10 Jahre Waldbrand im Wallis
Nach dem Waldbrand kamen die Vögel – so sieht der Wald bei Visp zehn Jahre nach dem verheerenden Brand aus

Plötzlich war der Lawinenschutz weg. Statt Föhren wachsen auf dem ehemaligen Brandgebiet im Wallis nun Bäume, die mit dem künftigen Klima besser zurechtkommen. Aber es dauert noch Jahrzehnte bis der Wald wieder schützt.

René Fuchs
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Tote Bäume im wieder grünen Waldboden. Unten das Rhonetal.
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Der Waldbrand überraschte Visp am 26. April 2011.
Neuer Wuchs in einem verkohlten Baumstamm.
Revierförster Martin Imesch vor dem ehemaligen Brandgebiet des Eyholzerwaldes bei Visp.

Tote Bäume im wieder grünen Waldboden. Unten das Rhonetal.

Bild: Ulrich Wasem

Vor zehn Jahren am 26. April 2011 brannte ein Karosseriebetrieb in Visp ­­‑­ und bald darauf der ganze Wald. Die Flammen loderten, angetrieben von einem heftigen Wind, an der Nordflanke des Berges zwischen Visp und Eyholz im Oberwallis hoch. Innerhalb von nur 28 Minuten breitete sich das Feuer vom Talgrund bis zum rund 600 Meter höher gelegenen Berggrat aus. Die Rauchentwicklung war kilometerweit sichtbar. 380 Feuerwehrleute und 10 Helikopter bekämpften das Feuer im sehr steilen Gelände.

Rund 110 Hektaren des Schutzwaldes mit bis zu 400 Jahre alten Nadelbäumen wurden zerstört. Die Löscharbeiten gestalteten sich aufgrund der Steinschlaggefahr, der starken Böen und der grossen Trockenheit als schwierig. Erst nach drei Wochen waren die letzten Glutnester ausgehoben.

Daniel Kämpfer, Ingenieur der Dienststelle für Wald, Flussbau und Landschaft des Oberwallis kennt diese Naturgefahr, die immer öfter vorkommt.

«Die Feuerhäufigkeit hängt direkt mit dem Auftreten von Trockenperioden zusammen.»

So ereignete sich der flächenmässig grösste Waldbrand im Wallis in Leuk auf über 300 Hektaren im Hitzesommer 2003.

Mit dem verschwinden des Waldes wurden die Hänge instabil und es fiel auch der Schutz der Siedlungen weg. Schutzbauten mussten stattt dessen errichtet werden. Zwei Dämme und Murgangnetze könnten 4500 Kubikmeter Schlamm und gröberes Gesteinsmaterial aufhalten. Quergefällte Bäume am oberen Berghang sowie Dreibeinböcke minimieren die Lawinengefahr.

Die nächste Gefahr sind die Zähne des Wildes

Im Waldbrandgebiet wurden 12000 neue Bäumchen gepflanzt. Die klassischen Föhrenwälder im Wallis halten dem Klimawandel nicht mehr stand. Deshalb wurden trockenheitsresistentere Baumarten, wie die Flaumeiche gepfanzt. Aber auch Mehlbeeren, Birken, Weiden, Fichten, Lärchen und Weisstannen wachsen inzwischen gut an, müssen aber vor Wildverbiss geschützt werden. «Zudem geschah auch die natürliche Waldverjüngung mit Pionierarten sehr rasch», freut sich Revierförster Martin Imesch. Mit Ausnahme der untersten Höhenstufe auf 700 m ü. M. erreichen die Dichten bereits ansehnliche Werte.

Obwohl die Waldverjüngung gut voranschreitet, wird es noch über hundert Jahre dauern, bis sich wieder ein stabiler Schutzwald entwickelt hat. Seine Bewirtschaftung bleibt eine Daueraufgabe. Insbesondere, was den Schutz vor Wildverbiss durch Gämsen und Hirsche und die Schliessung von unbestockten Lücken betrifft.

Insgesamt haben Bund, Kanton und die Gemeinde Visp seit dem Brand vor zehn Jahren über 2,4 Millionen Franken in Schutzmassnahmen und die Aufforstung investiert.

Für seltene Vögel ist der Waldbrand eine Chance

«Für die Biodiversität stellt ein Waldbrand keine Katastrophe dar», sagt Waldingenieur Kämpfer. Die neu entstandenen Lebensräume wurden von unterschiedlichsten Vogelarten rasch besiedelt. Das reiche Samenangebot von einjährigen Pflanzen rund um die geschwärzten Baumstämme mit zahllosen Sitzwarten und Höhlen, ist für viele gefährdete Arten nützlich. Der Gartenrotschwanz und der Wendehals finden im Mosaik von Jungwald und offenen Flächen einen idealen Lebensraum.