NAHVERKEHR

Mit dem Regionalzug an die Riviera Als vor gut sechs Jahren in der Drei-Seen-Region die Expo öffnete, waren die Erwartungen klar umrissen. Die Landesausstellung solle auch Gelegenheit sein, eine unbekannte Gegend zu entdecken, so lautete eine der Hoffnungen der lokalen Veranstalter.

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Rebberg-Idylle bei Môtier am Mont Vully. (Bild: Tonia Bergamin)

Rebberg-Idylle bei Môtier am Mont Vully. (Bild: Tonia Bergamin)

Mit dem Regionalzug an die Riviera

Als vor gut sechs Jahren in der Drei-Seen-Region die Expo öffnete, waren die Erwartungen klar umrissen. Die Landesausstellung solle auch Gelegenheit sein, eine unbekannte Gegend zu entdecken, so lautete eine der Hoffnungen der lokalen Veranstalter. Ich war ein Hoffnungsträger, im Mai 2002 verschlug es mich expohalber erstmals in meinem Leben nach Murten.

Die Erwartungen, meine ich, habe ich übertroffen. Ich bin seit jenem Expo-Jahr schon öfters für einen oder zwei Tage zurückgekehrt in das muntere Städtchen, dessen Hauptgasse mitsamt Zeitturm aussieht wie Klein Bern. Und ich habe es geschätzt, dies nebenbei, dass nach Abschluss der Expo die Hotelpreise wenigstens wieder auf ein halbwegs vernünftiges Niveau gesenkt wurden.

Stolze Zähringer-Stadt

Murten liegt so schön zwischendrin, abseits der Hauptachsen, und ist doch bestens erschlossen. Ab Biel und Neuenburg fahren Züge und Schiffe, direkte Linien gibt es auch von Bern und Freiburg aus. Die Route über die Kantonshauptstadt ist vielleicht die schönste: Durch sattes Agrarland mäandert der Regionalzug nordwärts, dem fernen Jura entgegen, bis plötzlich die Türme der Murtner Stadtbefestigung und dahinter der See auftauchen.

Der Anblick der stolzen und mitsamt begehbarer Ringmauer bestens erhaltenen Zähringer-Gründung erklärt das Selbstbewusstsein des heutigen Murten. Die Stadt mit gerade 6000 Einwohnern hatte auch diesen Sommer ihr Open-Air-Kino, morgen Sonntag geht das zwanzigste Sommerfestival «Murten classics» zu Ende. Drei Gault-Millau-Restaurants laden zu Tisch – neben einer Handvoll weiterer Restaurants mit zum Teil atemberaubender Aussicht über den See. Und im schmucken Lokal mit dem kuriosen Namen «Bar & Blumen» sitzt es sich gemütlich bei Ittinger Klosterbräu oder Köstritzer Schwarzbier.

Der Berg ruft

Ob von der Plattform bei der französischen Kirche, vom «Bar & Blumen» oder vom Wintergarten des «Murtenhofs» aus: Immer hat man den Mont Vully vor Augen, der sich am andern Ufer 150 Meter hoch aus dem See erhebt, voll behängt mit Trauben, stetige Lockung. «Freiburger Riviera» nennt sich die Nordseite des Murtensees.

Diesmal will ich hinüber, ich nehme am Morgen das Schiff nach Praz. Wandere durch die Rebberge nach Môtier und wieder zurück, entschliesse mich zur Mittagsrast im «Bel-Air» in Praz, wo auf der grossen Terrasse am See Hochbetrieb herrscht und schüsselweise Egli-Filets aufgetragen werden, mal mit Morcheln, mal mit Weisswein-Sauce, mal à la meunière, ganz wunderbar.

Ein lauschiger Strandweg führt vorbei an Wochenendhäuschen nach Sugiez, wo ich wieder an Bord gehe. Im Broye-Kanal zieht das Schiff mitten durch Getreidefelder, ein kurioses Erlebnis, und nachdem wir eine Brücke passiert haben, stürzen sich unter dem Applaus der Schiffspassagiere ein paar Buben wagemutig vom Geländer hinab in die Wellen. Es wird fleissig gewinkt, vom Ufer aufs Schiff und umgekehrt, diese nonverbale Kommunikation unter Ausflüglern amüsiert mich stets von neuem. Fern des Alltags, scheint es, fühlen sich die Menschen näher. Beda Hanimann

Die Route: St. Gallen–Bern–Freiburg–Murten–Praz–Neuenburg Der Hoteltip: Murtenhof, Rathausgasse 1–3, Murten, 026 672 90 30 www.murtenhof.ch Das Mysterium: Das selbstverständliche Nebeneinander von deutscher und französischer Konversation Der Wandertip: Themenwege «Weinbau» und «Alte Befestigungsanlagen» am Mont Vully

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