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Merci, Astrid!

Vor zehn Jahren starb die Schriftstellerin Astrid Lindgren. In ihren Büchern führt sie nach wie vor ein wundervolles Kinderleben.
Bettina Kugler

Wie es wohl war, ihr Kind zu sein? Sie konnte spielen, spielen, spielen; sie war lustig, sagte geradeheraus und frech ihre Meinung, selbst mächtigen Politikern. Manchmal änderten diese dann sogar Gesetze – oder sie verloren die Wahl. Denn «Astrid aus Smland, eine Bauerntochter von Anfang bis Ende», wie Astrid Lindgren über sich selbst sagte, war beliebt und einflussreich: die berühmteste Schwedin des 20. Jahrhunderts.

Geschichten erzählen konnte sie wie keine andere. Doch sonst, erinnert sich ihre Tochter Karin, war Astrid Lindgren genau wie andere Mütter: «Sie machte ordentlich ihr Bett jeden Morgen, sie kochte ganz normales Essen und trug ganz normale Kleider. Sie weckte uns, wenn wir zur Schule mussten, und räumte auf. Sie machte sich schreckliche Sorgen, wenn wir nicht pünktlich nach Hause kamen.»

Vielleicht stimmt das wirklich; es gab wohl nicht Tag für Tag Zimtwecken und Fleischklösschen im Hause Lindgren. Doch abgesehen davon glauben wir Karin nur zu gern, dass Astrid fröhlich war, wenn sie kochte, und dass sie sich beim Bettenmachen freute auf den Tag. Sie selbst erzählte einmal: «Ich schreibe morgens, und abends denke ich: Ach, wenn es doch schon wieder Morgen wäre und ich weiterschreiben könnte!»

Spielen im «Pferdezeitalter»

Das merkt man ihren Büchern einfach an. Auch wenn Astrid Lindgren «Pippi Langstrumpf» ursprünglich für Karin erfand, als die mit einer Lungenentzündung im Bett liegen musste und sich furchtbar langweilte: Die meisten Bücher schrieb sie in Wahrheit für sich, «um mich zu amüsieren und mich in meine Kindheit zurückzuversetzen». Denn sie war gerne Kind, im Pferdezeitalter, als noch kaum Autos fuhren, auf dem Bauernhof ihrer Eltern im ländlichen Südschweden. Zusammen mit ihren drei Geschwistern und ihrer besten Freundin Madita (ja, an sie hat Astrid gedacht, als sie die Geschichten von Madita und Lisabet auf Birkenlund schrieb)wurde das Spielen nie langweilig. Es gab genügend Tiere auf dem Hof, einen Heuboden, von dem man springen und weich-pieksig landen konnte, eine Spielstube im Schuppen mit Puppengeschirr und Flickenteppichen; es gab den «Eulenbaum», eine 100 Jahre alte hohle Ulme; und auch drinnen im Haus fiel den Ericsson-Kindern (denn so hiess Astrid, als sie noch nicht verheiratet war) immer etwas ein. Ihr Lieblingsspiel «Nicht den Fussboden berühren» hat Astrid später Pippi Langstrumpf verraten – das wird in der Küche der Villa Kunterbunt ausgiebig gespielt. Es funktioniert in jedem Wohnzimmer, wir haben es ausprobiert! Ihr müsst einfach die teuren chinesischen Vasen vorher in Sicherheit bringen.

Mit Huck auf dem Mississippi

Ein Glück, dass Astrid so eine schöne und glückliche Kindheit hatte – und dass lustige und schaurige Geschichten ein wichtiger Teil davon waren. Die einen hörte sie von Knechten und Mägden, aber auch von ihrem Papa Samuel August (der übrigens Modell stand für Michel aus Lönneberga, und einmal kommt er auch mit seinem richtigen Namen vor: in der Geschichte von «Sammel-august», der sich so sehnlich Kaninchen wünscht…). Als sie endlich lesen konnte, wollte sie am liebsten nicht mehr aufhören damit – vor allem dann, als sie merkte, dass sie das Spielen verlernt hatte. «Ich hatte eine solche schrecklich aufgestaute Leselust, da war es ein Wunder, dass ich mich nicht totgelesen habe», erzählte sie einmal. Und ihre schönste Reise war «meine langsame Fahrt den Mississippi hinunter auf dem Floss, das Huckleberry Finn gehörte».

175 mal 320 Meter Bücher

Bis sie selber Bücher zu schreiben anfing – und zwar von A bis Z ausschliesslich Kinderbücher, und keines gleicht dem anderen, höchstens in der unerreichbaren Mischung aus Witz und Ernst, in der Wärme, mit der sie Kinder zu Helden macht und auf ihrer Seite steht –, dauerte es noch lange. Astrid Lindgren war schon fast vierzig Jahre alt, als sie «Pippi Langstrumpf» schrieb; danach konnte sie mit dem Schreiben nicht mehr aufhören. Wie vorher mit dem Lesen.

Bald war sie so berühmt, dass sie jede Woche 150 Briefe aus aller Welt bekam. Sie brauchte eine Sekretärin – denn sie wollte keinen dieser Briefe unbeantwortet lassen. Mehr als 80 Bücher hat sie geschrieben; sie wurden in 90 Sprachen (!) übersetzt – ist das nicht ein wunderschöner Beitrag zur Völkerverständigung? Wenn man alle gedruckten und verkauften Exemplare ihrer Bücher in einer Reihe nebeneinander legen würde, würde diese Bücherschlange dreimal um die gesamte Erde reichen. Oder gestapelt: 175 Eiffeltürme übereinander. Bitte nicht erklimmen und herunterfallen. Aber Lesen: Unbedingt. Alle 82!

Katrin Hahnemann: Astrid Lindgren. Ab 8. Bloomsbury, Fr. 21.90 Kerstin Ljunggren: Besuch bei Astrid Lindgren. Auf den Spuren einer Geschichtenerzählerin. Ab 10. Oetinger, Fr. 18.90 Christina Björk, Eva Eriksson: Von Kletterbäumen, Sachensuchern und kitzligen Pferden. Astrid Lindgrens Kindheit. Ab 10. Oetinger, Fr. 24.80

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