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Lover auf Zeit

Costantino ist Callboy. Weil er Frauen mag. Und weil er sich gut fühlt, wenn Frauen ihn für Sex bezahlen. Lukas G. Dumelin
«Sex kann auch anstrengend sein», sagt Callboy Costantino. (Bild: lgd)

«Sex kann auch anstrengend sein», sagt Callboy Costantino. (Bild: lgd)

Er nennt sich Costantino. Er hat keine Freundin, aber Freude an Frauen. Ruft ihn eine an, dann kommt er. Auf Hausbesuch. Oder ins Hotelzimmer.

Costantino ist Callboy. Im Namen, den er sich gegeben hat, schwingt ein bisschen Luxus mit, ein bisschen Latin Lover, ein bisschen Lust nach mehr. Sein Name ist ein Versprechen. Und dieses Versprechen löse er gerne ein, sagt Costantino. Entspannt sitzt er an einem Tisch im Bahnhofbuffet Olten. Aus den Boxen plätschert «Killing me softly». So diskret, dass man den Song fast überhört. Der Ort des Treffens passt zu seinem Business. Diskretion, sagt Costantino, sei sehr wichtig.

«Ich zahl di. Wie viel wötsch?»

Im Bahnhofbuffet interessiert sein Job niemanden. Ein Kommen und Gehen herrscht hier, draussen halten Züge und fahren weiter, manche rauschen vorüber.

Kommen und Gehen – das beschreibt auch Costantinos Job. Der Callboy erinnert sich, wie vor einem Jahr alles angefangen hat. Im Ausgang war es, eine Frau umschwirrte ihn die ganze Zeit. Es war klar, was sie wollte. «Sex», sagt Costantino und lehnt sich zurück. «Sex.» Dann beugt er sich wieder über den Tisch, dämpft die Stimme. «Ich habe das gleich gemerkt.» Bald machte ihm die Frau eindeutige Avancen. Costantino zögerte. Dann sagte sie zu ihm: «Ich zahl di im Fall. Wie viel wötsch?» Costantino zögerte noch einmal. Daraufhin schlug er eine Summe vor, die dem Preis entspricht, den er auch heute als Callboy verlangt. 300 Franken pro Stunde, Anfahrt bis zu 50 Kilometern inklusive. Mehr Kilometer kosten extra.

400 Franken für ein Inserat

Die Kundinnen finden Costantino online. Nach dem Erlebnis im Ausgang – die Frau hat das Geld bezahlt – liess er auf dem Portal «Callboy Schweiz» ein Inserat aufschalten. Nun ist er einer von 55 Männern, die sich mit Foto präsentieren, Costantino gehört zu den meistgebuchten, bis zu drei Termine hat er pro Woche. Mit 27 ist er im richtigen Alter: Nicht zu jung, nicht zu alt.

400 Franken zahlen Männer für ein Inserat, ein Fotoshooting und die dreimonatige Aufschaltung inbegriffen. Weitere drei Monate kosten wieder, sagt Portalbetreiber Renato, auch er ein Callboy. Er schätzt, dass es in der Schweiz, 300 bis 400 Männer gebe, die auf Portalen und über Agenturen ihre Dienste anpreisen.

Seine eigenen Inserenten ruft Renato regelmässig auf, beim Sex Kondome zu benutzen. Doch diese bieten beim Oralverkehr, den die meisten Männer offerieren, keinen Schutz. «Hier besteht ein Risiko», gibt Renato zu. Aber dieses Risiko gingen auch Frauen in Kontaktbars ein, die Blowjobs anböten, sagt Callboy und Portalbetreiber Renato.

Die Buchung seiner Inserenten läuft nicht über ihn. Die Frauen melden sich direkt per Mail oder SMS bei den Callboys, viele Frauen kostet das grosse Überwindung. Erhält Costantino eine Anfrage, frage er nie: «Schicksch mer es Föteli?» Für den Fall, dass ihm eine Frau nicht zusagen sollte, hat er einen Satz parat. «Sorry», würde er sagen, «ich bin auch nur ein Mensch mit Gefühlen.»

Mails und SMS bestätigen ihn

Gefühle? Naja. Aber eine Frau muss ihn anziehen, damit Costantino seinen Mann steht. Das muss er gelegentlich bis zu vier Stunden lang. Sex sei nicht nur schön, Sex sei auch anstrengend. Er wolle, dass sich eine Frau als Star des Abends fühle. Zum Dank erhalte er Mails oder SMS. Darin steht zum Beispiel: «Schön, dass du bei mir warst.» Oft aber auch weit schmutzigere Dinge.

Costantino gefällt das. Solche Nachrichten bestätigen ihn, sie geben ihm ein gutes Gefühl. Wie ihm die Tatsache ein gutes Gefühl vermittelt, dass es Frauen gibt, die für Sex mit ihm bezahlen. Leben kann er aber nicht von diesem Geld, er will es auch nicht. Sein Job ist ein anderer. Der in seiner Rolle als Callboy nichts zur Sache tut.

Seine Kundinnen fragen ihn auch nicht danach. Sie wollen Sex haben, guten Sex. Manche sind unzufrieden mit ihrem Ehemann, andere finden gar keinen Mann, dritte wollen ihre Phantasien ausleben: einmal ans Bett gefesselt und geschlagen werden. Costantino staunt manchmal über die Wünsche der Frauen – und sagt auch Nein, wenn's sein muss.

Sein Umfeld weiss Bescheid

Das Umfeld weiss unterdessen, dass er als Callboy arbeitet. Für viele war das gewöhnungsbedürftig. «Aber ich stehe zu meinem Job», sagt Costantino. Irgendwann werde er ihn bestimmt an den Nagel hängen. Und wieder eine Freundin haben, vielleicht sogar eine Familie gründen. Jetzt gehe das natürlich nicht, sagt er. «Ich würde mich bei einer Freundin nur lächerlich machen, wenn sie erführe, als was ich arbeite.»

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