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…Jetzt wird's eng im Täschchen: Mehr als Lippenstift und Handy passen nicht mehr in die neue «Clutch»... «Clutch»! Welch hässliches Wort.

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…Jetzt wird's eng im Täschchen: Mehr als Lippenstift und Handy passen nicht mehr in die neue «Clutch»...

«Clutch»! Welch hässliches Wort. Es erinnert an Klatsch, an klatschnass! Ans Händeklatschen! Applaus verdient sie in der Tat, die neue henkellose Tasche, welche von jedem Designer – von Prada bis Louis Vuitton – zum absoluten «Must» der Saison ausgerufen wurde.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der wir uns an riesige Taschen gewöhnt haben, in die wir den halben Haushalt hineinstopften. Jetzt heisst es wieder: reduzieren auf Lippenstift, Handy und goldene Kreditkarte. Und ran ans harte Handmuskel-Training. Denn die englische Übersetzung von «clutch» sagt es präzise: «fest umklammern». Wer es nicht tut, riskiert, sein neues Spielzeug im Nu zu verlieren.

Einst nannte man das elegante Accessoire aus den 20er-Jahren «Unterarmtasche». Christian Dior liess es in den Fünfzigern erneut aufleben. Die schicke Dame klemmte es adrett unter den Arm, wie die Franzosen ihr langes, dünnes Pariserbrot. Nicht umsonst heisst die Tasche in Frankreich «Baguette», auch wenn diese Tragweise heute als absolut unmodisch gilt. Neu wird die «Clutch» mit den Fingern umklammert.

Selbst die Models auf den Laufstegen haben die richtige Griffart noch nicht erlickt: Die einen pressen krampfhaft sämtlich Finger zusammen, die anderen spreizten sie aus Angst, das edle Stück könnte entgleiten.

Es kommen schwere Zeiten auf uns Frauen zu: Wir müssen lernen, mit der «Clutch», dem Champagnerglas und den Häppchen in der linken Hand zu jonglieren, um mit der rechten die Freunde zu begrüssen. Wir müssen zudem lernen, das vergrösserte Portefeuille nie zu verlegen.

Weder beim Essen noch auf der Toilette.

Yvonne Forster