Kommentar

Corona-Impfung: Jedes Land muss nun abwägen

Bruno Knellwolf
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Bruno Knellwolf, Wissenschaftsredaktor

Bruno Knellwolf, Wissenschaftsredaktor

Die Engländer preschen vor. Als erster westlicher Staat erteilt deren Arzneimittelbehörde dem Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer eine Notfallzulassung. In Grossbritannien sind bislang 59'148 Menschen an Covid-19 gestorben, die Not ist gross, die Coronamassnahmen sind hart und schwächen das Land. So verwundert es nicht, dass die Briten nun die Ersten sind, die auf die Impfung setzen. Zu dieser gibt es keine Alternative, will man zurück in die Normalität.

Für ihre Eile werden die Briten kritisiert. Doch hinter dem Entscheid steht eine Abwägung zwischen der tödlichen Gefahr durch die Krankheit und dem Risiko einer schnellen Zulassung des Impfstoffs. Dass die Engländer angesichts der vielen Coronatoten auf das Vakzin setzen, überrascht nicht.

Diese Abwägung muss in den nächsten Wochen jedes Land machen. Die Schweiz hat sich gegen Notfallgenehmigungen entschieden, weil bei den drei jetzt von Swissmedic geprüften Impfstoffen noch nicht alle Fragen geklärt sind. Zwar ist es möglich, dass wir uns deswegen länger mit Masken und in unnatürlicher Distanz bewegen müssen als die Briten. Angesichts der vorhandenen Skepsis in Teilen der Bevölkerung könnte sich die Geduld aber lohnen. Je besser die Fragen geklärt sind, je mehr Studienergebnisse berücksichtigt werden, desto mehr Menschen können überzeugt werden, sich zum Wohle aller impfen zu lassen.