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Villa Kunterbunt: Pippilottas Lebenshilfe

"Laborarbeiten" im Geheimen - das war einmal. Mit dreizehn ist eher Chillen angesagt. Auch Müttern in der Lebensmitte könnten solche Experimente gut tun.
Bettina Kugler

Aus dem dicken, vollgestopften Sichtmäppchen fällt ein loses Blatt. «Achtung!!!», steht mit Filzstift draufgekritzelt, «Laborarbeiten – Betreten auf eigene Gefar!!!» Datiert ist diese eindringliche Warnung nicht. Lottas Schrift, Wortschatz und Orthografie zufolge stammt die Türbotschaft etwa aus dem Jahr 2016. Laboriert wurde wohl an ersten Tests mit Nagellack und Lippenstift. Schädliche Dämpfe drohten bei Betreten ebenso wie blankes Entsetzen über das Stadium chaostheoretischer Experimente im Labor von Doktor Pippilotta.

Die Zeiten solcher emsiger Projekte sind vorbei. Make-up wird nun ungeniert im Bad aufgetragen, unter Laborbedingungen von damals. Wer Ordnung hält, ist ja nur zu faul zum Suchen. Der Werkplatz Kinderzimmer (so darf er nicht mehr heissen) dient sporadisch zur Erledigung von Hausaufgaben. Falls gerade Platz frei ist auf der Schreibtischplatte. Ansonsten wird gechillt. Früher sagte man «Musse», egal: Es heisst vor allem, nichts zu müssen. Nichts ausser Chatten, Musikhören, auf der Matratze in den Tag träumen. Die Rush Hour des Lebens kann warten. Vorher sollte man, wie es in «Pippi Langstrumpf» heisst, «Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen». Die nimmt sich Lotta. Ausgiebig! Betreten immer noch auf eigene Gefahr. Das Experiment hinter der Tür aber ist auch Müttern in der Lebensmitte zu empfehlen.

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