Reisen
Mit dem Hausboot durch Brandenburg tuckern

Nördlich von Berlin liegt einer der schönsten Flecken Deutschlands: Eine Entdeckungsreise mit dem Hausboot durch die Mecklenburgische Seenplatte.

Michael Küng
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Michael Küng

Micha ist schnell. In nur einer Stunde erklärt uns der sonnengebräunte Instruktor, was es braucht, um mit einem Boot auf Reisen zu gehen: Signale und Verkehrsregeln verstehen, Karten lesen, Schleusen passieren, Anker werfen sowie verschiedene Akkus und Tanks im Auge behalten.

Auf einer kurzen Übungsrunde darf sich jeder unserer Vierer-Crew ausprobieren. Das Boot reagiert verzögert auf die Lenkbewegungen – je nach Talent fahren wir in mehr oder weniger ausgeprägten Schlangenlinien durch den Kanal. «Nur keine Sorge, das legt sich schnell», sagt Micha lachend. Er wird recht behalten. Wir legen Kapitän und Vizekapitän fest, die für das Boot und die Sicherheit der Crew verantwortlich sind. Dann sind wir auch schon allein auf unserem Hausboot im Hafen von Marina Wolfsbruch, 90 Autominuten nördlich von Berlin. Wir verlassen den Hafen und machen uns auf den Weg zur schmucken Kleinstadt Rheinsberg, die einst das zu Hause des berühmten Friedrich der Grosse war.

 An den Anlegestellen begegnen sich die Böötler sehr nett und hilfsbereit. Doch sonst bleiben die Mannschaften in aller Regel unter sich.
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 Wir begeben uns an Land, um Rheinsberg zu entdecken. Das Städtchen mit heute 8000 Einwohnern markierte einst die schönsten Jahre im Leben von Friedrich dem Grossen.
 Würde der Brunnen laufen, könnten wir dabei zugucken, wie sich die Kinder mit Wasser bespritzen.
 Ein Denkmal erinnert an den berühmten Bewohner von Rheinsberg.
 Die Schlossanlagen zeugen noch heute von den glamourösen Zeiten.
 Der Schlosskatze begegnet, wer am Waldrand dem Seeufer entlang spaziert.
 Die Gegend hat schon Theodor Fontane und Kurt Tucholsky zu literarischen Meisterwerken inspiriert.
 Das prunkvolle Schloss hat Friedrichs jüngerer Bruder geprägt, Prinz Heinrich von Preussen.
 Das Grab von Heinrich von Preussen.
 Die von ihm verfasste Inschrift deutet an, wie frustriert Heinrich im Schatten des älteren Bruders war.
 Die schöne Arena im Schlosspark dient jedes Jahr als Schauplatz einer Oper. Dieses Jahr wird «Der Freischütz» gespielt. Weitere Vorstellungen finden etwa im Spiegelsaal und im Schlosshof statt.
 Eingefasst ist die Arena von malerischen Laubengängen.
 Während der gesamten Reise laden überall schmucke Kneipen dazu ein, eine Pause einzulegen.
 Heute müssen wir weiter, denn wir haben im «Seehof» reserviert.
 Die Brandenburger Bouillabaisse ist richtig lecker.
 Nach dem Dessert wird es langsam dunkel. Es ist Anfang Mai, mit dem Einbruch der Dunkelheit wird es kühl.
 Die Distanzen im kleinen Städtchen sind kurz. Nach fünf Gehminuten sind wir wieder am Steg.

An den Anlegestellen begegnen sich die Böötler sehr nett und hilfsbereit. Doch sonst bleiben die Mannschaften in aller Regel unter sich.

Michael Küng

Gegen Abend bricht die blaue Stunde an, der Übergang von Sonnenuntergang zu Dunkelheit. Hier oben im Norden ist sie deutlich länger als in der Schweiz. Auch wenn sie sich langsam zu Ende neigt, läst sich noch kaum erahnen, was für ein Spektakel der Himmel zu bieten hat. Hier, fernab vom grellen Berlin, geht die Zahl der sichtbaren Sterne wohl in die tausende. Sternschnuppen zählen kann man hier jeden Abend.

Mit dem Ende der eindrücklichen blauen Stunde werden die ersten Sterne sichtbar.
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 80 Kilometer nördlich vom grellen Berlin ist das Spektakel eindrücklich.
 Je dunkler die Nacht, desto zahlreicher werden die Sterne.

Mit dem Ende der eindrücklichen blauen Stunde werden die ersten Sterne sichtbar.

Michael Küng

Vier Tage reisen wir mit dem Boot von einem Städtchen zum nächsten und besuchen unterwegs Restaurants, Fischer und Kanuvermieter. Oder wir suchen uns ein hübsches Seelein, werfen den Anker und springen ins Wasser.

Die Seenlandschaften, Überbleibsel einstiger Gletschermoränen, ziehen sich durch scheinbar endlose Wälder, die nur von kleinen Weiden, verfallenden Mühlen und abgelegenen Feuerstellen unterbrochen werden. Kanäle wechseln sich mit natürlichen Flussläufen ab. Mit ihren dicht überwucherten Ufern und dem Zwitschern unzähliger Vögel erinnern Letztere an eine Fahrt durch den Dschungel.

 Zwischen den vier Seen im Hintergrund lässt sich das kleine Dorf Himmelpfort ausmachen.
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 Die Woblitz führt mitten in den Naturpark Uckermärkische Seen.
 Himmelpfort wurde vor 700 Jahren von Mönchen gegründet.
 Der Haussee bietet lange Schilflandschaften.
 Zwischen Moderfitzsee und Haussee ändert das Wasser abrupt seine Farbe.
 Wie zum Trost hat der Moderfitzsee dafür eine schmucke Insel zu bieten.

Zwischen den vier Seen im Hintergrund lässt sich das kleine Dorf Himmelpfort ausmachen.

Michael Küng

In der Hauptsaison bilden die Boote in den Kanälen und vor allem vor Schleusen oft lange Kolonnen, sodass das Erlebnis eher an eine langsame Wasserbahn im Europapark erinnert. Doch nun, Anfang Mai, geniessen wir die Ruhe und mäandern stundenlang allein durch die geschwungenen Kanäle.

Schleusen Hier und da muss vor einer Schleuse angelegt werden, um einen freien Platz abzuwarten.
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Schleusen Mit etwas Glück bietet das Warten Gelegenheit für einen kurzen Landgang.
Schleusen Die meisten Schleusenfahrten dauern 15 bis 30 Minuten.
Schleusen In grössere Schleusen passen sechs oder mehr Boote.
Schleusen Der gelegentliche Berufsverkehr hat immer Vortritt.
Schleusen Um zu verhindern, dass das Boot gegen die Wand knallt, legt man in der Schleuse an und behält das Tau in den Händen, um mit dem ändernden Wasserstand mitgehen zu können.
Schleusen Oft bleibt nicht viel Platz.
Schleusen An unbewachten Schleusen wird der Vorgang über einen Hebel ausgelöst.
Schleusen Gegen Sonnenuntergang schliessen die meisten Schleusen. Weil bei Dunkelheit sowieso niemand fährt, hat das nur minimale Auswirkungen.

Schleusen Hier und da muss vor einer Schleuse angelegt werden, um einen freien Platz abzuwarten.

Michael Küng

Trotz maximal zwölf Stundenkilometern wird es am Steuer nie langweilig. Die Flüsse brauchen ständige Aufmerksamkeit und wer auf einem See kurz das Steuer loslässt, wird schnell abgetrieben. Bei engen Brücken und Schleusen kann es auch schon mal knapp werden. Hilft alles nichts, heisst es «Maschinen Stopp!». Es sieht drollig und auch ein wenig peinlich aus, wenn ein Schiff vor einer kniffligen Stelle plötzlich quer im Kanal steht. Aber mit etwas Geduld findet jeder Kapitän seinen Weg. Und um wartende Boote braucht man sich auch nicht zu sorgen, hier gibt es kein Drängeln und Hupen. Lieber unterstützen sich die Bootsleute gegenseitig, geben Tipps oder helfen beim Antauen. Denn egal ob Atlantik oder Brandenburger See: Auf dem Wasser ist man eine Gemeinschaft.

Die Boote der Uckermark kommen in allen Farben und Formen

Die Boote der Uckermark kommen in allen Farben und Formen

Michael Küng

Irgendwas ist immer kaputt

Unser Boot «Magnifique» hat vier Kabinen für je zwei Personen, drei kleine Badezimmer, eine Sitzgruppe und eine voll ausgestattete Kajüte. Die Sitzgruppe kann zu zwei weiteren Schlafplätzen umfunktioniert werden, ab sieben Personen wird es aber schon ziemlich eng. Mit über vier Meter Breite und fast 15 Meter Länge ist es eines der grössten Hausboote auf diesen Gewässern.

Das Hausboot Die «Magnifique» ist ein Boot aus der Mittelklasse. Auf 14,5 Meter mal 4,1 Meter bietet sie vier Kabinen mit je zwei Schlafplätzen. Dazu kommen eine Küche, eine Sitzgruppe mit Esstisch und drei Badezimmer.
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Das Hausboot Vorne finden sich zwei Kabinen mit einem Bad und einer Dusche, die hinteren Kabinen haben je ein eigenes Mini-Bad mitsamt Dusche. Dazwischen finden sich die Sitzgruppe und die Küche.
Das Hausboot Aufgeschlossen wird das Boot an der Eingangstür, die mit einem kurzen Balanceakt dem Schiff entlang erreicht wird.
Das Hausboot Die Küche bietet alles, was man braucht: Zwei kleinere Kühlschränke, fliessend Wasser, einen Herd und einen Backofen. Das Wasser sollte allerdings nicht konsumiert werden.
Das Hausboot
Das Hausboot Eine der beiden Kabinen im Bug. Beide verfügen über ein Doppelbett, während die zwei hinteren Kabinen je zwei Einzelbetten bieten.
Das Hausboot Den unteren Führerstand durften wir wegen der Sichteinschränkungen nicht zum Fahren nützen. Nützlich ist er deshalb einzig für die Anzeigen, die über den Ladestand der fünf Batterien Auskunft geben. Jede hat ihre eigene Aufgabe, vom Motoranlasser bis zum Kühlschrank.
Das Hausboot
Das Hausboot
Das Hausboot
Das Hausboot Den Tisch unter Deck nutzten wir einzig fürs Frühstück, den übrigen Tag verbrachten wir auf Deck.
Das Hausboot Gemessen daran fällt das Oberdeck etwas spartanisch aus. Der Campingtisch ist eine wacklige Angelegenheit und das Bimini deckt nur den Fahrersitz. Für nicht ganz so perfektes Wetter würde man sich ausserdem einen Wind- und Regenschutz wünschen.
Das Hausboot Damit für das Fahren des Boots kein Führerschein benötigt wird, ist es auf maximal 12 km/h beschränkt. Das reicht völlig, denn die Seen sind sehr klein und in den Kanälen darf zum Uferschutz ohnehin nur maximal 8 km/h gefahren werden.
Das Hausboot Die Bojen stellen gemeinsam mit dem Ordner voller Karten sicher, dass man sich nicht verfahren kann.
Das Hausboot Auf dem Bug ist Platz für Fahrräder und mehr. Hier befindet sich auch der Anker, der auf den Seen mit ein paar Metern Abstand zum Ufer beliebig ausgeworfen werden darf.
Das Hausboot Gleich darunter befindet sich auch die schönste Kabine. Bei Nacht laden ihre Fenster zum Sterngucken ein.
Das Hausboot Die Toiletten sind auch Bad und Dusche. Letztere versteckt sich rechts in der Ecke, eine eigene Kabine hat sie nicht.
Das Hausboot Die Kabinen im Bug teilen sich eine seperate Dusche.
Das Hausboot Die beiden Kabinen im Heck sind identisch. Werden sie zu zweit bezogen, wird es mit dem Gepäck ziemlich eng.

Das Hausboot Die «Magnifique» ist ein Boot aus der Mittelklasse. Auf 14,5 Meter mal 4,1 Meter bietet sie vier Kabinen mit je zwei Schlafplätzen. Dazu kommen eine Küche, eine Sitzgruppe mit Esstisch und drei Badezimmer.

Michael Küng

Je grösser und älter das Boot, desto wahrscheinlicher ist es, dass unterwegs etwas kaputtgeht. Wasser und Wetter setzen der komplexen Technik zu. So verweigerte der Bugstrahler (dient dazu, quer zur Fahrtrichtung Schub zu geben) immer mal wieder für ein paar Stunden den Dienst. Kniffliger wurde es, als mitten auf einem See der Motor nicht mehr anspringen wollte. Eine halbe Stunde lang lotste uns der Bootsvermieter am Telefon durch verschiedene Problemlösungen, bis das Umlegen eines kleinen Hebels am Motor den Anlasser wieder funktionstüchtig machte. So lassen sich die allermeisten Problemchen an Bord lösen. Und für den Fall, dass die Besatzung einmal nicht mehr weiterkommt, hat der Bootsvermieter im ganzen Gebiet Basen eingerichtet, von wo aus Techniker schnell zu Hilfe eilen können. Wer allzu schnell nervös wird, dürfte in diesen Ferien den einen oder anderen unangenehmen Moment erleben. Wer die kleinen Herausforderungen als willkommene Abwechslung erlebt, wird die Zeit auf dem Boot lieben.

Die Fischerei Gehrt Gleich neben der Gemeinde Flecken Zechlin betreibt Wilhelm Gehrt erfolgreich eine Fischerei mit Restaurant.
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Die Fischerei Gehrt Der idyllische Fischereibetrieb Gehrt liegt am winzigen Schwarzen See.
Die Fischerei Gehrt Wilhelm Gehrt hat ihn von seinem Vater übernommen.
Die Fischerei Gehrt Die Tische des Restaurants sind auch vormittags noch leer. Denn die Bewohner von Flecken Zechlin erholen sich gerade von einem Hafenfest in der Nähe.
Die Fischerei Gehrt Wilhelm Gehrt führt die Fischerei als Saisonbetrieb.
Die Fischerei Gehrt Den Winter verbringt er bevorzug auf der südlichen Erdhalbkugel.
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Die Fischerei Gehrt Mit seiner Familie hat er sich gleich neben dem Fischereibetrieb niedergelassen.

Die Fischerei Gehrt Gleich neben der Gemeinde Flecken Zechlin betreibt Wilhelm Gehrt erfolgreich eine Fischerei mit Restaurant.

Michael Küng

Info: Die «Magnifique» für bis zu zehn Personen kostet für sieben Nächte je nach Saison zwischen 1770 Franken und 4230 Franken. In der Hauptsaison wird es sehr voll auf den Gewässern, besser sind Mai und September. Im Mai gibt es die «Magnifique» ab 3100 Franken (entspricht 74 Franken pro Person pro Nacht). Weitere Informationen rund ums Hausboot fahren in Brandenburg, dem übrigen Europa und Kanada gibt es bei Le Boat.

Lesetipp für Neugierige: Rock the Boat: Boats, Cabins and Homes on the Water, erschienen 2017 im Gestalten Verlag, Berlin

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