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Kolumne

Was, schon wieder?

Unkommod
Claudia Lässer

Ja, es ist wieder WM. Nichts gegen die WM, aber trotzdem – schon wieder? Das waren doch keine vier Jahre seit Brasilien. So zwei, vielleicht. Deutschland hat doch den Pokal noch nicht mal hingestellt. Und seit Brasilien sind jetzt vier Sommer vergangen, vier Weihnachten über die Familienbühne und vier Silvester, mit Vorsätzen?

Verrückt. Der WM Rhythmus ist der Schlag einer riesengrossen Pendeluhr, gegen die so ein jährlicher Schluckauf wie Silvester fast schon herzig wirkt. Und immer mehr wird mir bewusst, dass die Zeit nicht nur relativ ist, sondern relativ schnell vorbei gehen kann. Das denke ich jetzt und nehme mir vor, die nächsten vier Jahre ­bewusst zu geniessen, bewusst zu wissen, dass mir die letzten vier Jahre ganz und gar nicht wie vier Jahre vorgekommen sein werden.

Die nächste WM findet 2022 statt. Ein Jahr wie aus einem Science-­Fiction-Roman wird dann Wirklichkeit sein. Ich wurde ja im 20. Jahrhundert, also 19 hundert geboren, was wie damals im Geschichtsunterricht 18 hundert klingt, was keinen grossen Unterschied zu 16 oder 15 hundert war. Es war einfach alt und weit weg. So alt, wie irgendwas gar nicht sein kann. 2018 oder gar 2022 hingegen waren aufregend weit weg.

Und da sind wir nun. Gleichgeblieben sind gewisse Themen an der WM. Die Hoffnungen auf den Durchbruch der Schweizer Nati, die politisch ­motivierten Diskussionen um Austragungsorte, die Wetten, das Bildli­tauschen auf dem Pausenhof der Kinder.

Der Reiz des Fussballs scheint ungebrochen, und ich hoffe, das bleibt so. Nostalgisch alte WM Spiele auf Youtube anschauend, schmunzle ich über die Bildqualität, das zum Teil träge wirkende Tempo, die Frisuren, trauere ein wenig Spielerpositionen wie dem Libero nach und merke gleichzeitig, wie dieser Sport, egal in welcher Ära, mich zu begeistern vermag. Und je länger ich ihn schaue, desto stärker die Bindung, desto mehr Referenzen kann ich nennen. Eine Konstante in der Zeit, die alle vier jahre einen neuen Meilenstein einschlägt.

Von verwaschenen Schwarzweiss-Bildern zu 3D-Analysen und 2018 neu dabei, Videobeweisen, hat sich der Fussball wahnsinnig verändert und doch ist er sich selbst geblieben – trotz Unsummen. Aber Träume brauchen ein reelles Fundament und manchmal muss man das durchstieren oder wiehat Hoeness gesagt, «ja glaubts eure Stars zahlen wir mit 7 Euro Stehplätzen» oder so ähnlich. A propos Zeitgefühl – das hat er vor elf Jahren gesagt.

So zeigt uns der Fussball, vor allem alle vier Jahre, wie die Zeit vergeht und wie man sich selbst treu bleibt. Er fordert uns auf, uns zu wandeln, Traditionen zu bewahren, aber uns von Sentimentalitäten zu verabschieden, die uns auf dem Weg zum Ziel aufhalten. Das Ziel ist das Wichtigste. Es definiert die Schritte. Schritte, die den Alltag ausmachen und eine Zeit gestalten, auf die wir einst zurückblicken werden. Anpfiff, der Ball rollt.

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