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Kolumne

Neujahr und die Frage nach dem Sinn

Über den Lebenssinn zu sinnieren ist ein aufregendes Unterfangen.
Lukas Niederberger
Lukas Niederberger, Publizist.

Lukas Niederberger, Publizist.

An Neujahr richtet sich unser Blick nach vorn und wird von unterschiedlichsten Gefühlen und Haltungen begleitet: von quälenden Existenzängsten bis zu engagierter Gelassenheit. Manche fassen fürs neue Jahr hehre Vorsätze, andere jagen im Beruf bereits zur Genüge hoch gesteckten Jahreszielen nach und setzen darum im Privatleben lieber zeitlich unbestimmte oder gar keine Ziele – ganz nach der Devise «Der Weg ist das Ziel».

Die Frage nach Zielen setzt voraus, dass unserem Leben ein tieferer Sinn innewohnt.

Judentum, Christentum und Islam postulieren, unser Leben sei von sich aus sinnvoll, weil es ein göttliches Geschenk sei und weil es einen ewigen Platz im Himmel anpeile. Peter Bichsel beschreibt als Atheist die religiöse Sinngebung mit leichter Ironie: «Menschen brauchen Gott, damit alles, was ist, nicht sinnlos ist und damit alles, was ist, nicht alles ist.»

«...es gibt nichts Neues unter der Sonne»

Für areligiöse Menschen enthält die irdische Existenz keinen Sinn von sich aus, sondern erhält diesen wie bei Camus und Sartre erst durch bewusst getroffene Entscheidungen. Sinn assoziieren wir in der Regel mit Glück und Zufriedenheit, Freiheit und Autonomie, beruflichem und wirtschaftlichem Erfolg, Familie und Fortpflanzung, Hobbys und Engagements sowie mit Lieben und Geliebtwerden. Das Dilemma all dieser Werte liegt darin, dass sie uns leicht abhandenkommen. Kohelet klagte schon vor 3000 Jahren: «Windhauch, Windhauch, es ist alles Windhauch. Eine Generation geht, eine andere kommt. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.»

Aus Angst, die ideellen Werte zu verlieren und die hehren Ideale nicht zu erreichen, verzichten manche Menschen gänzlich auf die Frage nach dem Lebenssinn. Andere verweigern sich der Sinnfrage, weil sie den Menschen als reines Zufallsprodukt im Universum betrachten und darum unsere Existenz als absurd bezeichnen.

Tatsächlich gäbe es uns alle nicht, wenn unsere Mütter ihre früheren Jugendfreunde geheiratet hätten.

Andere Erdenbürger suchen zwar nach Sinn, aber nicht in hehren Idealen, sondern im Erfüllen bürgerlicher Konventionen und im Erreichen kurzfristiger Lust- und Bedürfnisbefriedigung, ganz im Stil von Monty Python: «Seien Sie nett zu Ihren Nachbarn, vermeiden Sie fettes Essen, lesen Sie ein paar gute Bücher und machen Sie Spaziergänge.» Mediziner, Pharmaindustrie und ein beträchtlicher Teil der Menschheit sehen Sinn und Ziel des Lebens darin, möglichst gesund und lange zu leben. Aus demselben Grund wünschen sich an Neujahr zahllose Cüpli-Trinker Gesundheit und viele weitere Lebensjahre. Mit Lebenssinn hat das allerdings wenig zu tun, sondern vielmehr mit Selbsterhaltungstrieb, wie ihn jede Fliege besitzt, die unserer Klatschhand entweicht.

Auf der Suche nach Lebenssinn halte ich Martin Luthers Haltung für die plausibelste:

«Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.»

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Selbst wenn sie nicht rational begründbar ist und kein definiertes Ziel vorgibt, verleiht sie als innerer Lebensmotor und als Leidenschaft für die Möglichkeit unserem Tun dennoch Richtung – und Sinn. Alles klar? Prosit Neujahr!

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