Kurz, stark, unermüdlich

Kurzfilmtage Winterthur Ernsthaftigkeit und Tiefgründigkeit prägten die Mehrheit der Schweizer Beiträge.

Jonathan Fisch
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Kugeltanz: Szene aus «Cartographie 9 – La Boule d'Or» (Bruno Deville / Philippe Saire) im Schweizer Wettbewerb CHurzfilm.

Kugeltanz: Szene aus «Cartographie 9 – La Boule d'Or» (Bruno Deville / Philippe Saire) im Schweizer Wettbewerb CHurzfilm.

Dem Schweizer Kurzfilmschaffen mehr Raum geben: Dies war eines der Anliegen, denen die Macher der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur mehr Rechnung tragen wollten. Mit neu drei statt zwei Wettbewerbsblöcken wurden 21 Produktionen aus dem Inland gezeigt. Einen starken und äusserst authentischen Beitrag lieferte Anna Thommen mit ihrem Dokumentarfilm «Second me». Sie porträtierte einen von der Midlife-Crises geknebelten Mann, der nach Scheidung und Burn-out sein zweites Leben in der virtuellen Welt von «Second life» führt. Ohne den Protagonisten zu entblössen, zeigte Thommen dessen Einsamkeit in der realen Welt und machte seine Flucht in die virtuelle nachfühlbar. Diese eindrückliche Dokumentation hätte es zweifelsohne verdient, auch für den internationalen Wettbewerb nominiert zu werden.

Ausgefallene Animationen

Von viel Feingefühl war auch Michael Kochs «Polar» gezeichnet. Der 26jährige Regisseur und Schauspieler liess in seinem Familiendrama um Macht und Verständnis mit ruhigen Bildern und kargen Dialogen die tiefen emotionalen Gräben zwischen Vater und Sohn einprägend wirken, so dass der schleichende Konflikt, der wegen Vaters neuer Freundin entbrannte, dem Zuschauer auf unangenehme Weise die Atemwege zu blockieren schien. Die Ernsthaftigkeit und das Tiefgründige waren denn auch prägend für die Mehrheit der Beiträge im Schweizer Wettbewerb.

So sorgten die Animationsfilme von Daniel Zwimpfer («Manfred») und Adrian Flückiger («Signalis») für willkommene Abwechslung. Die beiden Studierenden an der Hochschule Luzern, Fachrichtung Design und Kunst, bekräftigten mit ihren kreativen Kreaturen den guten Ruf der Luzerner Talentschmiede. Mit seiner ausgefallenen Geschichte Manfreds – er entleert die Welt mit jedem Atemzug und macht selbst vor dem Traualtar keine Ausnahme – sorgte in seinem Falle Daniel Zwimpfer für die erfrischende Überraschung im Wettbewerbsblock.

Mangel an Kreativität und Mut

Das Niveau der Schweizer Beiträge war zwar beachtlich hoch, im Vergleich zu den Filmen im internationalen Wettbewerb fehlte es einigen Regisseuren noch an Kreativität und Mut. So verflachten manche Beiträge mit platten Geschichten und forderten wenig heraus, wie dies der Beitrag von Alexia Walther und Maxime Matray («L'élan») krampfhaft versuchte: Zwei Männer auf dem Weg zum Duell werden auf ihrer Reise durch die Wälder Südfrankreichs begleitet, wo sie letztlich ihre Pistolen erheben. Die schauspielerischen Leistungen konnten dem Spielfilm auch keinen zusätzlichen Farbtupfer verleihen.

Hauptgewinner Johannes Nyholm. (Bild: pd)

Hauptgewinner Johannes Nyholm. (Bild: pd)

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