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In die Wüste Marokkos zu Milchstrasse und Tee

In den Weiten der Wüste und entlang des Atlasgebirges gibt es trotz karger Natur viel zu entdecken. Besonders lohnt sich ein nächtlicher Spaziergang über die Dünen. Die Einheimischen begegnen Reisenden offen und freundlich.
Mario Testa
Den Wüstengängern im Nachtlager des Erg Chegaga Ghazala Camps bietet sich ein beeindruckender Blick auf die Milchstrasse und die Sterne. Immer wieder schiessen auch Sternschnuppen übers Firmament. (Bild: Mario Testa)

Den Wüstengängern im Nachtlager des Erg Chegaga Ghazala Camps bietet sich ein beeindruckender Blick auf die Milchstrasse und die Sterne. Immer wieder schiessen auch Sternschnuppen übers Firmament. (Bild: Mario Testa)

In die marokkanische Wüste sollten Reisende viele Wünsche mitnehmen. In einer klaren Nacht schiessen die Sternschnuppen dort im Minutentakt übers Firmament. Kaum sind Sonne und Mond untergegangen, präsentiert sich der Sternenhimmel in einer Pracht, wie man sie hierzulande höchstes von Nachtlagern auf hohen Bergen kennt. Myriaden von leuchtenden Punkten zeigen sich dem Betrachter – so hell und klar, dass die einzelnen Sternbilder und Sternzeichen kaum mehr zu erkennen sind. Die Milchstrasse manifestiert sich als veritable Wolke, die sich einmal quer über den Himmel zieht.

Gut erleben lässt sich so eine Sternengucker-Nacht in einem der Zeltcamps in der Sahara. Lokale Agenturen bieten Übernachtungen in Zelten am Fusse der Dünen an. Sie sind je nach Wunsch und Reisebudget von einfach und klein bis luxuriös und gross zu haben. Am Fusse der höchsten Düne des Felds Erg Chegaga, besetzen die Zelte des Ghazala-Camps eine kleine Ebene mit der typischen, sehr harten Kalk- kruste. Vor jedem der grossen, mit Dusche, Strom und Toilette ausgestatteten, Zelte steht ein gemütlicher Sessel. Mit Blick gen Himmel, lässt sich’s dort in der Kühle der Nacht herrlich die Sterne beobachten und Sternschnuppen zählen.

Im Offroader, zu Fuss oder auf dem Rücken eines Dromedars

In die Wüste gelangen Reisende auf verschiedene Arten. Ausgangspunkte für diese Abenteuer sind die beiden Ortschaften Mhamid und Foum Zguid. Diese erreicht man über gut ausgebaute Strassen. In der anschliessenden Wüste gibt es nur noch Schotter- und Sandpisten, die nur mit Offroad-Fahrzeugen, zu Fuss oder mit der Dromedar-Karawane zu bezwingen sind. Erstere Variante geht am schnellsten, der Reisende nimmt dafür auf der holprigen Fahrt eine nicht unerhebliche Belastung für Rückgrat und Magen in Kauf. Wesentlich gemütlicher, dafür mit deutlich mehr eigenem Energieaufwand geht es mit der Dromedar-Karawane den hohen Dünen entgegen, die sich langsam am Horizont abzeichnen, sobald die Reisenden die letzten Zeichen der Zivilisation hinter sich gelassen haben. Zwar kann auf den Dromedaren zwischendurch auch geritten werden, bei drei- bis mehrtägigen geführten Wanderungen mit der Karawane ist jedoch die meiste Zeit Fussmarsch angesagt. Die Tiere tragen derweil die Lasten wie Zelte, Gepäck und Verpflegung.

Auf der Strecke von Mhamid zum Erg Chegaga zeigt sich die Wüste facettenreich. Anfangs trotzen noch viele Akazien- und Tamariskenbäume sowie niedrige Büsche der unwirklichen Gegend. «Die Bäume haben sehr lange Wurzeln. Sie reichen bis zu 40 Meter tief und treffen dort dann auf Grundwasser», erklärt Abdel Benalila. Der Inhaber des Reiseveranstalters Sahara Services kutschiert die kleine Gruppe Journalisten, die sich auf den Trip durch Marokkos Süden gemacht haben, gleich selbst mit dem Offroader durch die Wüste. Er kennt die Gegend sehr gut, ist er doch in Mhamid aufgewachsen. Auf der Fahrt quert er das trockene Flussbett des Draa. «Alle zwei Monate wird der Staudamm bei Ouarzazate geöffnet und Wasser den Fluss hinuntergelassen – für die Landwirtschaft», erklärt er. «Dann kommt Wasser manchmal auch bis hierher.» Entlang des DraaTals gibt es viel Grün in der sonst von rötlichen Erdtönen geprägten, steinigen Landschaft. Palmen, Gemüse und Getreide ermöglicht der Fluss, zu gedeihen. «Wenn es stark regnet, führt der Draa bis weit in die Wüste hinein Wasser», sagt Abdel. Ob das Wasser dort einfach versickert oder als unterirdischer Fluss den Weg zum Atlantik findet, darüber streiten sich laut Abdel Benalila auch die Einheimischen. Je weiter die Fahrt in die Wüste hineingeht, desto karger wird es. Steine wechseln sich mit Sand ab. Und plötzlich taucht hinter der nächsten Düne wieder ein grüner Fleck auf – eine Oase mit Palmen und einem Wasserloch.

Begrüssungstee im Berberzelt, im Nobelhotel und unter Palmen

Die Wüste lebt. Nicht nur, dass sich vereinzelte Pflanzen hartnäckig auch in den noch so sandigen Gegenden halten, auch Tiere leben hier. Die vielen Spuren von Käfern und kleinen Nagetieren, welche sich am Morgen in den Dünen zeigen, verraten es. Aber auch frei lebende Esel weiden sich an den wenigen grünen Halmen und Sträuchern. Ebenso Dromedare und Ziegen. Sie gehören den wenigen Nomaden, die in grossen Zelten und einfachen Hütten leben. Einer von ihnen ist Baba Saleh. Seine Hände, rau wie gröbstes Schleifpapier, zeugen vom jahrzehntelangen harten Leben in der trockenen und heissen Gegend. Sein zerfurchtes Gesicht, sein entwaffnendes Lächeln und die funkelnden Augen erzählen 1001 Geschichten. Er lädt die Gruppe zum Tee in sein Berberzelt ein, in dem sich auch ein paar junge Ziegen tummeln. Der unterste Meter des Zelts ist aus Steinen und Lehm aufgebaut, ein solider Stamm in der Zeltmitte und ein dichtes Netz von langen Ästen bilden die Dachkonstruktion, auf der Tücher liegen und so den Innenraum verdunkeln und kühlen. Überall hängen Hausrat, Kleider und Spielsachen an den Ästen. Am Boden liegt überall Teppich.

Auf einem Bunsenbrenner steht eine dampfende Teekanne. Saleh greift sie sich und giesst, den Arm immer weiter in die Höhe streckend, den Tee in die Gläser, nur um ihn dann gleich wieder zurück in die Kanne zu schütten und das Prozedere mehrmals zu wiederholen. Zuvor hat er einen grossen Brocken Zucker in den mit Minze angereicherten Grüntee getan. «Dank dieser Prozedur wird der Zucker aufgelöst und verteilt sich schön im Tee», erklärt Abdel Benalila. Baba Saleh spricht kein Französisch – die Sprache, mit der sich Touristen gut mit den meisten Einheimischen verständigen können. Der Tee zur Begrüssung ist ein Ritual in Marokko, das überall begangen wird. Sei es im Berberzelt draussen in der Wüste, im noblen Hotel in Marrakesch oder beim Mittagessen im Schatten einer Palme in einer Oase.

Ein riesiger See mit Palmen und Inseln erscheint in der Wüste

Auf der Weiterfahrt nach Foum Zguid quert die Gruppe den ausgetrockneten See Iriki. In der weiten Ebene des ehemaligen Seegrunds zeigt sich den Touristen ein aussergewöhnliches Bild – eine Fata Morgana. Wobei «eine» grob untertrieben ist. In etwas Distanz rund ums Fahrzeug flimmert die Luft so stark, dass sie wirkt wie ein Spiegel. Hügel in der Ferne werden zu Inseln in diesem See, Bäume spiegeln sich in ihm. Kein Wunder, haben sich dürstende, von der gleisenden Sonne ausgemergelte Wüstengänger in ihrem Delirium der Täuschung hingegeben, das erlösende Wasserloch liege greifbar nahe vor ihnen.

In Foum Zguid rollt der Offroader endlich wieder über asphaltierte Strassen, das über 160 Kilometer andauernde Rütteln und Schütteln über Schotterpisten und Sand hat ein Ende. Auf dem vom Schaffhauser Reisebüro Let’s go Tours organisierten Trip lockt die nächste Nachtrast in Tisseldeï. Entlang des ockerfarbenen Tals mit den gleichfarbigen Häusern zieht sich dort ein grünes Band. Das Bett des Flusses Imini ist nach ausgiebigen Niederschlägen Ende April gefüllt. «Viel Wasser gibt es nicht hier in der Region, es ist für uns sehr wertvoll», sagt Abdel Ouahed, der im schmucken Gästehaus Irocha im Service arbeitet. «Nur ein- oder zweimal im Jahr führt der Imini Wasser. Ihr habt Glück – zu diesen Zeiten ist es bei uns am schönsten.»

Eine Baslerin baut sich ein kleines Paradies auf

Den Abschluss der Reise bildet die Fahrt nach Marrakesch. Auf dieser Seite des Atlas grünt es. Landwirtschaft, Viehzucht und Handwerk überall. Auch eine Schweizerin hat sich diesen Fleck für ihr neues Leben ausgesucht. Die Baslerin Christine Ferrari hat auf einem zwei Hektaren grossen Grundstück ihr «Paradis du Safran» erbaut. Ergänzt durch einen Botanischen Garten und einen Barfussweg lädt dieser Ort ein zum Entschleunigen und Mit-allen-Sinnen-Geniessen. «Ich war früher Personalchefin einer grossen Firma. Damals verdiente ich viel Geld – heute nicht mehr, dafür bin ich viel glücklicher hier», sagt sie. Mit ihrem Bio-Safran erreicht Ferrari höchste Qualitätswerte, und das sieht und schmeckt man beim Mittagessen.

In 1000 Jahren von der Oase zur Millionenstadt

Endstation der Reise durch den Süden Marokkos ist die Stadt, die dem Land seinen Namen gegeben hat: Marrakesch. Eine einstige Oase, die über einen Zeitraum von rund 1000 Jahren zur Millionenstadt angewachsen ist. In den engen Gassen herrscht geschäftiges Treiben. Mopeds, Autos und Eselskarren kämpfen um den Vortritt, dazwischen huschen die Fussgänger umher. In den unzähligen kleinen Betrieben in der Altstadt fertigen Männer und Frauen Teekannen, Kleider und Souvenirs. Beim Einkauf zu handeln ist Pflicht. Das Leben pulsiert, es ist laut. Nicht so hinter den dicken Mauern der Riats. Viele der ehemaligen Herrenhäuser wurden zu Hotels umgenutzt. Sie sind Oasen der Ruhe und Kühle im städtischen Trubel.

Hinweis
Reisebüro: www.letsgo.ch
Lokale Agentur: www.saharaservices.info

Der Nomade Baba Saleh schenkt seinen Gästen Tee aus. (Bild: Mario Testa)

Der Nomade Baba Saleh schenkt seinen Gästen Tee aus. (Bild: Mario Testa)

Zwei Berber in hellblauen Djellabas auf der höchsten Düne des Erg Chegaga – der Transatlas rechts am Horizont begrenzt das Sandmeer. (Bild: Mario Testa)

Zwei Berber in hellblauen Djellabas auf der höchsten Düne des Erg Chegaga – der Transatlas rechts am Horizont begrenzt das Sandmeer. (Bild: Mario Testa)

Bild: Grafik: jbr

Bild: Grafik: jbr

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