Nicht kleinkariert

Ob Pepita, Hahnentritt, Vichy oder Glencheck: Karos in allen Varianten erleben ein Comeback. Sie nehmen einen wichtigen Platz in der neuen Herbstmode ein und verkörpern Bodenständigkeit, Tradition und Sportlichkeit.

Yvonne Forster
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Oh weh! Schon wieder Karos! In den Schaufenstern der Kleidergeschäfte locken sie diesen Herbst in allen Varianten: gross, klein, aufdringlich, diskret, elegant, ländlich. Haben wir das nicht alles schon mal gesehen? Es ist, als fiele den Modeschöpfern nichts Originelleres mehr ein. Oder etwa doch? Denn ganz so altbacken sind die Karos nicht, wie man spontan vermuten könnte.

In den letzten zwei Wintersaisons gab es in der Frauen- wie Männermode fast nur ruhige Unistoffe, viel Schwarz und ein paar leuchtende Farbakzente. Zeit also, die Karos wieder aus den Archiven zu holen.

Dass Karos ein Comeback erleben, liegt an der allgemeinen Rückkehr zur ländlich-sportlichen Mode. Man besinnt sich wieder der guten alten Zeiten.

Karos wirken durch ihre geordnete, lineare Form eher statisch und bodenständig und sind immer dann beliebt, wenn sich der Mensch nach Bewährtem und nach Sicherheit sehnt. «Das Britische zieht immer, wenn die Mode ruhiger, konservativer wird», sagt Erich Weber vom gleichnamigen St. Galler Modegeschäft.

Neu interpretiert

Trotzdem werden Karos diesen Winter auch neu interpretiert.

Gemusterte Hosen, Gilets, kurze Jupes, Kleider, Schals, Taschen, Jacken, Mäntel und Chemise-Blusen werden frech kombiniert. «Zu derben Stiefeln wirkt ein Schotten-Mini neu», sagt Ruth Pfeiffer von Globus St. Gallen. «Auch ein Fell-Gilet zur Karo-Bluse oder eine enge Schotten-Karo-Hose zur langen Strickjacke ist aktuell.»

Das Karo hat eine lange Geschichte. In den Alpenländern kennt man es seit Jahrhunderten. Zweifarbig karierte Trachten-Tüchlein und schlichte, gehäuselte Tischdecken in Landgasthöfen wecken das Gefühl von Heimat. Dieser Baumwollstoff mit seinen winzigen Schachbrett-Karos nennen die Deutschen «Kölsch», die Engländer «Gingham» und die Franzosen «Vichy». Sie sind typische Vertreter der Fünfzigerjahre-Mode, die jetzt wieder aktuell ist.

Als einfaches, minimalistisches und kontrastreiches Design wurde das Bauern-Karo einst für Bettwäsche und Pyjamas verwendet. Seinen Ursprung hat das Vichy-Dessin in der zentralfranzösischen Region Auvergne. Dort liegt auch die Stadt Vichy.

Immer wieder Schotten-Karos

Das Schotten-Karo ist zurzeit besonders begehrt.

Diese klassische Musterung (Tartan) ist aus den schottischen Trachten der Clans entstanden, die sich durch verschiedenartige Karomuster unterscheiden. Der Tartan taucht in Schottland erstmals im 16. Jahrhundert auf. In den Sechzigerjahren prägten die Schotten-Karos den «Brit-Chic»-Stil des «Swinging London». In England ist das berühmte Muster als «Prince of Wales» und in Frankreich als «Prince de Galle» bekannt.

Liebling der Designer

Bei vielen Designern ist das Schottenmuster seit Jahren ein fester Bestandteil der Kollektionen. Die Engländerin Vivienne Westwood verwandelt sie in barocke Kleider, und der Franzose Jean-Paul Gaultier lässt Männer in Schottenröcken und Frauen in bunt karierten Pailletten-Minis über den Laufsteg gehen. Sein neuester Hit: Schotten-Karos als Dekor für sein jüngstes Parfum.

Ein berühmtes Karomuster ist der beige-rot-schwarze Check der britischen Firma Burberry. Doch ausgerechnet diese Saison hat die klassische Marke eine Karo-Pause eingelegt.

Pepita heisst das nach der Künstlerin Josefa de la Oliva benannte Karo. Der Name Pepita kommt von «Pepa», was eine Kurzform von Josefina ist. Es besteht aus feinen, meist schwarz-weissen Karos mit diagonalen Verbindungen.

Im Gegensatz dazu verlaufen beim sogenannten Hahnentrittmuster (auf Französisch Pied-de-Poule) die einzelnen Karos im rechten Winkel zum Stoff.

Der Glencheck (zu deutsch «Bergtal-Karo») ist eine traditionelle Musterung für Herrenhemden und Anzüge. Kennzeichnend für das Dessin ist, dass über einem feinen Karomuster ein zweites Karo in einer Kontrastfarbe verläuft.

Und weil die Achtzigerjahre-Trends ebenfalls beliebt sind, darf das Holzfäller-Karo nicht fehlen. Seinen Ursprung hatte es im Hollywood-Film «Brokeback Mountain» und verkörpert auf Cowboy-Hemden den amerikanischen Traum von der grossen Freiheit.

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