Klosterleben
Er ist mehr als nur der «Gartenbruder»

Bruder Remigi Odermatt lebt seit 16 Jahren im Kapuzinerkloster Rapperswil. Er kümmert sich um den herrlichen Garten. Doch auch dieses Kloster befindet sich im Umbruch – und Bruder Remigi ist mittendrin.

Vera Rüttimann
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Seit 2005 lebt Bruder Remigi Odermatt im Kloster Rapperswil. Der wunderschön gelegene Klostergarten ist sein Reich.

Seit 2005 lebt Bruder Remigi Odermatt im Kloster Rapperswil. Der wunderschön gelegene Klostergarten ist sein Reich.

Bild: Vera Rüttimann (25. März 2021)

Wenn Bruder Remigi Odermatt aus dem Fenster seines Zimmers im Kloster Rapperswil blickt, sieht er überall auf den See. Aus dem rechten Fenster kann er die Baustelle von Roger Federers neuem Domizil erblicken. Auf der linken Seite zeigt sich die Insel Lützelau, gleich dahinter liegt die Ufenau, die grösste Insel der Schweiz. «Ich geniesse diesen Ausblick hier jeden Tag neu», sagt Bruder Remigi, der seit 16 Jahren im Kapuzinerkloster Rapperswil lebt.

Für Bruder Remigi ist der Klosteralltag aktuell wegen der Einschränkungen durch Covid-19 noch immer etwas stiller. Die vergangenen Monate waren auch für den Innerschweizer ungewöhnlich. Die sieben Kapuzinerbrüder, die man im Kloster umhergehen sieht, freuen sich auf mehr Betrieb. Vor der Pandemie nahm das Kloster etwa 200 Gäste pro Jahr auf. Im grossen holzgetäferten Speisesaal des Klosters speisen normalerweise die Gäste, die wochenweise zum Mitleben kommen oder Exerzitien- und Meditationswochen besuchen.

Diese Angebote liegen Bruder Remigi besonders am Herzen. Der Kapuziner hat sich spezialisiert auf ignatianische Exerzitien-Angebote. Es sind spirituelle Übungstage in Stille, die getragen werden von einer schlichten Struktur des gemeinsamen Betens und der Mahlzeiten. «Dem Leben auf den Grund kommen» heisst der Titel für die nächsten Exerzitien im Juli. «Das Rüstzeug für diese Kurse durfte ich mir in einer entsprechenden Ausbildung in Deutschland aneignen», sagt Bruder Remigi.

Seit jeher ein Gespür für Pflanzen

Der Kapuziner, der selten im braunen Habit zu sehen ist, ist nicht nur versiert mit Exerzitien, sondern auch im Umgang mit der Erde. Man sieht den hageren Mann oft über einen Acker gebeugt, die Hände in den Schollen.

«Das Jäten, Säen und Ernten verbindet mich mit der vielfältigen Schöpfung»

sagt der Ordensmann, der jede Nische und jeden Strauch in dem verwinkelten Klostergarten kennt. Auf die Kiwibäume, die hier wachsen, ist er besonders stolz. Seit 2010 arbeitet er als «Gartenbruder». Ihm, der aus einer Bauernfamilie aus dem Engelberger Tal stammt, wurde das Gespür für Pflanzen quasi in die Wiege gelegt. Doch ein Klostergarten verlangt viel Können und Erfahrung. Als er dafür die Verantwortung übernahm, musste sich der studierte Theologe und Priester das Gärtnerhandwerk selber beibringen. «Ich habe mich da voll reingefuchst», sagt der 74-Jährige.

In den 50 Jahren als Ordensmann hat Bruder Remigi Momente des Zweifelns gekannt, dennoch nie in Erwägung gezogen, auszutreten. Auch er gehört zur Generation, die vom Konzil «begeistert und befeuert» wurde für die Kirche, seit drei Jahrzehnten jedoch einen Abschwung erlebt. Die Zahl der Klöster, die in den letzten Jahren aus der Kirchenlandschaft verschwunden sind, geht auch ihm nahe. Das Kloster Rapperswil befindet sich ebenfalls im Umbruch. Die Gemeinschaft leidet unter Überalterung.

«Mit der jetzigen Belegschaft stemmen wir den Alltag hier nicht mehr lange.»

Nach 23 Jahren Zusammenarbeit der Menzinger Schwestern mit den Kapuzinern im «Kloster zum Mitleben» verlassen auch noch die zwei Schwestern Rapperswil per Ende August 2021. Bruder Remigi hofft, dass die Kapuziner noch lange zum Stadtbild von Rapperswil gehören. Er kennt sie seit Kindesbeinen an. In seinem Heimatdorf in Büren NW hielten Kapuziner einmal im Monat den Sonntagsgottesdienst. Remigi Odermatt besuchte in den 60er-Jahren das von Kapuzinern geführte Gymnasium in Stans. «Die Braunen gehörten für uns zum Strassenbild.»

Neue Formen des Zusammenlebens

Gemeinsam mit den Ordensoberen sucht die Gemeinschaft nach Lösungen, in welcher Form das Leben im Kloster Rapperswil weitergestaltet werden kann. Geplant ist eine Form des Zusammenlebens von Brüdern mit Laien (Frauen wie Männern) in der franziskanischen Spiritualität. Auch wenn das Klosterleben für viele Sinnsuchende heute attraktiv erscheint, muss vieles zusammenspielen. «Es muss menschlich und spirituell sehr gut passen», sagt der Kapuziner.

Bruder Remigi tritt nun auf auf die grosse Terrasse des Klosters. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf den Klostergarten. An warmen Tagen geniessen Gäste und die Brüder hier Gegrilltes. Remigi Odermatt geht die Zukunft des Klosters mit einer Haltung an, die ihn schon sein ganzes Leben geprägt hat: «Nach innen hören, ohne zu wissen, wohin es mich führt. Und zuversichtlich Schritt für Schritt wagen.»