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Geschafft! Nasa-Roboter «InSight» ist auf dem Mars gelandet – und sendet ein erstes Bild zur Erde

Es war ein extrem schwieriges Manöver: Zum ersten Mal seit der Mission «Curiosity» hat am Montag Abend ein Lander auf dem Mars aufgesetzt. Mit an Bord: ein Seismometer, an dem ETH-Forschende massgeblich beteiligt sind.

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(sda/dpa/ast)

Erstmals seit 2012 hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Montag einen Roboter auf dem Mars landen lassen. Das Manöver konnte online live mitverfolgt werden. Bereits wenige Minuten nach der Landung um 21 Uhr Schweizer Zeit ist das erste Bild, das der Roboter aufgezeichnet hat, gezeigt worden:

Das Bild vom Mars, welches «InSight» zur Erde geschickt hat, ist auf einem Computerbildschirm im Nasa-Zentrum zu sehen. (Bild: NASA via AP (Pasadena, 26. November 2018))

Das Bild vom Mars, welches «InSight» zur Erde geschickt hat, ist auf einem Computerbildschirm im Nasa-Zentrum zu sehen. (Bild: NASA via AP (Pasadena, 26. November 2018))

Nach einer rund 485 Millionen Kilometer langen Reise hat der im Mai gestartete Lander «InSight» in der Ebene Elysium Planitia nördlich des Mars-Äquators auf dem roten Planeten aufgesetzt. Dies teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Montagabend mit.

NASA-Angestellte in Kalifornien reagieren auf das erste Bild, das «InSight» auf seiner Mission zur Erde gesandt hat. (Bild: Eugene Garcia/EPA (La Canada Flintridge, 26. November 2018))

NASA-Angestellte in Kalifornien reagieren auf das erste Bild, das «InSight» auf seiner Mission zur Erde gesandt hat. (Bild: Eugene Garcia/EPA (La Canada Flintridge, 26. November 2018))

Kurz danach folgte ein weiteres Bild:

An Bord befinden sich wissenschaftliche Instrumente, mit denen die Forscher das Innere des Mars untersuchen wollen. Stark beteiligt daran ist die ETH Zürich.

Ob der Roboter voll funktionsfähig ist, war am Montagabend noch nicht klar. Nach dem Eintritt in die Mars-Atmosphäre wurde der Roboter mithilfe von Bremsraketen und einem Fallschirm in einem äusserst komplizierten Manöver abgesenkt.

Eine Marslandung ist immer eine Zitterpartie: Unter anderem mithilfe eines Fallschirms wurde der «InSight»-Lander auf dem Weg zum Marsboden abgebremst. (Illustration: PD/NASA/JPL)

Eine Marslandung ist immer eine Zitterpartie: Unter anderem mithilfe eines Fallschirms wurde der «InSight»-Lander auf dem Weg zum Marsboden abgebremst. (Illustration: PD/NASA/JPL)

Zuletzt hatte die Nasa 2012 den Rover «Curiosity» erfolgreich auf den Mars gebracht. Landungen auf dem roten Planeten gelten als extrem schwierig – nur rund 40 Prozent aller bisher weltweit gestarteten Mars-Missionen waren der Nasa zufolge erfolgreich.

Mit 10'000 Kilometern pro Stunde unterwegs

«InSight» ist 360 Kilogramm schwer und hat seine siebenmonatige Reise zum Nachbarplaneten der Erde mit bis zu 10'000 Kilometern pro Stunde zurückgelegt. Der «InSight»-Roboter kann nicht rollen, sondern bleibt an einem Ort. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten soll der Roboter den Mars untersuchen und vor allem mehr über den Aufbau des Planeten und die Dynamik unter seiner Oberfläche in Erfahrung bringen.

Ein in Deutschland entwickeltes Gerät, eine Art Marsmaulwurf, soll sich in den Boden bohren. Die insgesamt rund 650 Millionen Euro teure Mission ist auf zwei Jahre angelegt.

Radiosignale

Nach der Landung sende der Lander nun Radiosignale, welche verraten, ob das System das Manöver unbeschadet überstanden habe, erklärte Domenico Giardini von der ETH Zürich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Giardini hatte die Landung in Pasadena mitverfolgt.

«Auf der Unterseite befindet sich eine Kamera, mit der wir sehen können, ob «InSight» tatsächlich richtig steht», sagte er. Dann würden sich die Solarpanele öffnen und weitere Tests beginnen, zum Beispiel ob die Elektronik funktioniert.

Eine Kamera soll die Umgebung ablichten und dem Kontrollteam auf der Erde die Möglichkeit geben, den besten Standort für die Experimente an Bord auszuwählen. Ein Roboterarm soll die Instrumente dann auf dem Marsboden absetzen.

Giardini hatte sich bereits vor der Landung zuversichtlich gezeigt: Er sei nicht nervös, sagte er im Vorfeld der Landung im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Aber man muss akzeptieren, dass viel schief gehen kann.» Das macht auch das folgende Erklärungsvideo (auf Englisch) klar. Darin erklärt Rob Manning, Chefingenieur des NASA Jet Propulsion Laboratory (JPL), die Tücken der Landung auf dem Mars:

Der Landeplatz liegt in einer Region, die weitgehend eben und frei von grösseren Steinen und Felsen ist. Bisherige Mars-Missionen haben das Gebiet noch nicht vom Boden aus erkundet. Der noch aktive Nasa-Rover «Curiosity» befindet sich in einer Entfernung von 500 Kilometern – und ist damit noch am nächsten dran. Im Gegensatz zu ihm wird sich «InSight» allerdings nicht bewegen, sondern am Landeplatz verharren.

Marssonde «InSight»

InSight ist zu grossen Teilen baugleich mit der Phoenix-Landesonde der NASA, die 2008 auf dem Mars landete. Der Lander hob am 5. Mai 2018 an Bord einer Atlas-5-Rakete von der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien ab; die Landung auf dem Roten Planeten war für den 26. November geplant.
Die rund 735 Millionen Franken teure Mission ist auf zwei Jahre angelegt. InSight soll die innere Struktur des Mars erforschen, insbesondere dessen frühe geologische Entwicklung vor 4,5 Milliarden Jahren. Es handelt sich um die erste Forschungssonde der NASA, die ausschliesslich mit europäischen Instrumenten bestückt wurde. Es ist auch die erste Mission von der Westküste der USA aus zu einem anderen Planeten.

Ein Techniker bei Vorbereitungen für Tests der Marssonde im Simulator. (Archivbild: PD/NASA/JPL/Lockheed Martin via AP)
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Der Hitzeschild der Landesonde muss Temperaturen bis zu 1500 °C aushalten. (Illustration: PD/NASA/JPL)
Eine Marslandung ist immer eine Zitterpartie: Unter anderem mithilfe eines Fallschirms wird der «InSight»-Lander auf dem Weg zum Marsboden abgebremst. (Illustration: PD/NASA/JPL)
Kurz vor der Landung auf der Mars-Ebene «Elysium Planitia» wird die Raumsonde Bremsraketen zünden. (Illustration: PD/NASA/JPL)
So könnte «InSight» nach der Landung aussehen. Die beiden wichtigsten Instrumente SEIS (vorn links) und HP3 (vorn rechts) hat der Roboterarm der Sonde bereits auf die Mars-Oberfläche abgesetzt. (Illustration: PD/NASA/JPL)
Zusätzlich verfolgen zwei Kleinsatelliten von der Grösse einer Aktentasche den Abstieg der Sonde. Diese Mars Cube One («MarCO»), die mit «InSight» gestartet sind und danach abgekoppelt wurden, dienen der Kommunikation zwischen der Marssonde und dem Marserkundungssatelliten einer früheren Mission aufrechterhalten. Bei optimalem Verlauf könnten sie auch das erste Bild weiterleiten, das die gelandete Sonde aufgenommen hat. (Illustration: PD/NASA/JPL)

Ein Techniker bei Vorbereitungen für Tests der Marssonde im Simulator. (Archivbild: PD/NASA/JPL/Lockheed Martin via AP)

Marsbeben auf der Spur

Eines der Geräte, welche abgesetzt werden sollen, ist ein Seismometer, an dem Forschende der ETH massgeblich beteiligt sind. Damit wollen die Wissenschaftler Marsbeben und Meteoriteneinschläge messen, und darüber einige ungeklärte Fragen zum Inneren des roten Planeten klären, wie John Clinton, Leiter des Schweizerischen Erdbebendienstes an der ETH gegenüber der Keystone-SDA sagte.

«Wir haben noch nie solche Messungen auf dem Mars gemacht», betonte Giardini. Erste Resultate könne es im Januar geben. Mit den Daten wollen die Wissenschaftler zum Beispiel mehr über die Grösse des Planetenkerns erfahren, und klären, ob dieser flüssig oder fest ist.

Je mehr Marsbeben oder Meteoriteneinschläge sie aufzeichnen, desto klarer wird das Bild, das sie vom Inneren des Planeten erhalten. «Wenn wir andere Planeten wie den Mars besser verstehen, verstehen wir auch die Erde besser», fasst Giardini das Ziel der Mission zusammen.

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