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Sonntagsausflug nach Jenins: Mitten in Rebbergen

Urs Bader
Kirche und herrschaftliche Anwesen in Jenins. (Bild: Urs Bader)

Kirche und herrschaftliche Anwesen in Jenins. (Bild: Urs Bader)

Der Sonntagsausflug beginnt mit einem Fehlschlag. Geplant ist eine Rundwanderung im Gebiet der Jeninser und ­Maienfelder Alpen hoch über der Bündner Herrschaft, verbunden mit einem Besuch von Malans. Doch daraus wird nichts. Die Älpli-Bahn, die uns vom Dorfrand von Malans hinaufbringen sollte, ist einigermassen ausgebucht. Den Hinweis, man möge die Bahnfahrt reservieren, haben wir zu spät zur Kenntnis genommen, nämlich kurz vor unserer Abfahrt. Jetzt stehen wir da mit langen Gesichtern. Dann lassen wir es nun halt gemächlicher angehen und entscheiden uns für eine Wanderung von Maienfeld über Jenins nach Malans.

Heidi, Peter und ein paar Geissen

Wir beginnen unsere Wanderung am Bahnhof von Maienfeld – auf das, was wir sehen werden, nun nicht gerade gut vorbereitet. Am Schloss Brandis vorbei und durch den Dorfkern mit schönen historischen Häuserensembles und einem stattlichen Rathaus streben wir das Hotel Heidihof hoch über dem Dorf an. Der Blick über das Rheintal soll die Mühe lohnen. Kurz vor dem Ziel werden wir daran erinnert, dass wir tatsächlich mitten im Heidiland sind. Ein Wegweiser weist zum Heididorf, und eine Skulpturengruppe mit Heidi, Peter und ein paar Geissen lädt zu einem Foto ein. Schon bietet sich eine japanische Touristin freundlich an, das Foto von uns zu schiessen. Fast vergessen wir, die versprochene Aussicht über das Rheintal zu geniessen.

Der Weg nach Jenins führt durch das Heididorf, das an diesem Nachmittag vor allem von japanischen und chinesischen Touristen besucht wird. Wir lassen uns nicht lange aufhalten, wir haben eigene Bilder im Kopf. Immerhin scheint die Tourismus- Dachmarke «Heidiland» global zu funktionieren. Nun geht es meist abwärts nach Jenins. Eine Rebwanderung ist es nicht, dafür sind wir etwas zu hoch oben. Erst am Dorfrand stossen wir dann wieder auf Rebberge, die diese Gegend eindrücklich prägen. Ein touristischer Hotspot ist der Ort nicht gerade, aber er hat noch ein schönes, im Kern weitgehend intaktes Dorfbild mit repräsentativen Patrizierhäusern der einflussreichen Bündner Familien von Sprecher und von Salis.

Ein Herzog brachte die Blauburgunder Rebe

Auch hier ist «Heidi» indirekt präsent. Bei der Frau von Oberst Jakob von Salis verbrachte Johanna Spiri (1827–1901) viele Jahre ihre Ferien. Die Inspirationen für ihre «Heidi»-Geschichten gründen in ihren Erlebnissen auf Wanderungen durch die Bündner Herrschaft. Ein Denkmal wurde ihr hier allerdings nicht gesetzt, anders als für Herzog Henri de Rohan. Er soll zur Zeit der Bündnerwirren von 1622 bis 1635 die Blauburgunder Rebe wie in die übrige Bündner Herrschaft auch nach Jenins gebracht haben. Aus Dankbarkeit wurde dem edlen Herzog, wie er von den Herrschäftlern genannt wurde, vor dem Gasthaus zur Bündte ein Denkmal errichtet – so heisst es auf der Homepage der Gemeinde Jenins. War dies so, dann hat sich der Herzog tatsächlich grosse Verdienste um die Region erworben, geniesst der Pinot Noir aus der Bündner Herrschaft doch mittlerweile weltweit Ansehen. Die Büste für ihn über einem Rebberg kann freilich leicht übersehen werden.

Vorerst verlassen wir aber Jenins und machen uns auf den Weg nach Malans. Der Weg führt über Wiesen und durch Wald und schliesslich – das wirkt wie eine schlechte Pointe – vorbei an der Talstation der Älpli-Bahn. Na ja, wir werden gelegentlich darauf zurückkommen. Auf dem Weg ins Zentrum von Malans passieren wir ein Neubauquartier; der aktuelle Bauboom hat auch diese Gemeinde erfasst. Ihr alter Kern ist aber immer noch reizvoll und hat viele schöne Ecken. Das Postauto bringt uns nach Maienfeld, und wir kehren mit dem Auto nach Jenins zurück (die Strasse von Malans her ist zurzeit gesperrt). Dort kehren wir im «Alten Torkel» ein und wollen hier, mitten in den Reben, nun den «Herrschäftler» auch noch probieren. So endet der Sonntagsausflug, der mit einem Fehlschlag angefangen hat, dann doch noch in Minne.

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