Lokremise: Provisorischer Fahrplan

Das St. Galler Lokremise-Projekt braucht Zeit – zu viel Zeit für den Tanzchef des Theaters, Philipp Egli, wie vorgestern bekannt wurde. Wie könnte der Fahrplan für den Umbau aussehen?

Peter Surber
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Die Lokremise hinter dem Hauptbahnhof beschäftigt die St. Galler Kultur seit Jahren. Seit dem Auszug der Galerie Hauser & Wirth im Jahr 2004 gilt das Provisorium als möglicher künftiger Brennpunkt verschiedener Kunstsparten.

Erste Priorität hatte dabei von Anfang an das Theater St. Gallen, das für seine Tanzkompanie, aber auch für Schauspiel- oder Opernproduktionen eine zweite mittelgrosse Bühne braucht. Zweiter fixer Partner ist das Kinok, das hier endlich eine zentrale städtische Adresse erhalten soll. Dritter Partner ist die Kunst, vierter die Gastronomie. Für den Umbau gingen im Mai 2005 die Architekten Stürm & Wolf als Sieger aus einem Studienwettbewerb hervor; ihr Projekt sieht drei «Boxen» vor, frei in das riesige Halbrund gestellt.

Von den SBB zum Kanton

Der Umbau unter Leitung des kantonalen Hochbauamtes war für 2007 vorgesehen, mit provisorischem Zwischenbetrieb. Die Vorlage verzögerte sich dann jedoch, dafür bewährte sich das Provisorium: Kulturanlässe, darunter die «Schnittpunkt»-Schau, und private Veranstaltungen zeigten, «dass das Rohe, Industrielle und Grosszügige der Anlage gut ankommt», wie die Regierung im letzten Sommer bilanzierte, als sie eine weitere Verschiebung bekanntgab. Als eines der Zwischen-Stücke spielte das Theater, sinnigerweise, «Warten auf Godot».

Die SBB als Besitzerin, der Kanton St. Gallen als Mieter: So sahen die ursprünglichen Verhältnisse aus. Letzten November gab der Kanton dann jedoch bekannt, die Lokremise ganz von den SBB übernehmen zu wollen, inklusive des geschützten Wasserturms und des angrenzenden ehemaligen Bähnler-Badhauses.

Diese Kaufverhandlungen mit den SBB sollten in nächster Zeit abgeschlossen sein, erklärte Katrin Meier, die Leiterin des Amts für Kultur, gestern auf unsere Anfrage. Noch ist deshalb die weitere Planung provisorisch. Einen erfolgreichen Kaufabschluss vorausgesetzt, könnte ab April 2008 die parlamentarische Behandlung über die Bühne gehen: die Bestellung der Kommission sowie zwei Lesungen im Kantonsrat. Kostet der Umbau über 15 Millionen Franken, gibt es eine Volksabstimmung.

Bei einem Ja könnte 2009 umgebaut und die erneuerte Lokremise nach rund einjähriger Bauzeit im Sommer oder Herbst 2010 eröffnet werden. Mit der Kaufoption und dem Umbau verspreche sich der Kanton ein geschlossenes, überzeugendes Gesamtprojekt, sagt Katrin Meier.

Kein «Intendant»

Beim Umbau hat das kantonale Hochbauamt das Sagen, beim inhaltlichen Konzept das Amt für Kultur. Für den Betrieb danach sei jedoch keine «Intendanz» geplant, sondern nur eine Koordinationsstelle. Die jeweiligen Projektpartner sollen in der Programmierung eigenständig sein: Theater, Kinok sowie die Trägerschaft des Kunstbereichs, in der unter anderen Kunstmuseum, Sitterwerk und exex beteiligt sind.

Ursprünglich war in grossem Atem von einem nationalen Zentrum für Film und Medienkunst (FiMe) die Rede gewesen; heute sähen die Planungen etwas bescheidener aus. Zudem: Noch nicht bestimmt sei der Gastro-Partner, sagt Katrin Meier.

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