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Künstler folgt auf Manager

Das Opernhaus bekommt einen neuen Direktor: 2012 zieht Andreas Homoki von der Komischen Oper Berlin nach Zürich – eine vielversprechende Lösung. Der Vertrag von Alexander Pereira wird um ein letztes, 21. Jahr verlängert.
Tobias Gerosa
Andreas Homoki vor «seinem» neuen Haus. (Bild: Eddy Risch)

Andreas Homoki vor «seinem» neuen Haus. (Bild: Eddy Risch)

Per Mail und SMS abends nach Büroschluss hatte das Opernhaus kurzfristig zur Medienkonferenz über «einen wichtigen Entscheid» des Verwaltungsrates geladen: Ziemlich überraschend wurde nicht etwa der neue Chefdirigent vorgestellt, sondern der neue Intendant, der im Herbst 2012 Alexander Pereira ablösen wird.

Zwischen den Anzugträgern des Verwaltungsrats und der Findungskommission fiel der Lockenkopf im Poloshirt auf: Andreas Homoki, 48jähriger Deutscher, seit 2002 Intendant der Komischen Oper Berlin und seit gestern designierter Nachfolger von Pereira als Opernhausdirektor. Der stilistische Unterschied war augenfällig und auch, dass plötzlich nicht mehr von «Oper», sondern von «Musiktheater» die Rede ist.

«Der Wunschkandidat»

Mit Andreas Homoki holt man einen Mann nach Zürich, der sich als Regisseur einen sehr guten Namen geschaffen hat. Als Intendant hat er auf dem harten Pflaster Berlins die kleinste der drei Opern zur spannendsten und letztes Jahr zum «Opernhaus des Jahres» gemacht. Homoki steigerte die Auslastung markant und verschuf dem Haus, das als Regiehochburg gilt, ein musikalisch klares und immer besseres Profil. In Zürich kündigt sich also ein stilistischer Wandel an, der weit über die Kleidung hinausgehen könnte. Verwaltungsratspräsident Josef Estermann sagt dazu: «Es ist klar, dass die Regie zentraler wird als bisher.» Das ist eine vielversprechende Perspektive für das zwar auf vollen Touren laufende Haus, das aber immer öfter der eingefahrenen Spur folgt und dem es an neuen Ideen fehlt.

Das Anforderungsprofil verlangte einen erfahrenen Opernmanager, aber auch einen Künstler mit klarer Handschrift. Zudem sollte er eine Perspektive für etwa ein Jahrzehnt bieten. Homoki, Intendant und anerkannter Regisseur, wurde als «Wunschkandidat» vorgestellt. Gefragt war ausserdem «Charme gegenüber den Sponsoren und dem Publikum». Bereits beim ersten Treffen sei es auch um die Frage der Eigenfinanzierung gegangen – konkret: Auch der neue Intendant muss tüchtig Sponsoringgelder auftreiben. «Hier kann ich von Alexander Pereira noch viel lernen», gab Homoki zu. Soviel privates Geld wie dieser hat kaum ein Kulturmanager sonst zusammengebracht. So hat Pereira 14 Premieren pro Jahr finanziert – ein Erfolg gemessen am relativ kleinen Publikum in der Region Zürich, wenn auch die Qualität (gerade im Szenischen) mit der Quantität nicht immer mithalten konnte.

Qualität wichtiger als Stars

Auch wenn Homoki noch nichts zu konkreten Plänen und Namen sagen konnte, versprach er vermehrt inhaltliche Auseinandersetzung und eine gleich bleibende Qualität auch nach den Premieren: «Ich habe den Horror vor Aufführungen, in welchen Starsänger ungeprobt edel herumschreiten.» Sein Plan sei, den hohen sängerischen Standard zu halten und weiterhin auch die grossen Sängerinnen und Sänger zu präsentieren. Er werde für sein Programm sicher nicht einfach Berliner Rezepte kopieren, sondern auch die ganz andere Publikumsstruktur Zürichs berücksichtigen. Homoki zeigte sich davon überzeugt, dass man ein Publikum mit Qualität auch überzeugen könne. Hoffentlich gesteht man ihm die dafür nötige Zeit zu.

Der Vertrag mit Homoki ist in aller Stille bereits unterschrieben worden. Schliesslich sei der Entscheid auch schon «seit Monaten klar», wie Estermann sagt. Doch musste der Berliner Kultursenator einbezogen werden, der Homokis Vertrag an der Komischen Oper verkürzen und einen Nachfolger suchen musste.

Die Frage nach dem Chefdirigenten blockte Estermann hingegen sofort ab: Dafür sei noch Pereira zuständig, der sich aber mit seinem Nachfolger einigen müsse. Hier könnte Konfliktpotenzial liegen und auch stilistisch könnte es noch zu Anpassung kommen: «Wir verpassen ihm dann schon noch eine Krawatte!», scherzt Estermann.

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