Mit Zauberflötencharme

Im Zeichen der Romandie stand das zweite Migros Classics – am Pult Charles Dutoit, als Solist Emmanuel Pahud, auf dem Programm Frank Martin. Bettina Kugler

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«Welche Wonne, welche Lust», möchte man mit Blondchen aus Mozarts Oper «Die Entführung aus dem Serail» trällern – so leichtfüssig tänzelt das abschliessende Rondo des Flötenkonzerts Nr. 2 D-Dur bei Emmanuel Pahud und dem Orchestre de la Suisse Romande über die Bühne. Dabei versäumt das Heft zum zweiten Migros Classics dieser Saison in der St. Galler Tonhalle nicht, daran zu erinnern, wie unbeliebt die Flöte bei Mozart war, und dass das Werk «nur» die Transkription eines Oboenkonzertes ist.

Im Orchester glattpoliert

Kaum ein Einführungstext kann sich diesen Hinweis verkneifen; fast alle krönen ihn mit der Mozart in den Mund gelegten Frechheit, es gebe nichts Falscheres als eine Flöte, ausser zwei Flöten. Warum wohl? Vermutlich, um das Publikum auf den Gegenbeweis einzustimmen, wofür der Westschweizer Pahud der richtige Mann ist. Zauberflötencharme und Eleganz entlockt er dem virtuosen, dabei so unprätentiös wirkenden Konzert. Die Kadenz scheint Papageno abgelauscht zu sein; Pahud lässt seine Interpretation natürlich fliessen, ohne ins Plätschern zu geraten.

Klangvolumen hat die Flöte reichlich, auch für einen verhältnismässig grossen Streicherkörper, über den der erfahrene, weitgereiste Charles Dutoit regiert. Doch fehlt dem Orchesterpart die Würze; der Klang ist glattpoliert und nichtssagend wie zu Karajans Zeiten. Mit dem Mundwerk jedenfalls war Mozart bissiger. So kommt es, dass Pahud, durchaus vertraut mit Klangrede, wesentlich mehr Gestaltungszauber in Frank Martins lyrisch weitgespannter Ballade entfalten kann – in sanglicher Harmonie mit dem Spitzenorchester aus Lausanne.

Russische Bilderpracht

Nuancen und eine enorme farbliche Palette spielten die Romands bereits in Berlioz' Ouverture «Le Corsaire» aus: ein selbstbewusster und vielversprechender Einstieg. Stand doch als Hauptwerk Mussorgskys russisches Panoptikum «Bilder einer Ausstellung» in der Orchesterfassung von Ravel auf dem Programm. Kontrastreich führte Dutoit den Pinsel und die Graviernadel. Souverän die Bläser: von schwarz bis gleissend hell.

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