Knackpunkt Hosenbund - Pulli rein oder raus?

Mode ist zum Unterhalten da. Sie soll überraschen und inspirieren. Und damit nicht alles immer gleich aussieht, darf ein Blazer auch mal in die Hose gesteckt werden. Gegen die Ästhetik, für den Eigensinn. Es lebe das Tucking.

Susanne Holz
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Moderedaktorinnen, Models, Bloggerinnen: Alle lieben das Tucking. Louis Vuitton Men ebenso. (Bild: Bilder: Getty)
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Moderedaktorinnen, Models, Bloggerinnen: Alle lieben das Tucking. Louis Vuitton Men ebenso. (Bild: Bilder: Getty)
Moderedaktorinnen, Models, Bloggerinnen: Alle lieben das Tucking. Louis Vuitton Men ebenso. (Bild: Bilder: Getty)
Moderedaktorinnen, Models, Bloggerinnen: Alle lieben das Tucking. Louis Vuitton Men ebenso. (Bild: Bilder: Getty)

Moderedaktorinnen, Models, Bloggerinnen: Alle lieben das Tucking. Louis Vuitton Men ebenso. (Bild: Bilder: Getty)

Wer kennt das nicht? Man steht vor dem Spiegel und überlegt: Soll das T-Shirt in die Hose oder aus der Hose raus? Die Bluse in oder über den Rock? In den Bund betont die Figur und sieht meist besser aus, hat aber auch was Spiessiges. Aus dem Bund ist die zweifellos lässigere Variante, lässt aber die Figur verschwinden und öfter auch den Sexappeal.

Irgendwann hat man dann die Rein-oder-Raus-Frage so satt, dass man das Shirt, die Bluse einfach irgendwie steckt – halb drin, halb draussen, halb spiessig-sexy und halb lässig-unförmig. Vermutlich entstand so der Trend des «Tuckings», der seit ein paar Jahren die Mode auf Taillenhöhe revolutioniert. Neuerdings stopft man sogar Blazer, Wollpullover oder Hoodies auch gerne mal ganz in den Bund: Der Eigensinn bootet die Ästhetik aus.

«Pseudolässig und etwas zu gesucht»

«To tuck» heisst übersetzt «stecken». Modebegeisterte wissen das längst. Model Kendall Jenner steckt ihren Blazer in die Hose, ganz so, wie es Céline oder Balenciaga auf den Catwalks zeigen. Die Zürcher Stilexpertin Simone C. Styger vermisst bei all dem Rein oder Raus jedoch das treffsichere Modeempfinden. Und prophezeit: «Ich sehe das Ende dieser pseudolässigen und etwas zu gesuchten Varianten auch schon wieder nahe.» Was den professionellen Auftritt betrifft, ist für die Stilexpertin die Sache ohnehin klar: «Hier empfiehlt es sich, Bluse oder Hemd drinnen zu tragen.» Kreatives «Tucking» eigne sich höchstens fürs Private.

Sie selbst trage in der Freizeit gerne den Navel Tuck: Man stecke ein weites Shirt nur vorne bei der Gürtelschnalle in eine schmale Hose, um die Silhouette zu strecken und die Unförmigkeit des Shirts zu unterbrechen. «Gerade kleinere Frauen profitieren enorm von dieser lässigen Variante», so die Modekennerin.

Figurfragen? Ein Luxus heutiger Zeit. Ein Blick zurück zeigt, dass in der Vergangenheit ganz praktische Erwägungen dazu führten, etwas so oder so zu tragen. Wie Simone C. Styger weiss, hatte beispielsweise das Einstecken eines langen Hemdes bis zum 18. Jahrhundert in erster ­Linie hygienische Gründe: Es ersetzte die Unterhose.

Man möchte jetzt nicht mutmassen, dass all die Fashionistas, Bloggerinnen und It-Girls, die neu ihre Jacke in die Hose stecken, sich gleichzeitig die Unterwäsche an den Hut stecken. Nein, diese Revolution bleibt an der Oberfläche – und sieht schlicht lustig aus.

Kleines Lexikon der gängigsten Tucks

Full Tuck Hemd, Shirt oder Bluse werden komplett in die Hose gesteckt. ­
Die Neunzigerjahre lassen ­grüssen.
Half Tuck Vorne drin, hinten draussen, auch Vokuhila genannt. So, als hätte man nur kurz Zeit gehabt, um das Shirt nonchalant vorne reinzustecken – obwohl man eine Viertelstunde vor dem Spiegel stand.
Double Tuck Zwei Kleidungsstücke (meist Bluse und Pulli) kommen in den Bund.
Smug Tuck Pullis oder Blazer werden in die Hose gestopft – auf dem Catwalk sieht das gelungen aus. Hauptsache anders – das ist die Devise.
Viennetta Tuck Genderneutrale Variante des Full Tuck, etwa bei Louis Vuitton Men.  
Hoodie Tuck Kapuzenshirts kommen in die Hose – nicht nur bei Skatern.
Navel Tuck Nur daumenbreit unterhalb des Bauchnabels eintucken – Gürtelschnallen kommen so gross raus.
Mushroom Tuck Hier geht es um eine pilzartige Silhouette: Oben muss es voluminös sein. Funktioniert am besten mit einem groben Strickteil. (sh)