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Wie ich berühmt war – und mühsame Menschen verstehen lernte

Zwei Tage Berühmtheit statt nur 15 Minuten. Unser Autor erklärt uns, was ihm von seinem kurzen Ausflug ins Prominenten-Dasein geblieben ist.
Kilian Küttel
Kilian Küttel

Kilian Küttel

Die These stammt vom amerikanischen Künstler Andy Warhol. 1968 sagte er: «In Zukunft wird jeder 15 Minuten weltberühmt sein.» Jetzt ist 2019. Und ich war berühmt. Ein bisschen. Nicht weltberühmt, aber länger als 15 Minuten.

Das kam so: Von Donnerstag bis gestern fanden in Luzern die Schweizer Meisterschaften im Poetry Slam statt, im modernen Dichterwettstreit also. Ich war dabei. Nicht weil ich besonders gut wäre, aber ich bin in einem Jahr acht Mal aufgetreten. Das reicht, um sich zu qualifizieren.

Der Wettbewerb war in der Zentralschweiz, und als einer der wenigen Teilnehmer aus der Region interessierten sich plötzlich die Medien für mich.

Unvermittelt gab ich Zeitungsinterviews, telefonierte mit Radiostationen und stand in Radiostudios. Zittrige Knie, schweissige Hände, darauf erpicht, nicht irgendetwas zu sagen, das ich später bereuen könnte. Die Gefahr besteht. Grosses Mundwerk. Deshalb Poetry Slam.

Jedenfalls stand ich für einmal auf der anderen Seite als sonst, beantwortete Fragen, statt sie zu stellen.

Der Vorwurf, schlecht vorbereitet zu sein, ist etwas vom Schlimmsten, was man als Journalist zu hören bekommen kann. Gesprächspartner, die so etwas sagen, gelten für Journalisten gemeinhin als mühsam.

Zwei Tage als Interviewpartner haben mich diese müh­samen Menschen verstehen lassen. Jedenfalls ansatzweise.

So musste auch ich Dinge erklären, die man im Vorfeld mit googeln selbst rausgefunden hätte. Wo treten Sie auf? Wann treten Sie auf? Wie haben Sie sich qualifiziert?

Es wäre mir ein Leichtes gewesen, mich über diese unvorbereiteten Journalisten aufzuregen. Was ich aber wusste: Diese Leute haben noch anderes zu tun, als sich nur mir und meinem Hobby zu widmen.

Kommt hinzu: Mein «Medien-Marathon» beschränkte sich auf zwei Tage. Anders als bei Andy Warhol freilich. Dieser soll so oft auf seine Aussage angesprochen worden sein, dass er irgendwann nur noch sagte: «In Zukunft werden 15 Personen berühmt sein.»

Übrigens: Dieser Text entsteht an einem Freitagmorgen. Der Leiter dieser Zeitung hat mir den Auftrag vor einer Stunde gegeben. Ein wenig kurzfristig, schlecht geplant. Unvorbereitete Journalisten, ein Graus.

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