Nasa-Rover
Schweizer Weltraum-Professor: «50 Prozent der Marslandungen sind gescheitert»

Heute um etwa 22 Uhr Schweizer Zeit wird der Nasa-Rover Perseverance auf dem Mars landen, wenn die heikle Landephase überstanden wird. Der Berner Weltraum-Professor Willy Benz zur Strahlkraft dieser spektakulären Mars-Mission, mit der nach Leben gesucht wird.

Bruno Knellwolf
Merken
Drucken
Teilen
Darstellung der Perseverance-Mission Minuten bevor sie in die Mars-Atmosphäre eintritt.

Darstellung der Perseverance-Mission Minuten bevor sie in die Mars-Atmosphäre eintritt.

AP

Herr Benz, wie ordnen Sie das Nasa-Rover-Projekt Perseverance im Vergleich zu bisherigen Mars-Missionen ein?

Willy Benz: Perseverance ist der anspruchsvollste Rover, der jemals versucht hat, auf dem Mars zu landen. Er hat das spezifische Ziel, auf dem roten Planeten nach vergangenem Leben zu suchen und eine Reihe von Proben vorzubereiten, die von einer späteren Mission geholt werden können. Das ist ziemlich aufregend.

Weltraumforscher Willy Benz, Direktor am Physikalischen Institut der Universität Bern.

Weltraumforscher Willy Benz, Direktor am Physikalischen Institut der Universität Bern.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Was unterscheidet diesen Nasa-Rover von den vorherigen Projekten, insbesondere von Curiosity?

Der Nasa-Rover Curiosity war der Vorläufer. Sein Ziel war es, den Mars als Planeten zu erforschen und dabei war er sehr erfolgreich. Perseverance ist die nächste Generation von Rovern und baut als solche auf den Erfahrungen der Vorgängermissionen auf.

Heute landet die Perseverance im Jezero-Krater landen. Was ist die Herausforderung dabei und wie sicher gelingt das?

Die Landung eines Rovers auf dem Mars ist immer eine grosse Herausforderung und der Erfolg ist nie garantiert. Tatsächlich sind etwa 50 Prozent aller Versuche, auf der Marsoberfläche zu landen, gescheitert. Die sanfte Landung eines Fahrzeugs, das mehr als eine Tonne wiegt und komplexe Instrumente mit sich führt, wie dieses, ist die komplexeste Landung, die jemals versucht wurde. Obwohl also alles geplant, untersucht und getestet wurde, besteht immer die Möglichkeit eines Fehlschlags.

Der Perseverance-Rover beim Bohren im Marsboden.

Der Perseverance-Rover beim Bohren im Marsboden.

AP

Man geht davon aus, dass im Jezero-Krater einst Wasser war. Welche Resultate versprechen sich die Forscher dementsprechend mittels den Bodenproben, die der Rover entnehmen soll?

Perseverance hat die Aufgabe, mit einer Reihe von Instrumenten an Bord nach verräterischen Anzeichen dafür zu suchen, dass auf dem Mars vor Milliarden von Jahren mikrobielles Leben gelebt haben könnte. Er wird auch Gesteinskernproben in Metallröhren sammeln. Und zukünftige Missionen werden diese Proben zur Erde zurückbringen, um sie genauer zu untersuchen.

Wie werden die Bodenproben analysiert?

Die Suche nach Biosignaturen wird die Kameras des Rovers mit einbeziehen, insbesondere die Mastcam-Z. Die befindet sich am am Mast des Rovers. Die Kamera kann heranzoomen, um wissenschaftlich interessante Ziele zu untersuchen. Mit einem Laser kann ein vielversprechendes Ziel beschossen werden, wodurch eine kleine Plasmawolke erzeugt wird, die analysiert werden kann, um die chemische Zusammensetzung zu bestimmen und zu entscheiden, ob das Ziel eine nähere Untersuchung rechtfertigt.

Was geschieht, wenn die Untersuchung gerechtfertigt ist?

Wenn dies der Fall ist, können zwei Geräte für diese detaillierteren Analysen verwendet werden. Das PIXL (Planetary Instrument for X-ray Lithochemistry) wird mit seinem winzigen, aber leistungsstarken Röntgenstrahl nach möglichen chemischen Fingerabdrücken von früherem Leben suchen. Das Instrument SHERLOC (Scanning Habitable Environments with Raman & Luminescence for Organics & Chemicals) verfügt über einen eigenen Laser und kann Konzentrationen von organischen Molekülen und Mineralien aufspüren, die sich in wässrigen Umgebungen gebildet haben. Zusammen werden diese beiden Instrumente dabei helfen, festzustellen, ob es gerechtfertigt ist, die Probe eventuell später zur Erde zurückzubringen, um sie in einem Labor weiter zu untersuchen.