Mit Möbeln im Dialog

Sechs Kunsthandwerker aus der Region werden an der morgen beginnenden Offa ausstellen. Fünf von ihnen sind Mitglied beim Form Forum. Urs Bürki und Heinz Baumann repräsentieren mit ihren Werken nicht nur die Vielfältigkeit des Vereins, sondern setzen sich auch aktiv für sie ein.

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Kreieren und fördern: Urs Bürki und Heinz Baumann setzen sich für das Kunsthandwerk ein und prägen den Verein Form Forum wesentlich mit. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Kreieren und fördern: Urs Bürki und Heinz Baumann setzen sich für das Kunsthandwerk ein und prägen den Verein Form Forum wesentlich mit. (Bilder: Hanspeter Schiess)

Wie wäre es, wenn ein Gestell ohne sein starres Gerüst auskäme? Ohne fixe Einteilungen, einfach, aber stabil und vor allem, ästhetisch? Solchen Gedanken geht Heinz Baumann gerne nach. Und es bleibt nicht beim Einfall. Baumann experimentiert, prüft, ändert, verwirft und beginnt wieder von vorne. Bis aus der Idee ein Objekt entstanden ist, dass den Macher voll und ganz überzeugt. Das Gestell Magnes, dessen Tragelemente aus Nussbaumholz mit Magneten auf Schwarzblechplatten haften, wird an der Offa zum ersten Mal gezeigt.

Plattform für viele

Urs Bürki und Heinz Baumann sind Tüftler. Sie geben sich nicht zufrieden mit den bestehenden Alltagsobjekten, sondern sind ununterbrochen daran, sie weiterzuentwickeln, neuen Bedürfnissen anzupassen und in einen zeitlosen Stil zu bringen. Sie sind Perfektionisten. Bevor die Formsprache nicht durchgehend und das letzte Detail ausgearbeitet ist, geben sie ihrem Objekt keine Chance. Und sie sind offen. Offen für neue Arbeitstechniken, für andere Richtungen des Kunsthandwerks und gegenüber dem Nachwuchs. Letzteres beweisen sie immer wieder im Form Forum, jenem Dachverband, der Kunsthandwerker der unterschiedlichsten Sparten vereint und ihnen eine gemeinsame Plattform zur Verfügung stellt.

«Seit einigen Jahren suchen wir aktiv junge Leute für Ausstellungen, meist solche, die noch gar nicht ans Präsentieren denken, aber sie sollen probieren können», sagt Urs Bürki. Das Modell dazu ist der Gaststatus, der inzwischen landesweit angewandt wird: Ein Nicht-Mitglied wird eingeladen, an einer Ausstellung teilzunehmen. An der Offa ist die Stoffdesignerin Rahel Graf aus St. Gallen zu Gast. Davon profitiere auch der Verein, sagt Heinz Baumann, der im Vorstand des Form Forums ist: «Wir wollen attraktive Aussteller. Junge sind für die Durchmischung wichtig, so entsteht ein dynamischer Prozess, der verhindert, dass wir stehen bleiben oder zu fachspezifisch werden.»

Die Welt neu erfinden

Das Form Forum zählt über 800 Mitglieder in der Schweiz. Nicht alle üben ihr Handwerk professionell aus. Heinz Baumann schon. In seiner Möbelmanufaktur in Altstätten entwickelt er Einrichtungsgegenstände und konzipiert Innenräume. Obwohl er unterschiedliche Materialien in seine Objekte einfliessen lässt, schlägt sein Herz für Massivholz. «Holz als heterogener Stoff hat seine ganz eigenen Prinzipien. Mich reizt, was mit Holz eben auch gemacht werden kann», sagt der Schreiner. Dabei werden die Grenzen des Materials stets erweitert. Er habe den Drang, in seiner Arbeit die Welt neu zu erfinden, sagt Heinz Baumann, der in den ersten Jahren nach der Schreinerlehre Antiquitäten restauriert hat. Schnell spürte er den Wunsch, selber Möbel zu entwerfen und dafür den Erfahrungsschatz aus der Tradition zu nutzen. Damals wie heute ist für ihn die Zusammenarbeit mit dem Kunden wichtig.

Heinz Baumann bezeichnet das Kunsthandwerk als eine Art Heimatpflege und schliesst nicht aus, dass in 20, 30 Jahren viel Handwerk nicht mehr existiert, weil nur noch Halbfabrikate montiert werden.

Um die Wertschätzung für den Berufsstand aufrechtzuerhalten oder zu vergrössern, müsse sich das Form Forum dafür einsetzen, dass noch mehr zusammengearbeitet und eine Lobby geschaffen werde. Auch den Kontakt zu Hochschulen für Gestaltung findet Heinz Baumann wichtig: «In England gibt es weniger Berührungsängste zwischen Akademikern und Ausführenden, bei uns sind die Sparten zu separiert.»

Vorteile aus der Technik nutzen

Urs Bürki scheut den Kontakt nicht. Er arbeitet vernetzt und weiss, womit sich Teams der ETH beschäftigen: «Es werden Tests gemacht mit Oberflächen, die sich verändern können. Das eröffnet neue Dimensionen.» Es ist Urs Bürki ein Anliegen, dass das Form Forum solchen Entwicklungen gegenüber offen ist. Die digitale Technik beispielsweise ermögliche es, mit Unikaten in Serie zu gehen. Ein Vorteil für Kunsthandwerker.

Vom neusten Werk von Urs Bürki gibt es erst ein Exemplar. Ein mobiler Arbeitsplatz, dem klassischen Dreirad abgeschaut: «Meine Objekte müssen beweglich sein im Raum und etwas Spielerisches haben.»

Die Objekte inspirieren

Unter dem Namen Zarava gestaltet Urs Bürki die unterschiedlichsten Gegenstände: Kerzenständer aus Glas oder Chrom, Tische, Liegen, Karaffen. Das Spektrum ist für den Kantilehrer unbegrenzt: «Das ist mein Vorteil, ich bin nicht an ein Material gebunden. Allerdings entwerfe ich nur, die Produktion passiert ausser Haus. Ich arbeite mit sehr guten Menschen zusammen.» In Zukunft will sich der in Speicher wohnende Erfinder vermehrt konzeptionellen Arbeiten widmen. An Ideen fehlt es nicht: «Ich muss mit den Dingen leben, die ich entwerfe. Die Objekte an sich inspirieren, sie geben im Gebrauch eine Antwort», sagt Urs Bürki.

Mitglieder des Form Forums, die im Dialog mit den Objekten einmal nicht weiterkommen, erhalten in Workshops Antworten. Dort lässt jeder seinen Prototyp von Experten beurteilen. Das sei knallharte, aber notwendige Kritik, sagt Urs Bürki. Nicht umsonst, sind sich Bürki und Baumann sicher, ist das Handwerk aus der Schweiz für seine sehr hohe Gestaltungsqualität bekannt.

Stefanie Schnelli

Die Offa beginnt morgen und geht bis am Sonntag. Das Form Forum ist in der Halle 9 zu finden.

Bild: Quelle

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