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Montreux Jazz Festival: Ein Abgang und kein Comeback

Woodstock gegen MTV: Joan Baez sang und sprach, Janet Jackson tanzte und machte Show. Die beiden grössten weiblichen Stars des Montreux Jazz Festivals im Vergleich.
Mathias Haehl
Janet Jackson und ihre Tänzer. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Janet Jackson und ihre Tänzer. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Zugegeben, es ist kein Schleck, eine Jackson zu sein. Traumatische Jugend unter einem tyrannischen Vater, als kleine Schwester immer im Schatten des grossen «King of Pop», Skandale ohne Ende. Kein Wunder, hat Janet mit der Familie gebrochen. Mittlerweile ist die Suchende zum Islam konvertiert und trat in züchtiger schwarzer Robe auf. Doch der Montreux-Abend zeigte erschreckend klar, dass die 53-Jährige keine Stimme (mehr) hat. Der Auftritt war immerhin Augenfutter, dank schmissiger Choreografie und acht agilen Tänzern. Den Erwartungen entsprach auch die kompetente Band, die stilsicher R ’n’ B mit Funk und Rap mit Rock mischte. Mit diesem eingängigen Sound war Janet zwischen 1989 und 1991 bestbezahlte Musikerin und Vorbild der schwarzen Teenager.

Janet war einst gar politisch: Sie sang gegen Gewalt an Frauen und Benachteiligung der Schwarzen, alles selbst erfahren. Und alles in Videos stylish präsentiert. Doch die Zeiten von seelenlosen MTV-Bildern sind vorbei.

Und jetzt, aus dem Nichts, eine Tour: Comeback? Misslungen, leider.

Natürliche Ausstrahlung statt Glamour

Ganz anders präsentierte sich «Rebellen-Oma» Joan Baez: natürliche Ausstrahlung statt dickgeschminkter Glamour wie bei Janet. Da steht sie, ganz allein mit ihrer Gitarre, und stimmt ein neues Lied an: «I am the last Leaf on the Tree». Dieses letzte Blatt am Baum ist nicht welk, sondern eine graziöse alte Dame: kurzes weisses Haar, weisser Nadelstreifen-Kittel und Jeans. Zwischendurch erklärt die Weltgewandte ihre Protestlieder auf Französisch. Sie holt voller Freude ihren «lovely» Sohn Gabriel Harris an die Drums und dann eine Grace mit Engelshaar ans Mikrofon, damit diese «die hohe Noten singt, die ich verloren habe». Bei Baez wird nichts kaschiert, die 78-Jährige steht zum Alter.

Joan Baez und ihre Gitarre. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Joan Baez und ihre Gitarre. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Sie trägt eigenes Material vor, Songs von Donovan oder «Suzanne» von Leonard Cohen, auch «House of the Rising Sun» und «Gracias a la Vida», ein Dankeslied ans Leben. Ihre musikalische Revolution geht immer noch ans Herz, und zwischendurch gibt sie dann das trefflich formulierte Plädoyer gegen US-Präsident Donald Trump: «Dies ist nicht die Zeit, eine Mauer hochzuziehen! Wir sollten vielmehr die Armen füttern, ihnen Kleider geben und für deren Kinder Mitgefühl haben.» Applaus tobt.

Geschichte geschrieben

Der Beifall gilt auch einer Frau, die Geschichte schrieb: Mit 22 Jahren sang Joan Baez 1963 für den Schwarzenrechtler Martin Luther King. Und vor 50 Jahren wurde sie neben Hendrix und Santana in Woodstock zur Legende. Sie war Muse und Partnerin von Bob Dylan und Steve Jobs, dem Apple-Mitbegründer. In letzter Zeit machte Joan Baez sich gegen Umweltverschmutzung, gegen die Todesstrafe und den Waffenkult in den USA stark.

«Europa war mir immer treu, an den USA rieb ich mich immer.»

Ihre Farewell-Tour beendet Joan Baez deshalb auf dem alten Kontinent, um dann in Madrid ihr allerletztes Konzert zu geben.

Joan Baez weiss: «Musik öffnet Herzen und kennt keine Grenzen.» Janet fordert: «Wir brauchen mehr Liebe.» Gleiches Thema, unterschiedliche Herangehensweise: Die eine setzt dabei ganz auf Sein, die andere nur noch auf Schein.

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