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«Man spricht über unser Land»

Die Schweiz behauptet sich international als Tagungsort. Schon bald könne sie eine noch viel dominantere Rolle spielen, sagt Daniel Twerenbold vom «Radisson Blu» am Flughafen Zürich.
Interview: Dominik Buholzer
Das Projekt «The Circle» beim Flughafen Zürich mit Hotels, Restaurants und Kongresszentrum soll 2020 eröffnet werden. (Bild: Visualisierung: Flughafen Zürich AG)

Das Projekt «The Circle» beim Flughafen Zürich mit Hotels, Restaurants und Kongresszentrum soll 2020 eröffnet werden. (Bild: Visualisierung: Flughafen Zürich AG)

Daniel Twerenbold Bild: PD

Daniel Twerenbold Bild: PD

Daniel Twerenbold (53) ist Chef des grössten Kongresshotels in der Schweiz. Seit 1. Januar 2016 ist er General Manager des Radisson Blu Hotel Zurich Airport, das neben 330 Zimmern und Suiten über 52 Konferenzräume verfügt. Zudem ist er als District Director zuständig für sämtliche Radisson Blu und Park Inn by Radisson Hotels in der Schweiz. Zum inter­nationalen Hotelkonzern gehören unter anderem das «Prizeotel» in Bern (Economy-Design-Hotel) sowie das «Radisson Blu» in Andermatt, die demnächst eröffnet werden, sowie die bestehenden Radisson-Blu-Häuser in Basel, Luzern und St. Gallen. Die Radisson Hotel Group beschäftigt in der Schweiz gut 400 Leute.

Daniel Twerenbold, die Schweiz ist ein teurer Standort. Ein Nachteil, wenn es darum geht, Kongresse und Tagungen zu gewinnen?

Preislich spielen wir sicherlich in der Champions League. Dies muss nicht ein Nachteil sein. Voraussetzung ist allerdings, dass der Service stimmt. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.

Stellen Sie diesbezüglich eine ­negative Entwicklung fest?

Nein, ganz und gar nicht. Aber wir müssen uns dessen immer bewusst sein. Wer Preise wie wir verlangt, von dem wird auch sehr viel erwartet. Mit Mittelmass haben Sie heute keine Chance mehr.

Können denn die Schweizer Kongress- und Tagungszentren lang­fristig noch mit der internationalen Konkurrenz mithalten?

Aber sicher! Die kurzen Wege, die Natur und natürlich die Sicherheit, das sind unglaubliche Trümpfe, über die wir verfügen. Aber es hat sich auch in Sachen Infrastruktur einiges getan in den vergangenen Jahren. Ich denke da an den Bürgenstock, aber auch an das Projekt «The Circle» beim Flughafen Zürich, das neben Hotels, Restaurants unter anderem auch ein grosses Kongresszen­trum beinhaltet. Dies wurde international sehr wohl registriert. Man spricht über unser Land.

Aber wird dies letztlich auch den hohen Erwartungen gerecht?

Mit «The Circle» spielen wir künftig in einer ganz anderen Liga, insbesondere was den Geschäftsreisemarkt betrifft. Wir können dann auch die international ganz grossen Kongresse und Tagungen, die heute noch in Barcelona, London oder Paris stattfinden, nach Zürich holen.

Was macht Sie so sicher?

Das Echo, welches das Bauprojekt ausgelöst hat, ist enorm. Die ersten Anfragen für Kongresse liegen bereits vor.

Ihre Euphorie erstaunt. Schliesslich wird «The Circle» von einem ihrer Konkurrenten betrieben und das Gebäude befindet sich erst noch wenige Meter von ihren Hotel entfernt. Man stellt Ihnen «The Circle» quasi direkt vor die Nase.

Ach schauen Sie, diese Aspekte spielen doch bei solch einem Projekt keine Rolle. Wir dürfen hier nicht in ein Konkurrenzdenken verfallen, sondern müssen «The Circle» für die gesamte Schweiz betrachten. Läuft das neue Center, wird dies auch das Geschäft hier bei uns beflügeln.

Spüren Sie denn schon was von der von Ihnen beschworenen ­Zusammenarbeit?

Ganz klar. Ausdruck davon ist zum Beispiel, dass wir vergangenes Jahr eine gemeinsame Webseite lanciert haben. Auch sonst kooperieren wir sehr gut.

Die Eröffnung von «The Circle» ist für das Jahr 2020 vorgesehen. Ist es nicht ein wenig zu früh, bereits jetzt eine Website zu erstellen?

Wenn wir der Start nicht verschlafen wollen, müssen wir jetzt aktiv werden. Grosse Projekte benötigen in der Regel eine Vorlaufzeit von drei bis fünf Jahren. Wir sind also alles andere als zu früh dran.

Bereits vorher, Ende 2019, wird die Radisson Hotel Group in der «Alten Post» in Bern das erste Hotel der Marke Prizeotel in der Schweiz in Betrieb nehmen. Mit 188 Zimmern wird es zudem das grösste Haus am Platz sein. Was versprechen Sie sich davon?

Das ist ein ganz neuer Brand für die Schweiz, das ist richtig. Mit «Prizeotel» wollen wir insbesondere junge Businessleute ansprechen. Ich bin überzeugt, dass dies eine Erfolgsgeschichte werden wird. In Bern ist nicht nur der Bedarf nach zusätzlichen Betten gegeben, sondern auch nach einem neuen Typ von Hotel. Mit «Prizeotel» kombinieren wir Design mit technischer Innovation. Damit heben wir uns ganz klar vom bestehenden Angebot ab.

Nicht ganz so einfach wird es für Sie in Andermatt, wo auf die Wintersaison hin ein «Radisson Blu» aufgeht. Sie stehen im Schatten des Chedi.

Das sehe ich nicht als Nachteil. Im Gegenteil: Wir öffnen den Markt, Andermatt ist dann nicht nur auf das Luxussegment ausgerichtet.

Mit Andermatt betritt Radisson Neuland, bislang operierte ihre Gruppe ausschliesslich in Städten.

Das stimmt. Aber in Andermatt entwickelt sich mit dem Resort etwas unglaublich Spannendes, da wollten wir unbedingt präsent sein.

Das bedeutet aber noch längst nicht, dass es auch ein Erfolg wird.

Andermatt braucht Zeit, es ist ja auch gar noch nicht alles fertig gebaut. Aber das Resort muss funktionieren. Das hilft dem Tourismus in der ganzen Schweiz. Das verleiht unserem Land eine zusätzliche internationale Ausstrahlung.

In Zürich entstehen in den kommenden Jahren 2500 neue Hotelzimmer. Ist Übersättigung eine Gefahr?

Nein, der Bedarf ist ausgewiesen. Die Schweiz ist international ein sehr interessanter Markt, gerade im Geschäftsreisebereich. Aber das alleine genügt nicht. Auch das Drumherum muss stimmen.

Das heisst?

Das bedeutet beispielsweise, dass sich auch die internationalen Messen in der Schweiz weiterentwickeln müssen.

Sie sprechen die Probleme an, welche die internationale Schmuck- und Uhrenmesse Baselworld derzeit hat.

Genau, aber es liegt nicht an mir, den Messeverantwortlichen irgendwelche Ratschläge zu erteilen. Haben Sie übrigens die Bilder vom Formel-E-Rennen in Zürich gesehen?

Ja, das habe ich.

Wahnsinn! Solche Events sind Gold wert, sie helfen uns, Gäste in die Schweiz zu locken.

Aber das Rundstreckenrennen mit Elektrofahrzeugen hat sich nicht nur Freunde geschaffen. Und im Vergleich zu Städten wie Barcelona oder Berlin hat Zürich stets einen schweren Stand.

Wir sollten uns vielleicht eher mit Kopenhagen vergleichen. Das ist ein guter Benchmark.

Inwiefern?

Kopenhagen spricht Business-Leute an, kann mit hoher Technologie aufwarten, zeichnet sich daneben über seine Gastronomie aus und bewegt sich preislich in etwa in der gleichen Liga wie wir. Aber wissen Sie, welchen Trumpf wir haben?

Nein.

Wir haben die Bahnhofsstrasse.

Die Zürcher Bahnhofsstrasse?

Genau. Sie rümpfen jetzt vielleicht die Nase. Aber diese Strasse verfügt über eine unwahrscheinliche Anziehungskraft. So viele Brands auf solch überschaubarer Fläche finden Sie sonst an kaum einem anderen Ort. Und auch von Luzern oder St. Gallen sind Sie schnell einmal dort.

Megaprojekt «The Circle»

Es soll nichts weniger als Zürichs neue Adresse werden: «The Circle», das grosse Dienstleistungszentrum beim Flughafen Zürich. Auf einer Fläche von 180 000 Quadratmetern entstehen zwei Hotels, Restaurants, Läden, Büros und ein Kongresszentrum. Bauherren sind die Flughafen Zürich AG (Anteil von 51 Prozent) sowie Swiss Life (49 Prozent). Die Kosten liegen bei rund 1 Milliarde Franken. (bu)

Weitere Informationen: www.thecircle.ch

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