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Masoala lebt

Die Tropenhalle im Zoo Zürich ist ein weltweit einzigartiges Mini-Regenwald-Ökosystem. Seit der Eröffnung vor genau 15 Jahren leben 50 Tierarten im Einklang mit der feuchten Tropenwelt.
Bruno Knellwolf

Betäubt, gefesselt, verschleppt und mit verbundenen Augen an diesen Ort gebracht: Nach dem Erwachen würde man sich mitten im Dschungel wähnen, dermassen laut ist das Geschrei der Lemuren, das durch die Blätter des Regenwalds dröhnt. «Das ist die normale Kommunikation der Roten Vari», sagt Robert Zingg, Kurator am Zoo Zürich. Diese Roten Vari sind die grössten Lemuren und die grössten Säugetiere in der Masoala Tropenhalle, die vor 15 Jahren eröffnet worden ist.

Vor einem Monat ist dieser Rote Vari zur Welt gekommen. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Vor einem Monat ist dieser Rote Vari zur Welt gekommen. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Wer damals am 30. Juni 2003 dabei war, erinnert sich, wie die letzten Pflanzen der über 500 Arten gesetzt worden sind. Die riesige, 52 Millionen Franken teure Halle wirkte aber damals noch recht steril. «Seither hat sich die Regenwaldhalle mit Inhalt gefüllt», sagt Zingg. Damit meint er nicht nur, dass die Pflanzen dieses Stück Regenwald in der Stadt Zürich total in Beschlag genommen haben, sondern dass sich darin ein Lebensraum für viele Tiere entwickelt hat, die sich hier frei bewegen können. Und sich vermehren, wie Zingg beim Rundgang erzählt.

38 Grad Celsius auf 18 Metern Höhe

Der Zoologe steigt auf den 18 Meter hohen Turm, wo es an diesem Tag 38 Grad Celsius heiss ist, und derart feucht, dass beim Interview der Schweiss in Strömen rinnt. Das gefällt dem kleinen Roten Vari, der am 22. Mai zur Welt gekommen ist und nun am Turmgeländer herumturnt. In der Halle leben etwa sechs erwachsene Rote Vari, zwei Weibchen haben dieses Jahr Junge bekommen. «Rote Vari haben jeweils ein bis drei Jungtiere, maximal fünf», sagt Zingg. Die Lemuren tragen ihre Jungen am Anfang herum und wechseln immer wieder ihren Standort. Dabei sind sie im Mini- Regenwald-Ökosystem durchaus technophil. Waren sie anfangs im grossen Schraubenbaum beim Aussichtsturm einquartiert, nutzten sie später auch technische Bauten der Halle als Plattform.

Vor fünf Jahren wurde der Baumkronenweg in der Masoala Halle eröffnet. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Vor fünf Jahren wurde der Baumkronenweg in der Masoala Halle eröffnet. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Im Zürcher Regenwald vermehren sich auch andere Tierarten, die ansonsten nur auf der Halbinsel Masoala auf Madagaskar vorkommen. Zu sehen ist zur Zeit ein Nest eines Mähnenibis-Paars an der Treppe des Turms in einem Blumenkistchen. Das ist nicht ohne Risiko, am Dienstag ist eines der drei Küken zu Tode gestürzt. «So etwas geschieht auch in der freien Natur», sagt Zingg. So kommen in dieser Halle Leben und Tod zusammen wie im richtigen Regenwald auch. Zudem finden einige Tiere Beutetiere, die sie fressen. «Das passiert. Wir haben hier aber bewusst keine explizite Nahrungskette installiert. Beutetiere müssten ja eine reelle Chance haben, sich vor Fressfeinden zu schützen. Aber der Mähnenibis schnappt sich schon mal einen Gecko. Doch der grösste Teil der Tiere hier sind Fruchtfresser.»

Beim Rundgang zeigt er auf eines der dreissig Chamäleons oder sieht eine Schnecke, die sich abseilen kann. «Die wurde eingeschleppt», sagt der Zoologe. Das sei aber kein Problem. An eingeführten Pflanzen oder den Schuhen der Besucher könnten immer wieder fremde Arten in die Halle eindringen. Nach der Eröffnung hatte es zum Beispiel viele Insekten in der Tropenhalle, die nicht aus Masoala stammten. Es habe eine Zeit gedauert, bis die Vögel aus Madagaskar gewusst hätten, wie man deren Raupen frisst, dann habe sich das Problem erledigt. Zoodirektor Alex Rübel ist fasziniert davon, wie sich in dieser Halle mit den 50 Wirbeltierarten und über 300 Tieren ein natürliches Gleichgewicht hergestellt hat. Reguliert werden muss in dieser Halle nur ganz wenig. Bei den Säugetieren, die in einem Zuchtprogramm integriert sind, wird die Vermehrung kontrolliert, ansonsten steht dem munteren Treiben nichts im Wege. «Der Goodman-Mausmaki dürfte sich noch etwas mehr fortpflanzen», sagt Rübel. Im Regenwald lebten fünfzig dieser Lemuren auf einer Hektare, also etwa der Grösse dieser Halle. Hier sind es etwa dreissig Mausmakis.

Erstaunliche Nähe zu den Tieren

Vor den Augen der Besucher streiten derweil zwei Chamäleon-Männchen. Die Nähe, welche die Tiere in der Regenwaldhalle zuliessen, zeige ihr Wohlbefinden. «Wenn Tiere hier schikaniert würden, liessen sie dies nicht zu», sagt Rübel. Auch die gelungene Fortpflanzung liesse sich so deuten, das sei aber nicht so eindeutig, sagt Zingg. Dafür macht er vor allem die starken Triebe verantwortlich.

Von Anfang an war die Masoalahalle auch Teil eines Naturschutzprojekts in Madagaskar selbst. Kurator Martin Bauert ist soeben aus Madagaskar zurückgekehrt und betreut ein neues Projekt, bei dem es um nachhaltigen Kakaoanbau geht. Mit der Absicht, die Brandrodungen auf der Halbinsel Masoala zu stoppen und damit die Tier- und Pflanzenwelt dort zu retten.

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