Interview

Komiker Stefan Büsser lebt als Risikopatient isoliert : «Eine Umarmung würde gut tun»

Der Komiker und Moderator Stefan Büsser ist ein Risikopatient. Ein Gespräch über Coronawitze, Angst und Solidarität. Und ein Appell.

Annika Bangerter
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Hygiene, Hamsterkäufe und Irina Beller: Der 35-jährige Moderator und Comedian Stefan Büsser erklärt das Coronavirus in einer ganz speziellen Video-Botschaft:

Ihm gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor. Selbst das Bundesamt für Gesundheit applaudiert per Twitter. Das Video hat Stefan Büsser zu Hause produziert. Dorthin hat er sich zurückgezogen. Er leidet an Diabetes und an der chronischen Lungenkrankheit Cystische Fibrose. Uns erzählt er telefonisch, wie er die Pandemie als Risikopatient erlebt.

Stefan Büsser, wann mussten Sie Ihren Alltag umkrempeln?

Letzte Woche habe ich noch unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen beim Radio gearbeitet. Ich ging beispielsweise nicht mehr ins Grossraumbüro und vor meiner Moderationsschicht wurde das Studio desinfiziert. Das hat sich inzwischen komplett geändert: Die nächsten Wochen verbringe ich zu Hause.

Haben Sie eine ähnliche Situation schon einmal erlebt, als beispielsweise eine Grippe grassierte?

Grundsätzlich könnte für uns  Risikopatienten auch eine Grippe kritisch sein. Die Hygiene in dieser Jahreszeit ist für mich daher nichts Neues. Einen Lockdown wie aktuell erlebte ich jedoch noch nie. Beim Coronavirus ist für uns Lungenkranken die Unsicherheit extrem gross. Es fehlt an Daten und wir wissen nicht, was das Virus mit uns macht – von einem mittlerem bis schweren Verlauf oder gar Tod ist alles möglich. Deshalb dürfen wir kein Risiko eingehen.

Wann spürten Sie das erste Mal Angst wegen des Coronavirus?

Erst spät, denn ich war von Ende Februar fast zwei Wochen lang im Berner Jura meditieren. Als ich dorthin fuhr, gab es den ersten Coronafall in der Schweiz. Während des zwölftägigen Meditationskurses stellte ich das Smartphone ab und war entsprechend abgeschottet. Als ich danach zum ersten Mal wieder News empfing, hatte ich das Gefühl, die Apokalypse sei über die Schweiz hereingebrochen. Je intensiver ich mich informierte, umso mehr Ängste entstanden bei mir.

Was tun Sie gegen diese Ängste?

Es braucht eine Psychohygiene und einen bewusster Umgang mit den Medien. Die Nachrichten sollten bewusst und gebündelt konsumiert werden. Es ist wichtig, sich zu informieren. Jedoch alle zehn Minuten einen Newsflash zu lesen, finde ich kontraproduktiv. Die Bedrohung ist somit omnipräsent. Es hilft, wenn man dazwischen Dinge macht, die einem gut tun: Sei das ein Buch zu lesen, einen Film zu schauen oder mit Freunden zu telefonieren.

Stefan Büsser.

Stefan Büsser.

PD

 Über was lachen Sie noch?

Ich finde Corona-Witze nach wie vor lustig. Der deutsche Moderator Micky Beisenherz hat es auf den Punkt gebracht: Wer jetzt das Gefühl hat, Humor sei nicht mehr angebracht, der hat den Ernst der Lage nicht begriffen.

Was löst es bei Ihnen aus, wenn Leute wie vergangenes Wochenende in Cafés sitzen?

Unverständnis. Es braucht jetzt Solidarität, um die Verbreitung des Virus so niedrig wie möglich zu halten. Sonst kollabiert unser Gesundheitswesen. Es ist tragisch, dass es noch mehr Tote braucht, bis alle Menschen verstehen, was los ist. Dabei genügt ein Blick nach Italien: Dort fehlen Material und Ressourcen, um sämtliche Patienten zu retten.

Spüren Sie manchmal Panik?

Das versuche ich zu verhindern. Ich mache mir Sorgen und versuche alles, was in meiner Macht steht, zu befolgen. Sei dies mit einer Video-Botschaft oder indem ich mir die Hände noch öfter als sonst wasche. Ich schotte mich zudem komplett ab und treffe niemanden.

Fürchten Sie sich vor dem Alleinsein?

Bis jetzt nicht. Vermutlich habe ich noch nie so häufig telefoniert wie in den letzten zwei Tagen. Anzeichen von Vereinsamung spüre ich daher nicht, aber eine Umarmung würde mir gut tun. Meine Hündin hat wohl noch nie so viel Aufmerksamkeit von mir bekommen wie momentan. Um ihre Anwesenheit bin ich sehr froh. Es hilft mir, in der Isolation wenigstens ein Tier zu haben.

Was ist für Sie das Schwierigste?

Meine Freunde und Familie nicht sehen zu können. Das ist richtig hart. Diese Massnahme geht aber nicht nur uns Risikopatienten an. Deshalb mein Appell an alle: Bleibt wann immer möglich zu Hause und verhindert den Kontakt zu anderen! Ja, das ist <gottsjämmerlich> und extrem mühsam, aber es ist die einzige Möglichkeit, um Ansteckungen zu verhindern. Am Schluss werden wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.