Nicht nur bei Kindern beliebt: Jetzt erobern Sirups mit Schuss die Food-Szene
Rezept

Nicht nur bei Kindern beliebt: Jetzt erobern Sirups mit Schuss die Food-Szene

Bild: Getty Images

Noch mehr Freude als frische Früchte zu essen, macht es, sie zu Sirup zu verkochen und mit Sprudel, Gin oder Sekt aufzugiessen.

Katja Fischer De Santi
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Stolz und prächtig wächst der Rhabarber jetzt im Garten, dicke Bündel seiner grün-roten Stängel liegen beim Gemüsebauer oder im Supermarkt in der Auslage. Viel Saft und noch mehr Säure, in Form von Oxalsäure, stecken im «rheu barbarum», was so viel wie «fremde Wurzel» bedeutet. Das gutmütige Gewächs stammt tatsächlich nicht von hier, sondern aus dem Himalaja, was die Robustheit der Pflanze erklärt. Kuchen kann man damit machen, Kompott auch, oder warten, bis es richtig süsse, einheimische Erdbeeren gibt für die bester aller Konfis.

Alles gut und fein, doch ist der Rhabarber erst einmal eingebacken und zu Brei verkocht, verliert er seine herrlich saure Spritzigkeit. Jenen Geschmack, den man aus Kindertagen kennt, als man sich einfach einen Stängel schnappte, ihn tief in weissen Zucker tauchte und abbiss, dass die Kristalle knirschten und die Säure einem das Gesicht verzog.

Rhabarber-Mule, der Drink des Frühsommers

Zum Glück gibt es einen eleganten, um nicht zu sagen süffigen Weg, die Spitzigkeit der Stängel zu konservieren: Rhabarbersirup. Das ist Frühling in Flaschen und, aufgegossen mit Sprudel, eine prickelnde Freude. Mit einem richtig erwachsenen Rhabarber-Mule beeindrucken sie zuerst sich selbst, und – sollte Corona es zu lassen – ihren ganzen Bekanntenkreis.

Rezept

Rhabarbersirup
Bild: CH Media

Rhabarbersirup

2 kg Rhabarber
1 Vanilleschote
500 g Zucker
Saft von einer Zitrone

Rhabarber waschen und in ca. 4 cm lange Stücke schneiden. Mit einem Schuss Wasser in einem grossen Topf aufkochen und rund 30 Minuten einkochen lassen. Ein grosses Sieb mit einem dünnen Mulltuch auskleiden, den Kompott hineingiessen und den Saft auspressen. Saft, Vanillemark, Zucker und Zitronensaft zusammen nochmals 30 Minuten einkochen lassen. Den Sirup durch ein feines Sieb in eine kleine Flasche füllen. Im Kühlschrank hält sich der Sirup gut einen Monat.

Für einen Rhabarber-Mule 4 cl Gin mit 4 cl Rhabarbersirup, 5–6 Eiswürfel, 1 Gurkenscheibe mischen mit 125 ml Tonic Water aufgiessen und einen Rhabarberstängel zum Umrühren ins Glas stecken.

Sowieso könnte man wieder mehr Sirup selber einkochen. Schliesslich lässt sich das Aroma von fast allen Früchten und Gewürzpflanzen, mit genügend Zucker aufgekocht und etwas Säure haltbar gemacht, in Flaschen abfüllen. Sie halten sich, sterilisiert und heiss abgefüllt, gut mehrere Wochen im Kühlschrank.

Gut eignen sich Früchte (Orange, Mango, Melone, Grapefruit, Zitrone) oder Beeren, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben und dringend verarbeitet werden möchten. Grob gilt die Regel: etwas weniger Zucker als Früchte verwenden bei Rhabarbern viel weniger, die sollen sauer bleiben. Für die Säure eignen sich Zitronenschalen oder Zitronensaft. Zuerst mit wenig Wasser den Zucker aufkochen, Früchte und Gewürz (Kardamom, Ingwer, Vanille) mitkochen etwas ziehen lassen. Dann durch ein feines Sieb oder ein Mulltuch streichen und den Saft auffangen. Nochmals kurz aufkochen und heiss in Flaschen abfüllen.

Wer es experimenteller mag, der versucht sich an Basilikumsirup (perfekte Zutat für einen etwas anderen Gin Tonic, siehe rechts) oder einer selbst gemachten Lavendellimonade. Die Basis dafür ist ein Sirup aus den Schalen einer Zitrone, drei Esslöffel Lavendelblüten, 150 Zucker und 250 ml Wasser.

Rezept

Basilikumsirup
Bild: Getty Images

Basilikumsirup

Zwei Bund Basilikum
4 Bio-Zitronen
500 ml Wasser
500 g Zucker

Blätter von den Stielen zupfen. Zitronen mit Sparschäler dünn schälen, das bittere Weisse nicht mit abschälen. Wasser und Zucker bei mittlerer Hitze aufkochen. Gut umrühren. Zitronenschale hinzufügen, das Ganze maximal 5 Minuten aufkochen. Vom Herd ziehen. Basilikumblätter unterrühren. 2 Tage ziehen lassen. Danach durch ein feines Sieb streichen, in Flaschen abfüllen.

Mit Mineralwasser und frischem Zitronensaft aufgiessen.
Mit 4 cl Gin und viel Eis wird daraus ein wunderbarer Sommerdrink, auch bekannt als Basil Smash.

Zucker ganz weglassen oder ersetzen

Wem der Zuckergehalt auch in den selbst gemachten Sirups noch zu hoch ist, der kann mit Stevia, Birkenzucker, Honig oder Agavendicksaft experimentieren. Beim Rhabarbersirup können eine Handvoll mitgekochte Erdbeeren für mehr natürliche Süsse und eine tolle Farbe sorgen. Hat man einmal ein paar farbige Sirupfläschchen im Kühlschrank stehen, macht das Mischen und Mixen erst Spass. Viele Rezepte und Kombinationen findet man etwa im Büchlein «Limonaden» von Gerhard Praun. Aber hat man den Dreh mit dem Zuckersirup und dem Fruchtanteil einmal raus, braucht es kein Rezept mehr, sondern nur noch Freude am Experimentieren und Köcheln.

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