Nahverkehr

Die zuckersüsse Mandeläugige im Berner Seeland Im Bauch des Berner Bahnhofs treffen Inter- und Eurocity aus Genf, St. Gallen, Mailand und Berlin aufeinander, ein paar Etagen höher auf dem Dach stehen die Postautos bereit.

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Imposant auch im Regen: Stadtplatz Aarberg. (Bild: Tonia Bergamin)

Imposant auch im Regen: Stadtplatz Aarberg. (Bild: Tonia Bergamin)

Die zuckersüsse Mandeläugige im Berner Seeland

Im Bauch des Berner Bahnhofs treffen Inter- und Eurocity aus Genf, St. Gallen, Mailand und Berlin aufeinander, ein paar Etagen höher auf dem Dach stehen die Postautos bereit. Die schwärmen aus nach Uettligen, Wahlendorf, Meikirch oder Säriswil, die klare Rollenverteilung der Verkehrsmittel springt ins Auge. Mein Bus trägt die Kursnummer 30.100, Zielort Aarberg.

Ein Städtchen zwischen Bern und Biel im Seeland, früh schon bedeutsam (wovon auch die Aarbergergasse in der Hauptstadt zeugt), und ein städtebauliches Unikum schweizweit.

Denn Aarberg ist nicht eine Stadt mit Längs- und Quergassen, zu denen im Lauf der Jahrhunderte immer weitere kamen. Aarberg ist ein Platz. Ein grosser, mandelförmiger Platz, der nur an den Rändern gesäumt ist von stattlichen Berner Häusern. Die ganze Anlage thront leicht erhöht über der Ebene und war einmal ein Inselchen in der Aare.

30 000 Quadratmeter Platz, das würde für mehr als vier Fussballfelder nach Fifa-Norm reichen. Eindrücklich. Gemütlich. Schön.

Die Aarberger Sonne lacht nicht

Ich habe das Pech, bei Nebel und Regen anzukommen, dennoch fühle ich mich wohl, umrunde den Platz zehnmal, zwanzigmal, staune einfach. Was gibt das für heitere Sommerfeste, male ich mir aus, wenn die paar Bäumchen um die zwei Brunnen in der Platzmitte in sattem Grün stehen und quer über den Platz (wo

jetzt Autos parkiert sind) Festbänke aufgestellt werden! Wie stimmungsvoll muss der Weihnachtsmarkt sein, der Aarberger Chlouser Märit! Und die berühmte Aarberger Puce, der Antiquitäten- und Flohmarkt jeweils im April und August!

Angesichts des Nieselregens schmunzle ich über den Begriff «Aarberger Sonne», der mir just vor der Abreise begegnet ist – und den Zucker meint, mit dem Schweizer Winzer ihrem Wein gelegentlich auf die Sprünge helfen. Tatsächlich ist Zucker in Aarberg allgegenwärtig, der Ort wird auch Zuckerstädtchen genannt.

Traktoren mit Rübenladungen kurven durch die Strassen, neben Wegweisern zu den Nachbarorten gibt es auch solche mit der Aufschrift «Rübenanlieferung». Und sogar spätabends, wie ich nach Kürbis-Vanille-Suppe und Wildschwein-Entrecôte einen 21. Rundgang und ein paar Schritte über die gedeckte Holzbrücke hinaus mache, dampft die Zuckerfabrik leise in den Himmel. In der Hochsaison, der so genannten Kampagne, wird im Dreischichtbetrieb gearbeitet.

Von Aarberg bis Aarburg

Mein Plan für den zweiten Tag scheitert an der Unwirtlichkeit des Wetters. All diesen kleinen Aarestädtchen – nicht Solothurn oder Olten, sondern den wirklich kleinen, übergangenen – hätte ich folgen wollen, von Aarberg nach Büren an der Aare, weiter nach Wangen, dann Aarburg. So weit schaffe ich es nicht.

Ich komme bis Büren (absolut lohnend, mit einer über hundert Meter langen gedeckten Holzbrücke direkt aus der Altstadt hinaus über die Aare). In Büren endet die Eisenbahnlinie von Kerzers her. Wenig östlich sehe ich sie plötzlich wieder, ausrangiert, unbedient, wie mir scheint. Rechtlich sei der Abschnitt Solothurn–Büren nur ein Nebengleis des Bahnhofs Solothurn, erfahre ich. Kurios, aber kein Problem. Postauto Bern hat übernommen. Beda Hanimann

Die Route: St. Gallen–Bern– Aarberg–Büren–Solothurn Der Hoteltip: Krone, Stadtplatz 29, Aarberg, Tel. 032 391 99 66 www.krone-aarberg.ch Der Termin: Chlouser Märit Aarberg, 3.–5. Dezember Die Lektion: Stadtführung buchen: info@aarberg-tourismus.ch

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