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Mensch verursacht Kulturverlust bei Schimpansen

Der Mensch raubt Schimpansen nicht nur ihren Lebensraum, sondern auch ihre kulturelle Verhaltensvielfalt. Die Affen verlernen den Gebrauch von Werkzeugen.
Juliette Irmer
Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext (Bild: Elena Bolshakova/Getty)

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Haben Sie schon einmal von der «Gombe» – oder der «Taï»- Kultur gehört? Die Gombe-Schimpansen aus Ostafrika etwa angeln häufig nach Termiten oder Ameisen, jene aus dem Taï-Wald an der Elfenbeinküste sind auf das Nüsse knacken spezialisiert. Auch diese Einteilung wird den Menschenaffen allerdings nicht gerecht, denn jede Schimpansengruppe hat eigene, tradierte Verhaltensweisen, die einen Teil des Zusammenlebens regeln und von Generation zu Generation weitergegeben werden – eben eine eigene Kultur.

Verblüffende Vielfalt

Die Vielfalt ist dabei verblüffend: Manche fischen nach Algen, graben mit Werkzeugen nach Knollen oder kühlen sich bei grosser Hitze in Tümpeln oder Höhlen ab. Eine Studie in Science zeigt allerdings, dass die kulturelle Verhaltensvielfalt der Menschenaffen bedroht ist.

Der Einfluss des Menschen

Neun Jahre lang hat ein internationales Forschungsteam das Verhalten von Schimpansengruppen in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet in Afrika dokumentiert, um zu untersuchen, welchen Einfluss Menschen auf das Gebaren der Tiere haben. Insgesamt flossen die Daten von 144 Gruppen in die Studie ein, ein Teil der Information war bereits aus der wissenschaftlichen Literatur bekannt.

Die Forscher konzentrierten sich auf 31 Verhaltensweisen, die leicht mit Kamerafallen festzuhalten sind, etwa die Verwendung von Holzwerkzeugen zur Jagd oder zur Entnahme von Termiten, Algen und Honig. «Solche Langzeitstudien sind selten, die Ergebnisse dafür umso klarer», sagt der Studienleiter Hjalmar Kühl vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung: Je stärker der Mensch in den Lebensraum der Tiere eingreift, desto stärker verringert sich die Vielfalt des tradierten Verhaltens.

«Im Durchschnitt verringert sich die Verhaltensvielfalt der Schimpansen an stark belasteten Orten um 88 Prozent»,

sagt Kühl.

Schimpansen leben in den tropischen Regenwäldern und Baumsavannen Afrikas. Wie andernorts auch, weichen diese zunehmend Plantagen, Minen und Siedlungen, es werden Strassen gebaut, der Verkehr nimmt zu. Der Lebensraumverlust führt zu schrumpfenden Schimpansenpopulationen was ein Grund für die abnehmende Verhaltensvielfalt sein könnte.

Soziales Lernen wird behindert

Die Forscher vermuten, dass das soziale Lernen behindert wird: Anders als bei angeborenen Verhaltensweisen, die alle Schimpansen beherrschen, etwa der Bau des alltäglichen Schlafnestes, schauen sich Jungtiere Traditionen wie das Termiten oder Ameisen angeln von den erwachsenen Verwandten ab und üben es von klein auf. Möglicherweise setzt diese Form der Wissensweitergabe allerdings eine bestimmte Populationsgrösse voraus, zumindest beim Menschen spielt die Bevölkerungsgrösse eine Rolle für den Erhalt kultureller Eigenschaften. Ein anderer Grund könnte sein, dass Schimpansen auffällige Verhaltensweisen, wie etwa das Nüsse knacken mithilfe von Steinen, vermeiden, um nicht die Aufmerksamkeit von Jägern auf sich zu ziehen.

Das Kulturerbe der Schimpansen schützen

Die Forscher fordern daher, Orte mit aussergewöhnlichen Verhaltensweisen als «Schimpansen-Kulturerbe» zu schützen. Das Konzept könnte sich leicht auch auf andere Tierarten mit grosser Verhaltensvariabilität anwenden lassen etwa Orang-Utans oder Wale. «Auch die kulturelle Verhaltensvielfalt ist Teil der Biodiversität und somit schützenswert», sagt Studienleiter Hjalmar Kühl, «zumal wir noch nicht annähernd verstanden haben wie diese Vielfalt entsteht und daraus auch Rückschlüsse auf unsere eigene Evolution ziehen könnten.»

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