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Lesetipps: Politische Bücher

Vier Sachbücher erklären den Aufstieg und Fall der Demokratie, analysieren die amerikanische Aussenpolitik und zeigen, wie Sprache die Politikverdrossenheit fördern kann.
Arno Renggli

Woody Allens Sohn: Wie die USA ihre Diplomatie militarisieren

Liest man dieses spannende Buch, hält man den Autor zunächst für einen altgedienten US-Diplomaten. Und stellt fest: Ronan Farrow ist 31-jährig und nebenbei erwähnt der Sohn des einstigen Hollywood-Traumpaares Mia Farrow und Woody Allen. Trotz seiner Jugend hat Farrow Erfahrung als Jurist, Journalist sowie Diplomat und arbeitete im US-Aussenministerium unter anderem als Berater für Hillary Clinton. 2018 erhielt er den Pulitzer-Preis für seine Recherchen zum Weinstein-Skandal.

Das Hauptthema seines Buches: Die USA ersetzen klassische Verhandlungsdiplomatie zunehmend durch militärische Gesten und Aktionen. Entsprechend gewinne auch im Weissen Haus das Pentagon an Einfluss – zu Ungunsten des Aussenministeriums. Diese Entwicklung habe sich mit dem Amtsantritt von Trump massiv verschärft, wie Farrow auch anhand verschiedener Beispiele zeigt. Doch neu ist sie nicht und setzte im grösseren Stil nach 9/11 ein. Farrow zeigt eindrücklich, wie gefährlich es ist, wenn Militärs die Aufgaben von Diplomaten übernehmen bzw. ersetzen, auch wenn er Effizienz und Einflusskraft der Diplomatie keinesfalls überbewertet. Indes wurden konkrete Konflikte in Afghanistan oder im Irak begünstigt durch diese Priorisierung.

Das Buch wartet mit einem ungeheuren Faktenreichtum auf, was einiges an Interesse an amerikanischer und globaler Politik voraussetzt. Dabei ist es flüssig und verständlich geschrieben. Erstaunlich ist, dass Farrow in den rund 200 Interviews, die er geführt hat, auch an ganz grosse Protagonisten herankam. Wie etwa Hillary Clinton, Colin Powell, Henry Kissinger oder den legendären US-Diplomaten Richard Holbrooke.

Ronan Farrow: Das Ende der Diplomatie. Rowohlt, 479 S., Fr. 38.–

Mit Sprache die Politik vergiften

Dass Sprache mächtig ist, gilt natürlich auch für die Politik. Die Münchner Politologin Astrid Séville zeigt, wie der «Sound der Macht klingt». Und wie die ewig gleichen Phrasen echte Debatten im Keim ersticken. Stattdessen fördern sie eine Politikverdrossenheit, die sich in einer vergifteten Gegensprache äussert. Rechtspopulistische Strömungen, die jegliches Politestablishment schlecht machen, lassen grüssen. Zu den analysierten Sprachbeispielen gehören etwa Wendungen wie «Es gibt keine Alternative» oder «Wir sind das Volk». Séville plädiert für eine neue demokratische Streitkultur, die auf Differenzierung setzt und auch das Risiko eines kurzfristigen Popularitätsschwundes eingeht.

Astrid Séville: Der Sound der Macht. C.H., Beck, 192 S., Fr. 25.–

Psychologie der Demokratie

Die Demokratie scheint zu bröckeln. Der Aarauer Psychotherapeut Kurt Theodor Oehler analysiert sie mit ihren Strukturen und Entwicklungen anhand gruppendynamischer und evolutionärer Erkenntnisse. Zwar ist er optimistisch, dass sogar Diktaturen in langwierigen Prozessen zu Demokratien werden. Was in Kleingruppen vielleicht nur Tage und in grösseren Teams etwa zwei Jahre brauche, kann gemäss Oehler in Völkern und Staaten aber bis 1000 Jahre dauern. Gewisse Staaten Westeuropas hätten sich zwar bis zur Demokratiefähigkeit entwickelt, die Weltgesellschaft als Ganzes sei aber gruppendynamisch gesehen noch ganz am Anfang.

Kurt Theodor Oehler: Hat die Demokratie noch eine Zukunft? Schweizer Literaturgesellschaft, 160 S., Fr. 26.-

Vom Abstieg einer Topnation

Japan, einstiges Wirtschaftswunderland, ist auf dem ­absteigenden Ast. Dies thematisiert der deutsche Historiker und langjäh­rige Japan-Korrespondent Wieland Wagner. Beschleunigender Faktor dieser Entwicklung sei die rasch fortschreitende Überalterung der japanischen Gesellschaft. Hinzu komme, dass das Land, verwöhnt vom jahrzehntelangen Erfolg seinen Zenit erreicht habe. Auch weil es sich weigere, notwendige Reformen anzugehen und seine Wirtschaft zu öffnen – etwa für Einwanderer und für Frauen. Wagner ist überzeugt, dass entsprechende Lehren daraus auch für andere «Wohlstandsnationen» von grossem Nutzen sind.

Wieland Wagner: Japan. Abstieg in Würde. DVA, 256 S., Fr. 30.–.

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