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Psychologin erklärt: «Liebesbeziehungen sind selbstgewählte Abhängigkeiten»

Liebeskummer wirft einen schnell mal aus der Bahn und verhindert, klar zu denken. Zum emotional aufgeladenen Thema befragten wir deshalb eine Expertin, die schon von Berufs wegen einen kühlen Kopf bewahren muss.
Andrea Munz, Psychologin.

Andrea Munz, Psychologin.

Als Psychologin und Coach BSO (Berufsverband für Coaching, Supervision und Organisationsberatung) berät die Luzernerin Andrea Munz in privaten oder beruflichen Konfliktsituationen.

Andrea Munz, verliert man die Kon­trolle, wenn man verliebt ist?

Im verliebten Zustand wird man davongetragen von schönen, intensiven Gefühlen und Fantasien. Man kommt in eine Art Flow und spürt allgemein viel Lebensfreude und Energie. Die Emotionen sind kaum zu kontrollieren, aber grundsätzlich verliert man nicht die Kontrolle im Leben.

Ist Verliebtheit eine Sucht?

Verliebt zu sein ist etwas sehr Schönes. Im Verlauf des Lebens sehnt man sich immer wieder nach Phasen voller Energie, Zuneigung und Liebe – wie man es ähnlich im Zustand des Verliebtseins erlebt. Ich würde dies nicht als Sucht bezeichnen. Liebesbeziehungen sind selbstgewählte Abhängigkeiten, die einen starken Einfluss auf die Lebenszufriedenheit haben.

Macht Liebeskummer krank?

Starke Emotionen wie beispielsweise Freude, Glück, Angst, Trauer oder Wut sind stets auch körperlich spürbar. Liebeskummer kann sich auf der körperlichen Ebene beispielsweise in Form von weniger oder stärkerem Appetit, Unruhe, Schlaf- oder Konzentrationsproblemen zeigen. Liebeskummer macht krank, wenn die Trauer über eine längere Zeit nicht verarbeitet werden kann.

Wie viel Zeit braucht es, um Liebeskummer wieder loszuwerden?

Nicht alle Frauen und Männer reagieren bei Liebeskummer gleich. Die einen verdrängen den Kummer, brauchen Zeit für sich und die Verarbeitung des Verlusts, andere stürzen sich in eine neue Beziehung. Die zeitliche Verarbeitung einer Trennung hängt einerseits von der Dauer und Qualität der Beziehung ab und andererseits davon, ob man die Trennung selbst initiiert hat, im gegenseitigen Einverständnis auseinander geht oder ungewollt verlassen wird.

Wie verarbeitet man Liebeskummer am besten?

Das ist unterschiedlich. Manche schreiben Tagebuch, andere reden mit Freunden, lenken sich mit Hobbys ab oder lösen sich schrittweise von Erinnerungen wie Briefen, Geschenken oder Fotos.

Braucht das Herz wirklich Security, wie Senna Gammour es formuliert – ist beim Verlieben Vorsicht Pflicht?

Eine Beziehung einzugehen ist immer mit dem Risiko des Scheiterns verknüpft. Es braucht Mut und Risikobereitschaft, eine Beziehung zu beginnen. Wer Beziehungen mit angezogener Handbremse eingeht, kann diese nicht in ihrer vollen Intensität erleben und geniessen. Mit wachsender «Beziehungserfahrung» wird man vielleicht vorsichtiger, man könnte es auch realistischer nennen.

Senna Gammour rät davon ab, eine Klette zu sein. Warum braucht die Liebe auch Distanz?

Beziehung ist immer ein Spiel zwischen Nähe und Distanz, Gemeinsamem und Individuellem. Ist eine Beziehung sehr symbiotisch und klebt man aneinander, kann das einengen und die Entwicklungsmöglichkeiten für beide einschränken. Eigenständigkeit und Selbstständigkeit im Denken und Handeln machen eine Person attraktiv.

Hat das alte Klischee vom Mann, der erobern will und den man warten lassen sollte, auch noch Gültigkeit in Zeiten der Emanzipation?

Gewisse Muster sind seit Generationen beobachtbar und in der Psychologie beschrieben worden, so zum Beispiel die Archetypen und das kollektive Unbewusste von C. G. Jung. Männer waren früher Jäger und manche jagen und erobern noch heute gern. Frauen waren Hüterinnen von Feuer und Familie und kümmern sich auch heute oft um Familie und Haushalt. Die Geschlechterrollen sind aber (zumindest in unserer Kultur) viel flexibler geworden.

Wann hat eine Beziehung keine Chance mehr?

Beziehungen sind etwas Lebendiges und Dynamisches und beinhalten schöne wie auch schwierigere Zeiten. Wichtig scheint mir, dass bei Konflikten jeder einen aktiven Beitrag zur Klärung und Lösungssuche leistet. Für eine Beziehung braucht es immer zwei. Wenn eine Person trotz vorgängigen Lösungsversuchen nicht mehr will, dann gilt es das zu akzeptieren und zu respektieren. (sh)

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