Mit nur einem Papierstreifen gegen die gefährliche Schwangerschaftsvergiftung

Mit einem einfachen Test kann eine sogenannte Präeklampsie entdeckt werden – die gefährliche Krankheit trifft jährlich viele Schwangere. Ein Spin-off der Empa hat ihn entwickelt und träumt bereits von Millionenumsätzen.

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Das Risiko für Präeklampsie ist bei Erstgebärenden grösser und wenn diese übergewichtig sind und über 35 Jahre alt.

Das Risiko für Präeklampsie ist bei Erstgebärenden grösser und wenn diese übergewichtig sind und über 35 Jahre alt.

(Bild. Getty)

(kus) Es beginnt mit hohem Blutdruck, Eiweiss im Urin und Wassereinlagerungen an Füssen und Händen. Das können Anzeichen für eine Präeklampsie sein, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Sie tritt nach der ersten Hälfte der Schwangerschaft auf und ist bei schwerem Verlauf für Mutter und Kind sehr gefährlich.

Beim Ungeborenen drohen Wachstumsverzögerungen und im schlimmsten Fall kann der Organismus der Mutter kollabieren. Deshalb werden die Kinder oft vor dem Termin per Kaiserschnitt auf die Welt geholt.

In der Schweiz sind zwei Prozent aller Schwangeren betroffen. Die Ursache ist vermutlich eine Autoimmunreaktion der Mutter auf das Kind.

Weil die Symptome schleichend auftreten, ist es schwierig, die Krankheit früh zu diagnostizieren – die Nierenfunktion ist bei der heutigen Diagnose meist schon angegriffen. Zudem sind ein erhöhter Blutdruck und Eiweiss im Urin – was heute gemessen wird – keine eindeutigen Anzeichen für Präeklampsie. Ein Spin-off der Empa, die Basler Firma MOMM Diagnostics, meldet nun, man habe einen «einfachen und präzisen» Test entwickelt, um innert Minuten Gewissheit zu haben.

Welche Biomarker es sind, ist noch Geschäftsgeheimnis

«Wir analysieren zwei sehr spezifische Biomarker im Blut der Mutter», erklärt Mathias Wipf, CEO und Mitgründer der Firma. Welche das sind, gibt die Firma nicht bekannt, bevor das Patent in der Schweiz angemeldet ist – in den USA ist ihr Patent bereits gültig. Die Biomarker würden bereits in minimen Konzentrationen aufgespürt.

Der Biosensor ist auf einen Papierstreifen gedruckt, wie die Firma in einer Mitteilung erklärt. Ein Tropfen Blut aus dem Finger der Mutter reiche, um die Moleküle zu detektieren. Der Papierstreifen wird mit einem Lesegerät ausgewertet. Dies könne in der Frauenarztpraxis geschehen, bewerben die Erfinder ihr Produkt.

MOMM Diagnostics zitiert den Chefarzt Geburtshilfe und Fetomaternale Medizin am Kantonsspital Luzern, Markus Hodel: Es lasse sich damit auch das Gesundheitssystem entlasten, da man so unnötige Hospitalisationen vermeiden könne.

Die Firma entwickelt nun einen Prototyp und erwartet zweistellige Millionenumsätze in den ersten fünf Jahren.