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Meditierend oder jubilierend

Sie gehören zu den grossen Bach-Interpreten. Beide sind jetzt mit dem «Wohltemperierten Klavier»zu hören: Angela Hewitt und Sir András Schiff garantieren in der Region zwei unterschiedliche Bachfeste der Premiumklasse.
Martin Preisser

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die kanadische Pianistin Angela Hewitt (Bild: Bernd Eberle)

Die kanadische Pianistin Angela Hewitt (Bild: Bernd Eberle)

«Völlige Freiheit ist nur möglich, wenn ein Stück Teil von einem selbst wird», sagt die kanadische Pianistin Angela Hewitt. Sie ist, was die Interpretation der 24 Präludien und Fugen aus Johann Sebastian Bachs erstem Band des «Wohltemperierten Klaviers» angeht, einen weiten Weg gegangen, um diesem geistigen Exercitium (was dieses Werk für Interpreten darstellt) eine ganz persönliche Note zu geben.

Genau wie ihr fünf Jahre älterer ungarischer Kollege Sir András Schiff (Jahrgang 1953). Dass beide jetzt innert einer Woche in der Ostschweiz mit dem «Alten Testament» des Klavierspiels, wie Hans von Bülow das «Wohltemperierte Klavier» genannt hat, auftreten, ist ein ausserordentlicher Glücksfall.

Zeitlosigkeit ermöglicht Interpretationsspielraum

«Es gibt immer mehrere Ansätze, Bach zu interpretieren», sagt Schiff. Das ist beruhigend und resultiert natürlich auch aus der Weite und Zeitlosigkeit dieses Zyklus, den Bach zwanzig Jahre später mit einem zweiten Band verdoppelte. Sowohl Schiff wie Hewitt haben das «Wohltemperierte Klavier» zweimal eingespielt. Schiff das erste Mal 1984.

Vielleicht ist diese Aufnahme im Vergleich zu seiner 2012 bei ECM herausgekommenen noch ein wenig kantiger, strukturierter, jedenfalls für einen damals gerade mal Dreissigjährigen voll wunderbarer Lösungen. Die zweite Schiff-Aufnahme zeigt natürlich den enormen Reifungsschub, den der Künstler seither hinter sich hat.

Sein Spiel klingt noch milder, freier, intensiver.

Das, was den ungarischen Meisterpianisten ausmacht, sein fein tastender Zugriff, kommt in der zweiten Aufnahme verstärkt zum Tragen. Alles wirkt, ganz ohne Pedal gespielt, mit extrem verinnerlichter Intensität, so, als wolle Schiff seine Begeisterung über diese Kompositionskunst behutsam und still formulieren. Vieles klingt, auch das seit langem ein Markenzeichen von Schiff, noch gesanglicher, noch nachdenklicher, voll Klarheit ohne Hast.

Angela Hewitts erste Beschäftigung mit dem «Wohltemperierten Klavier» (1997–99) endete in einer preisgekrönten Einspielung. Sehr verwundert war daher der Manager von Hyperion Records, dass die Kanadierin das Werk zehn Jahre später nochmals aufnehmen wollte. Diese zweite Fassung bezeichnet Angela Hewitt als ihr Lebenswerk. Nach der ersten Einspielung ging sie mit dem «Wohltemperierten Klavier» auf Welttournee. In 58 Städten und 21 Ländern wurde ihre Bach-Sicht bejubelt.

Wie selbstkritisch eine Künstlerin wie Angela Hewitt ist, sieht man an den Anmerkungen, die sie sich zu einzelnen Präludien und Fugen gemacht hat: «Zu geradlinig», «zu eben» notierte sie da und daneben, was ihr für eine Neuaufnahme vorschwebte: «Elastischer», «mehr Farbe».

"Wasserklare Heiterkeit"

Im Vergleich zu Sir András Schiff spielt Angela Hewitt weniger verinnerlicht, dafür mit vielen wunderschönen Details, nicht romantisierend, aber doch im Licht intensiver Empfindsamkeit. Schiff zelebriert etwas Zeitloses, fast Sakrales, Hewitt lässt es auch jubeln. «Wasserklare Heiterkeit» und «klanggewordene Unschuld» sind Attribute, die für ihr Bach-Spiel auch schon formuliert wurden.

«Bach war immer ein Freund», sagt Angela Hewitt.

«Bachs Musik ist wie ein Gottesdienst im besten Sinne», sagt Sir András Schiff.

«Diese Musik erhebt einen. Das Schönste ist, dass Bachs beide Welten, das Sakrale und das Säkulare, wunderbar koexistieren.»

«Bachs Musik ist wie ein Gottesdienst im besten Sinne», sagt Sir András Schiff. «Diese Musik erhebt einen. Das Schönste ist, dass Bachs beide Welten, das Sakrale und das Säkulare, wunderbar koexistieren.»

Sich die Freiheit durch vollständige und kompromisslose Aneignung erringen, das ist ein Markenzeichen grosser Interpretationskunst. Angela Hewitt und Sir András Schiff sind beide ihren ganz eigenen Weg gegangen. Und setzen beide im Moment die grossen Wegmarken, was gegenwärtiges Bach-Spiel angeht.

Dreimal Bach

Sir András Schiff ist mit J. S. Bachs «Wohltemperiertem Klavier», Band 1, zu Gast in der Kartause Ittingen (Fr, 10.8., 19.30 Uhr), wo er zwanzig Jahre die Pfingstkonzerte künstlerisch entscheidend prägte (Karten: kartause.ch). Angela Hewitt ist zum zweiten Mal zu Gast bei den Appenzeller Bachtagen, letztmals mit einer unvergesslichen Interpretation der «Goldberg-Variationen». Neben Bachs «Wohltemperiertem Klavier», Band 1, spielt sie Chopin (Do, 16.8.) und Beethoven (Fr, 17.8.). Beide Rezitals finden jeweils um 19 Uhr im Lindensaal Teufen statt (Karten: bachtage.ch). (map)

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