Langzeitfolgen
3300 Mitarbeitende im Gesundheitssektor auf Long Covid untersucht – das sind die wichtigsten Erkenntnisse

Eine Studie der Klinik für Infektiologie in St.Gallen zeigt, dass es nicht reicht, nach Symptomen zu fragen, um das Ausmass von Long Covid richtig erfassen zu können. Und dass regelmässiger Sport ein Schutzfaktor sein könnte.

Sabine Kuster 1 Kommentar
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Müdigkeit und Erschöpfung gehören zu den häufigsten Long-Covid-Symptomen – auch beim Gesundheitspersonal. (Symbolbild)

Müdigkeit und Erschöpfung gehören zu den häufigsten Long-Covid-Symptomen – auch beim Gesundheitspersonal. (Symbolbild)

Bild: Keystone

Seit vor über einem Jahr anhaltende Symptome nach einer Sars-Cov-2-Infektion bekannt wurden, werden sie untersucht. Long Covid lautet heute der Überbegriff. Wann die Symptome aber tatsächlich die Folge einer Infektion sind, ist nach wie vor schwierig zu differenzieren. Das zeigt auch eine noch unbegutachtete Studie des Kantonsspitals St.Gallen KSSG.

Unter der Leitung der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene des KSSG nahmen 3300 Mitarbeitende aus über 20 Gesundheitsinstitutionen in der Ostschweiz, Hirslanden Zürich und dem Kantonsspital Baden teil. 784 davon hatten sich mit dem Sars-Cov-2 infiziert, wie ein Bluttest im März 2021 zeigte. Erfasst wurden also auch jene Personen, bei denen die Infektion unbemerkt verlaufen war (bei 29 Prozent). Und sie wurden mit jenen verglichen, die nicht infiziert worden waren.

Gefragt wurde nach Symptomen wie Kopfschmerzen, Husten, Geruchsstörungen, Schmerzen, Haarverlust, Herzklopfen, Erschöpfung oder Schwindel. Nicht gefragt wurde nach dem (neurologischen) Symptom «Gehirnnebel» beziehungsweise Konzentrationsstörungen.

Müdigkeit ist ein unzuverlässiges Symptom für «Long Covid»

Die beiden häufigsten berichteten Symptome, Müdigkeit und Erschöpfung, wurden dabei von rund einem Drittel aller Sars-Cov-2 positiven, aber auch von fast einem Viertel der nicht an Covid-19 erkrankten Studienteilnehmenden berichtet. Das überrascht nicht: Müdigkeit und Erschöpfung sind in der Bevölkerung weit verbreitet und haben verschiedenste Ursachen - und Angestellte im Gesundheitssektor waren während der Pandemie oft besonders belastet. Philipp Kohler, einer der Hauptautoren der Studie, und Infektiologe am KSSG sagt aber:

«Eine so hohe Quote von 25 Prozent Erschöpften beim nicht-erkrankten Gesundheitspersonal überrascht doch.»

Die Ärztinnen und Ärzte in den Long-Covid-Sprechstunden, die schweizweit entstanden sind, müssen die Ursachen deshalb genau abklären. Die Erschöpfung kann auf Lungenschäden beruhen, aber auch auf das, was auch gemeint ist, wenn von Long Covid die Rede ist: Nämlich neurologische Defizite, die damit zu tun haben, dass das Virus in manchen Fällen das vegetative Nervensystem nachhaltig durcheinander bringt.

Solche Erkrankungen sind auch nach anderen Virusinfektionen bekannt und werden meist ME/CFS oder Chronische Fatigue genannt. Die Betroffenen haben meist auch Verdauungs-, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Nach zu viel Anstrengung erfolgt kein Trainingseffekt sondern im schlimmsten Fall ein Zusammenbruch.

Doch die wenigsten Fälle sind so schwer und deutlich. Müdigkeit kommt zudem auch bei Depressionen vor, die nichts mit einer Infektion zutun haben. Wobei: Viele ehemalige Corona-Kranke haben tatsächlich auch mit psychischen Problemen zu kämpfen. Die einen, weil sie knapp dem Tod entronnen sind, andere, weil sie die unsicheren Heilungschancen bei Long Covid belasten.

Die Studie kann vor allem Aussagen über milde Verläufe machen

Infektiologe Philipp Kohler sagt, da Gesundheitspersonal untersucht worden sei, also keine Personen über 65 Jahren, seien Organschäden wie an der Lunge bei diesen Studienteilnehmenden wohl selten. «Diese Personen waren mehrheitlich solche mit milden Verläufen», so Kohler.

Dass gerade auch milde Verläufe Long Covid zur Folge haben, ist bekannt. Interessant ist deshalb der Befund der St. Galler Studie, dass dennoch die Long-Covid-Symptome stärker sind, je stärker die Person akut erkrankt war und je mehr Antikörper noch vorhanden waren. Bei jenen mit unbemerkten Infektionen ist kaum ein Unterschied zur Kontrollgruppe auszumachen, die nicht infiziert war. Bis auf zwei Symptome: Unbemerkt Infizierte mit keinen oder wenig Symptomen hatten häufiger Geruchs-, Geschmacksstörungen und auch Haarverlust als Nicht-Infizierte.

Schützt Sport das Immunsystem vor Entgleisungen?

Wie bereits bekannt waren auch hier Frauen häufiger von Long Covid betroffen. Interessant ist der Befund bezüglich sportlicher Aktivität: Jene, die im September 2020 häufiger ins Fitness gingen, Mitglied in einem Sportverein waren oder Yoga machten, hatten nach der Erkrankung im März 2021 seltener anhaltende Long-Covid-Symptome. «Man muss den Befund mit Vorsicht geniessen», sagt Kohler, der Wirkmechanismus sei nicht erforscht.

1 Kommentar
Margrit Holzhammer

Was meint wohl das Pflegepersonal dazu, wenn es erfährt, wie mich das weltberühmte Universitäts-Kinderspital Zürich im Jahr 1986 "entsorgte"? Bei 100% Arbeitsunfähigkeit (Arztzeugnis), durch die Arbeit krank gemacht, mit einem Gewicht von gerade noch 40 Kilogramm und einem Gespräch, welches ICH (sehr wichtig) in die Wege leitete, wurde ich vom damaligen Spitaldirektor im Beisein der damaligen Spitaloberschwester und Leiterin des Pflegedienstes unter massivem Druck zur Kündigung gezwungen. Abgemacht war, dass der damalige ärztliche Leiter der Intensivpflegestationen bei diesem Gespräch auch dabei sei!!! Er war nicht dabei, er wurde ausgeladen!!! Unter anderem öffnete ich damals den Mund, wegen der fehlenden Bettendesinfektion und Bettensterilisation, den blutverschmierten Matratzen, den schmutzigen Duvets und Kopfkissen. Leiter der Abteilung Spitalhygiene am Kispi Zürich ist der Präsident der Eidgenössischen Impfkommission, Hr. Prof. Dr. med. Christoph Berger. Seit dem Jahr 2003 werden im Kinderspital Zürich Herzoperationen am offenen Herzen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine vorgenommen, anderen Kindern wird mit Chemotherapie das Immunsystem heruntergefahren. Diese extrem gefährdeten Kinder liegen in schmutzigen Betten, alles schön zugedeckt mit sauberer Wäsche aus der Zentralwäscherei Zürich! Das A und O eines Spital ist (wäre) ein durch und durch sauberes Bett. Ich weiss, das interessiert die Medien nicht!!!!!!!!!!

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