Lesetipps Schweiz: Reise nach Nepal und Generationenporträt

Ella Maillarst Bericht einer 1951 erfolgten Reise nach Neapel und ein witziger Poproman um eine Gruppe Kulturjounalisten bei einer Lokalzeitung des Satirikers Matteo Kämpf.

Hansruedi Kugler/Charles Linsmayer
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Vom Wallis nach Nepal

Das Cover mit dem Weisshorngipfel und dem Wegweiser «Zermatt» will nicht so recht zu Ella Maillarts «Im Land der Sherpas», passen, das Nagel & Kimche mit einem Nachwort von Felicitas Hoppe erstmals deutsch präsentieren. Immerhin ist die Autorin 1997 nach einem spektakulären Leben als Sportlerin, Weltreisende (Russland, China, Afghanistan) und Autorin («Turkestan solo», «Der bittere Weg») 94-jährig im Walliser Chandolin gestorben. Im letzten, eine 1951 erfolgte Reise nach Nepal erzählenden Buch wollte sie den Walliser Bergbauern deren asiatische Schicksalsgefährten gegenüberstellen. Der Bericht, der 59 der 184 Seiten des mit zwei Vorworten und einem geschwätzigen Nachwort versehenen Bandes umfasst, zeugt von souveräner Kenntnis der Landschaft, von einem spontanen Zugang zu den Menschen und von einer ansteckenden Begeisterung für das Neue und Ungewöhnliche, dem die Schweizerin in dem eben noch verschlossenen und inzwischen vom Alpinismus verheerten Nepal begegnete. Beachtenswert sind Maillarts im Anhang wiedergegebene Fotografien. Charles Linsmayer

Ella Maillart: Im Land der Sherpas. Nagel&Kimche, 184 S., Fr. 31.-

Nur der Humor bleibt

Sie glauben an nichts, die drei Kulturjournalisten der Regionalzeitung. Aber das tun Lena, Hans und Martina sehr unterhaltsam. Sie sind 35 und faul, ironisch, scharfsinnig und melancholisch. Das in die Jahre gekommene Kumpeltrio lässt sich vom Büro ins Konzert treiben, von der Vernissage in die Tapas-Bar, ihren Zufluchtsort – immerzu sarkastische Sprüche auf Lager. Eine Email aus China reisst sie aus dem Trott. Sie jetten nach Peking zum Punkkonzert von «Tante Leguan». Fortan verkaufen sie ihrem Chef die Ausflüge als Reisereportagen, essen Kalbskopf in Lyon, besuchen in Neapel die Betreiberin einer antifaschistischen, satirischen Homepage mit dem Namen «Cats that look like Hitler» und frieren in Unterhosen im Jura.

Der Berner Oberländer Satiriker Matto Kämpf legt hier einen rasanten Poproman, ein schelmisches Roadmovie und ein nicht allzu ernst zu nehmendes, sehr lustiges Generationenporträt vor. «Wir wursteln vor uns hin, werden älter und freuen uns ab einem gelungenen Satz.» Hansruedi Kugler

Matto Kämpf: Tante Leguan. Roman. Der gesunde Menschenversand, 144 S., Fr. 28.-