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Muse entdecken auf ihrem neuen Album den Groove- und kommen 2019 in die Schweiz

Auf seinem neuen Album hat das englische Rocktrio Muse die Grandiosität zurückgeschraubt und setzt dafür auf kurz und knapp. Das überzeugt: Die meisten Songs klingen nach discohaften Rhythmen.
Hanspeter Künzler
Frontmann Matt Bellamy (Mitte), Dominic Howard (links) and Christopher Wolstenholme von der Band Muse. (Bild: Miguel Tona/EPA)

Frontmann Matt Bellamy (Mitte), Dominic Howard (links) and Christopher Wolstenholme von der Band Muse. (Bild: Miguel Tona/EPA)

Matt Bellamy ist einer der vergnüglicheren Interviewpartner im Rockgeschäft. Er ist sowohl der Kopf als auch die opernhafte Stimme von Muse, verfügt dazu über eine stupende Gitarren- und Klaviertechnik. Vierzig Jahre alt ist er im Juni geworden, sieht aber immer noch aus wie der Schlingel, der im Schulzimmer den Knaller gezündet hat. Auch dass er seit fast einer Dekade in Los Angeles lebt, sieht man ihm nicht an. Nach einem Festivalauftritt in Coachella hatte er sich dort eigentlich nur ein paar Monate ausruhen wollen. Aber dann verliebte er sich und wurde Vater. «So ist nun mein Leben mindestens achtzehn Jahre lang an die Stadt gefesselt», sagt er und lacht.

Bellamy befindet sich in London, um über Muses neues Album zu reden. «Simulation Theory» klingt deutlich anders als die sieben vorangegangenen Werke, deren dramatische Kompositionen in alle Windrichtungen ausfransten. Alle ausser dem ersten haben sie die vordersten Ränge in den Rockcharts erreicht, obwohl die Musik nie in irgendwelche Moden passte.

Nun sind die Songs kürzer geworden, werden von pfundigen, manchmal geradezu discohaften Rhythmen vorwärtsgetrieben. Und statt der Gitarre dominieren Klavier und Elektronik den Sound. So begegnet man auf einmal Songs, die auch auf einem Sparks-Album zu Hause sein könnten. Anderswo fühlt man sich an die schmutzigeren Momente von Goldfrapp erinnert. Und «Propaganda» könnte aus der Kehle von Prince kommen.

«Wir haben Rachmaninow einfach weggelassen»

Dass von Muse ein Album erscheint, auf dem mindestens die Hälfte der Lieder eine Single sein könnte, kommt einem Schock gleich. «Wir gingen nicht mit der Absicht ans Werk, einen Haufen Singles zu produzieren», sagt Bellamy und grinst. «Wir fassten den Entschluss, die Zügel ein bisschen anzuziehen und unseren Hang zu ausufernden Instrumentalpassagen zu drosseln.» Seine Kompositionsmethode habe er deswegen kaum ändern müssen. Geschrieben habe er wie immer:

«So hatte der Song ‹Thought Contagion› in der Mitte zwei Minuten Rachmaninow samt Klavier und Orchester. Als wir damit fertig waren, mussten wir uns eingestehen, dass so was nicht in unsere Pläne passte. Da haben wir den Rachmaninow einfach weggelassen.»

Muse sind ein grossartiges Exempel dafür, dass Überzeugung und Zivilcourage manchmal wichtiger sind als schicke Gewänder und eine Antenne für den Zeitgeist. Als die Band in den Anfangsjahren durch die düstersten Knellen von England zog und mit ihrer gnadenlos überdrehten, keineswegs parodistisch gemeinten Mischung aus Queen, Klassik, Theater, wüsten Progressive-Rock-Arrangements und wilden Sci-Fi-Konzepten vor allem Gelächter auslöste, hätte niemand im Traum daran gedacht, dass man es hier mit künftigen Millionenverdienern zu tun hätte.

Muse, «Simulation Theory», Warner Bros, ab 9.11.

Muse, «Simulation Theory», Warner Bros, ab 9.11.

Sie stellen sich gegen den Zeitgeist

«Progressive Rock», oft auch einfach «Prog» genannt, war seit den besten Punk-Tagen rundum verhöhnt worden. Man verstand unter diesem Begriff einen Rockstil, der sich nicht ans Dreiminutenmuster mit Vers, Refrain und kurzem Solo hielt, sondern sich in durchkomponierten Stücken erging, die oft von klassischen Einflüssen und virtuoser Technik geprägt waren.

Muse bedienen sich all dieser Elemente, auch bei «Simulation Theory». Es gehe um die Idee, dass man sich vorstellen könne, wie es in Zukunft möglich sei, das ganze Universum in einer virtuellen Simulation nachzubilden, sagt Bellamy. Der Mut, sich gegen den Zeitgeist zu stellen wie einst Don Quijote, verdient Bewunderung – und erntet längst seinen Lohn.

«Prog» wird heute kaum mehr ausgelacht. Eine junge Generation von Prog-Bands hat auch eine junge Generation von Fans hervorgebracht. Die Szene ist reichhaltig, gross, international. Und Muse geht wieder auf Welttournee (am 3. Juli 2019 tritt die Band im Hallenstadion Zürich auf). «Da spiele ich sicher wieder mehr Gitarre», sagt Bellamy.

«Auf der Bühne macht eine Gitarre eindeutig mehr Spass als ein Klavier.»

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