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Grippesaison: Mit Sonnenhut-Wirkstoff gegen Antibiotika

Die Antibiotika-Resistenzen nehmen zu. Mit dem pflanzlichen Wirkstoff Echinacea sollen die Antibiotika-Verschreibungen zurückgehen. In einer klinischen Studie werden zwei neue Echinaforce-Präparate getestet.
Bruno Knellwolf

Draussen ist es kalt und feucht, wir sind mitten in der Grippesaison. «Die Influenza-Saison ist diesen Winter noch nicht so stark», sagt Werner Albrich von der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen. Am meisten von Grippe geplagt sind in der Schweiz Kleinkinder bis vier Jahre – welche die Viren dann später an die Erwachsenen weitergeben.

Die meisten erkranken dabei wegen viraler Atemwegsinfekte wie Erkältungen und grippaler Infekte. Diese Erkrankungen gehören demzufolge zu den häufigsten Gründen für Antibiotikaverschreibungen.

Antibiotika bringen bei Erkältungen nichts

Und diese bereiten Werner Albrich Sorge. Der Medizin entgleitet das Schwert gegen bösartige Bakterien immer mehr, weil die Resistenzen gegen Antibiotika zunehmen. «Deshalb wollen wir Infektiologen den rationalen Einsatz von Antibiotika fördern», sagt Albrich. «Erkältungen sind in aller Regel Virusinfekte, bei denen Antibiotika nichts bringen, aber trotzdem unnötigerweise oft eingesetzt werden. Und dieser unnötige Einsatz fördert die Resistenzen. Es konnte aber wissenschaftlich gezeigt werden, dass mit dem Wirkstoff Echinacea der Antibiotika-Verbrauch reduziert wird.»

Test von zwei neuen Echinacea-Präparaten

Diese mögliche Reduktion von Antibiotika-Verschreibungen durch den Einsatz von Echinacea-Präparaten ist ein Hauptgrund für eine von Albrich geleitete klinische Echinaforce-Studie, in der 400 Erwachsene zur Zeit zwei neue, von Swissmedic freigegebene Echinaforce-Produkte testen.

Gewonnen wird der Wirkstoff Echinacea aus dem roten Sonnenhut. Aus dessen Frischpflanzen-Extrakt und Alkohol werden die Echinaforce-Produkte hergestellt, die nicht nur vorbeugend, sondern auch heilend wirken. «Die Echinacea-Präparate haben verschiedene Wirkungen. Zum einen wirken sie direkt gegen Viren. Sie hemmen die Virus-Vermehrung, töten sie direkt ab und verhindern, dass sich die Viren an die Atemwegszellen anheften.»

Superinfekte mit Echinacea verhindern

Der zweite wichtige Effekt ist die Immunmodulation. Das heisst, der Wirkstoff wirkt entzündungshemmend, fördert aber gleichzeitig das Immunsystem. So dass die Fresszellen aktiviert werden und dadurch Bakterien und Viren abtöten können. Ein weiterer Effekt ist, dass Echinacea die Anheftung von Bakterien an die menschlichen Atemwegszellen blockiert.

«Virus-Infekte bahnen oft bakterielle Infekte. Das heisst, der Virus-Infekt schädigt die Atemwegszellen und fördert dann das Eindringen der Bakterien in die Zellen. Dadurch kann oft erst der bakterielle Superinfekt entstehen. Echinacea verhindert also sowohl den Virus- als auch den Bakterieninfekt», erklärt Albrich. «Und im Unterschied zu anderen Arzneimitteln ist bei Echinacea keine Resistenz-Entwicklung bekannt.»

Deutlich gesteigerte Dosis in neuen Medikamenten

Die in der Schweiz und auch im Ausland vertriebenen Echinaforce-Produkte aus dem thurgauischen Roggwil gibt es in Tabletten- und Tropfenform sowie als Spray und Hot Drink. Bei zwei neuen Echincaforce-Präparaten aus der aktuellen Studie ist die Dosis deutlich gesteigert worden. Durch die neue Zusammensetzung des pflanzlichen Medikaments erhofft man sich eine schnellere Heilung einer Infektion in den Atemwegen, wie Studienleiter Albrich sagt. Bis Ende Mai werden die 400 freiwilligen Probanden aus der Ostschweiz vier Echinaforce-Produkte testen – die zwei neuen höher dosierten und im Vergleich zwei bereits im Handel erhältliche Medikamente. Die Probanden werden ein Tagebuch führen und in der Klinik für Infektiologie überwacht. Gemessen werden die Erreger im Nasen-Rachen-Raum und deren Reduktion durch die Echinacea-Produkte. Finanziert wird die Studie von der Eidgenössische Kommission für Technologie und Innovation KTI und der Firma Bioforce AG.

Die klinische Studie am Kantonsspital St.Gallen ist nicht die erste wissenschaftliche Untersuchung von Echinaforce-Medikamenten, wie Roland Schoop, Medical Advisor bei der Bioforce, erklärt. Eine erste Studie wurde im Jahr 2012 an einer Konferenz der «Royal Society of Medicine» in London präsentiert. Über vier Monate wurden 770 Probanden getestet. Dabei zeigte sich, dass das Risiko einer Erkältung mit der Einnahme von Echinacea um 26 Prozent gesenkt werden konnte. Noch deutlich stärker waren die Effekte bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem – bei Rauchern, Gestressten und Personen mit wenig Schlaf. «Das Risiko konnte um 60 bis 80 Prozent gesenkt werden», sagt Schoop.

73 Prozent weniger Antibiotikaverschreibungen

Eine weitere Studie zeigte, dass Echinaforce nicht nur Erkältungen verhindert, sondern auch die viel schwerer wiegenden Komplikationen daraus wie Lungen- oder Mittelohrentzündungen, gegen die sehr oft Antibiotika eingesetzt werden. Die im Jahr 2015 in London vorgestellte Studie zeigte, dass Echinacea das Risiko einer Lungenentzündung, eine der häufigsten Todesursachen, am meisten reduzierte, beinahe um 70 Prozent. Und die neuste Studie mit 200 Kindern aus dem Jahr 2018 brachte hervor, dass die Prophylaxe von Atemwegsinfekten mit Echinacea die Fiebertage um 67 Prozent reduziert, die Atemweginfekte um 33, die Komplikationen um 64 Prozent und deswegen die Antibiotikaverschreibungen um 73 Prozent geringer sind. Resultate der aktuellen Echinaforce-Studie des Kantonsspitals St. Gallen werden Ende Jahr erwartet.

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