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Glosse

Weshalb es mir bald
jeden Morgen die Sprache verschlägt

Am Zahn der Zeit: Wie die Dentalhygienikerin zu kreativem Multitasking animiert.
Hans Graber
Hans Graber

Hans Graber

Als besonders effizient würde ich mich nicht bezeichnen. Wenn das Messer bereits leicht am Hals ritzt, kann ich schon mal massive Energieschübe entwickeln, aber wenn nichts ritzt, lasse ich es tendenziell gerne etwas schleifen. Morgen ist auch wieder ein Tag.

Es gibt Ausnahmen. Anflüge von Multitasking, dem Erledigen mehrerer Aufgaben gleichzeitig. Neuerdings nutze ich den Arbeitsweg für eine Zahnspülung. Verordnet wurde mir diese von der Dentalhygienikerin. Im Erdgeschoss ihrer Praxis ist ein Waffengeschäft, und manchmal komme ich da auf dumme Gedanken. Aber sie meint es ja nur gut. Die meisten Leute, die einem zuleide werken, meinen es nur gut, letztlich.

Die Zahnspülung ist nötig, weil ich ein «Problemgebiss» habe, so Dr. med. dent. G. schon vor Jahren, ja Jahrzehnten. Aber dank häufiger Besuche bei der gutmeinenden DH halten sich die Kollateralschäden in Grenzen. Damit das so bleibt, wurde jetzt die Spülung verordnet. Sie soll in den Zahntaschen wirken, dort, wo man mit keiner Überschallbürste und keinem noch so filigranen Zusatzbesteck hinkommt.

Mein Arbeitsweg ist kurz, ein paar hundert Meter, die ich mit dem Velo zurücklege. Es dauert ein paar Minuten, die meiste Zeit davon wartet man bei Rot. Die paar Minuten, so habe ich mir überlegt, könnte man doch für die morgendliche Zahnspülung nutzen. So vergesse ich sie nicht und mache etwas Sinnvolles. Ich nehme also vor der Abfahrt einen kleinen Schluck dieser Flüssigkeit und behalte diese unter fleissigem Rotieren im Mund, bis zur Büro-Toilette.

Das hat zwei Vorteile: Ich mache etwas für die Zahngesundheit, und ich fluche nicht mehr über andere Verkehrsteilnehmer. Man glaubt gar nicht, wie häufig selbst auf wenigen hundert Metern ein befreiendes «Schafseckel» oder «blöde Zwetschge» angebracht ist. Bzw. wäre. Ich kann ja jetzt nichts mehr sagen.

Der Nachteil: Man kann auch nichts anderes sagen, kein Sali, kein Grüezi – wo man sich doch kennt im Quartier. Zweimal musste ich mich bereits im Nachhinein entschuldigen, weil ich einen Gruss nicht erwidert hatte, sondern nur seltsam die Backen hopsen liess.

Dennoch, DHs sollten generell mehr Zahnspülungen verschreiben, bei einigen mehrfach täglich, fast permanent. Wenn man das Zeug sehr lange im Mund hat, besteht zwar eine gewisse Gefahr, dass man von innen her allmählich aufgelöst wird. Aber unter dem Strich gibt es sicher Schlimmeres.

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