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Gretas Erfolgsrezept

Umweltaktivistin Greta hat die «Gen Z» (Generation Zero der Nullerjahre) politisiert. Wie schaffte es die Teenagerin innert weniger Monate zu globaler Berühmtheit? Ein Erklärungsversuch.
Lukas Niederberger
Kolumnist und Publizist Lukas Niederberger.

Kolumnist und Publizist Lukas Niederberger.

Die 16-jährige Greta Thunberg organisiert seit August 2018 vor dem Stockholmer Parlamentsgebäude jeden Freitag Schülerstreiks für ein besseres Klima. Weil dies weltweit Schule machte, trat Greta bereits im Dezember am UNO-Klimagipfel in Katowice auf. Und im Januar 2019 erhielt Greta am Davoser WEF mehr Aufmerksamkeit als Merkel, Guterres, Lagarde und die 3000 Konzern-Chefs zusammen. Die berühmteste und unkommodeste Influencerin der Welt wirbt für ein einziges Produkt: den Planeten Erde. Greta hat die «Gen Z» (Generation Zero der Nullerjahre) politisiert. An Schulen, Demos und familiären Esstischen wird derzeit heftig über den Verkauf des Familienautos, die Einführung fleischloser Menus und über No-go-Ferien-Transportmittel debattiert.

Wie schaffte es Greta Thunberg innert weniger Monate zu globaler Berühmtheit? Der Inhalt ihrer Botschaft kann es nicht sein. Denn die Fakten, die Greta über Treibhausgase und Klimawandel verbreitet, sind seit 40 Jahren hinlänglich bekannt. Rezept Nummer 1 ist die Personifizierung komplexer Themen. Erderwärmung und Treibhaus­gase haben mit Greta ein Gesicht und einen Namen erhalten. Ihre Sitzstreiks lösen mehr Betroffenheit aus als Umweltgipfel. Und die Teenagerin, die für ihren WEF-Besuch 60 Stunden Zug fährt und im Zelt übernachtet, beeindruckt mehr als Politiker und Manager, die dunklen Limousinen entsteigen und hinter Saaltüren entweichen.

Das Erfolgsrezept Nummer 2 ist Gretas Glaubwürdigkeit. Sie vertritt keine Einzelinteressen und ist nicht korrumpierbar. Ihre Worte und Taten sind deckungsgleich. Mit ihrer Glaubwürdigkeit hängt auch Rezept Nummer 3 zusammen: die existenzielle Ergriffenheit. Bei Greta berührt das kognitive Wissen über die Umwelt Herz und Bauch: «Wenn man einmal begriffen hat, um was es beim Klima für die Welt jetzt geht, kann man nicht mehr zurück. Ich habe nicht mehr gegessen und konnte nicht mehr zur Schule.» Persönliche Ergriffenheit und Empörung führen aber nur zum Erfolg, wenn Rezept Nummer 4 hinzukommt: das vernetzte Handeln. Um angesichts globaler Probleme nicht in Ohnmachtsgefühlen zu erstarren, vernetzte sich Greta mit Gleichgesinnten. So wurde aus dem Tropfen auf den heissen Stein ein weltweit reissender Strom. Dabei half wesentlich das Rezept Nummer 5: die Sozialen Medien. Gretas Videos werden online ohne Werbe-Budget millionenfach angeschaut und geteilt.

Gretas Rezept Nummer 6 ist die emotionalisierte Botschaft. Die Teenagerin konfrontiert die Mächtigen in Politik und Wirtschaft mit starken Metaphern: «Es ist nötig, dass jeder von euch eine Panik spürt, wie wenn euer eigenes Haus brennt. Denn das tut es…. Ihr sagt, dass ihr eure Kinder über alles liebt. Trotzdem stehlt ihr ihnen ihre Zukunft, direkt vor ihren Augen.» Rezept Nummer 7 sind Gretas konkrete Forderungen: weniger fliegen und Auto fahren, Kreuzfahrten vermeiden und weniger oder gar kein Fleisch essen. Und Staaten sollen Flugbenzin und grosse Autos stärker besteuern und erneuerbare Energie fördern.

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