefischt wurden, denen das Wasser zu warm war.

Zu warm und zu trocken ist es in der Schweiz nun schon seit dreissig Jahren. Seit Messbeginn 1864 ist die durchschnittliche Temperatur in der Schweiz um zwei Grad Celsius gestiegen. Das ist doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Die vier wärmsten Jahre überhaupt erlebten wir in der Schweiz seit 2011, das Jahr 2018 ist auf Rekordkurs. Die Alpengletscher büssten seit 1850 rund 60 Prozent ihres Volumens ein. Die Anzahl der Sonnenstunden hat sei 1980 um zwanzig Prozent zugenommen, was nicht nur schlecht ist. In Gebieten unter 800 Meter Höhe hat sich die Zahl der Schneetage aber seit 1970 halbiert. Seit 1901 hat die Niederschlagsmenge von einzelnen Starkniederschlägen in der Schweiz um 12 Prozent zugenommen. Und die nun berechneten Klimaszenarien CH2018 zeigen eine Verschärfung der Situation in den nächsten vierzig Jahren.

Vier Hauptveränderungen werden eintreten

Reto Knutti erwähnt vier Hauptveränderungen bis 2060 mit oder ohne Klimaschutzmassnahmen. Zum ersten wird sich die Tendenz zu trockenen Sommern fortsetzen. «Wir sind im Einfluss des Mittelmeerklimas», sagt der Klimaforscher. Die mittlere Regenmenge im Sommer nimmt ab, die Verdunstung nimmt wegen der steigenden Temperaturen von bis zu 4,5 Grad zu. Die Böden werden trockener. Zum zweiten gibt es mehr Hitzetage, an denen es über 30 Grad warm wird. «Wir werden 17 bis 50 Hitzetage erleben, je nachdem wo man wohnt. Das heisst, im Sommer wird jeder zweite Tag ein Hitzetag», sagt Knutti. Das betrifft vor allem das urbane Mittelland, wobei der Wärmeinsel-Effekt in den Städten dabei nicht einmal miteinberechnet sei. Dort kühlt es im Sommer auf Asphalt und Beton noch weniger ab als auf dem Land.

«Zum dritten nehmen die starken Niederschläge zu», sagt Knutti. Plötzlich kommt dann viel Regen auf einmal und das Hochwasserrisiko nimmt zu. Ein Tumbler-Effekt: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die sich dann sammelt und in Unwettern niederschlägt. Zum vierten sind da die vermehrten schneearmen Winter bis weit hinauf. «Lag die Schneefallgrenze Anfang des 20. Jahrhunderts noch bei 400 Metern, liegt sie heute bei 800 Metern über Meer. 2040 schon bei 1500 Metern», sagt Knutti.

Berechnet haben die Forscher Szenarien ohne Klimaschutz und zum zweiten mit Einbezug des Ziels, die Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad zu begrenzen. «Mit Klimaschutz könnte man bis Mitte des Jahrhunderts die Hälfte der Auswirkungen vermeiden», sagt Knutti. Man habe im Prinzip die Wahl, etwas zu tun oder nicht. Im Prinzip, weil die Schweiz keine Insel ist und von den globalen Klimaanstrengungen abhängig ist. Sicher sei es ratsam, in Zukunft nicht nur mit dem bestmöglichen Fall zu planen, sagt der Klimaforscher. «Sogar wenn die Reduktion von CO2 bis 2050 auf Null gelingt, ist das eine Herkulesaufgabe.»

Zwingend an Klimawandel anpassen

«Die Schweiz muss sich an den Klimawandel anpassen. Die neuen Klimaszenarien liefern die Grundlagen dazu», sagt Projektleiter Andreas Fischer. Er kommt zurück auf die drei Tonnen toter Fische im Rhein. «Das sind nämlich weniger tote Fische als im Jahrhundertsommer 2003», sagt der Klimatologe. Der Grund liege daran, dass die Behörden besser gewappnet waren auf den Hitzesommer 2018. Die Alarmorganisationen wurden aktiv, erstellten Nischen an schattigen Orten des Rheins, damit die Fische kühleres Wasser vorfanden. Das alleine reichte allerdings nicht. Freiwillige fischten die unter der Hitze leidenden Fische aus dem Wasser und brachten sie an kühlere Orte. «So konnte Schlimmeres verhindert werden.»

In Zukunft werden mehr Anpassungen an den Klimawandel nötig sein. Die Klimaszenarien CH2018 böten nun beste Grundlagen für das CO2-Gesetz, über das im Parlament beraten wird, erklärt Karine Siegwart, Vizedirektorin des Bundesamtes für Umwelt, Bafu. Die Szenarien zeigten, welche Massnahmen nötig seien, um nicht im Extremen zu landen. Für die Reduktion des Kohlendioxids brauche es einen Instrumentenmix und eine Zusammenarbeit zwischen Behörden, Industrie, Landwirtschaft und Verkehr. Mit diesem Instrumentenmix aufgrund der Szenarien müsse das Ziel verfolgt werden, nicht zu viele Kosten für die Klimaanpassungen entstehen zu lassen, sagt Siegwart. Jeder einzelne habe diesen Sommer die Trockenheit und Hitze erlebt, wie auch die Auswirkungen auf die Fische und die Schifffahrt. Weiterhin werde es die gängigen Gegenargumente gegen Klimamassnahmen geben, zum Beispiel, dass diese zu viel kosteten. «Mit den Klimaszenarien kann aber aufgezeigt werden, was es kostet, wenn man nichts macht», sagt Siegwart.

Herausgeber der Klimaszenarien ist übrigens das National Centre für Climate Services (NCCS), dem sechs Bundesämter angehören. Neben der ETH Zürich und Meteo Schweiz war auch das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern und Pro Clim an der Entwicklung der Klimaszenarien CH2018 beteiligt.

Hinweis

Klimaszenarien unter www.klimaszenarien.ch.
Webplattform für Klimadienstleistungen www.nccs.ch.

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