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Kolumne

Die Konstruktion umdrehen

Unkommod
Valentin Landmann

Im schweizerischen Recht gilt der Grundsatz, dass Organe nur dann einem Toten zur Transplantation entnommen werden dürfen, wenn dieser sich vor dem Tode als Organspender registriert hat. Er bekommt dann auch ein entsprechendes Kärtchen. Das Riesenproblem ist, dass auf diese Weise wesentlich zu wenige Organe zur Transplantation zur Verfügung stehen. Die Wartelisten sind lang. Für viele, die dringend ein Organ benötigen, kommt die mögliche Rettung zu spät. Sie sterben, weil es nicht möglich ist, ohne diese Erklärung Organe zu entnehmen. Sogar wenn eine Zustimmung aller Erben die Registrierung ersetzen kann, kommt praktisch alles zu spät, muss doch eine Organentnahme zur Transplantation schnellstens nach dem Tode erfolgen, sonst sind die Organe nicht mehr verwendbar.

Schon mehrfach wurde diskutiert, ob man die Konstruktion nicht umdrehen solle: Dann dürfte man Organe entnehmen, wenn jemand sich nicht ausdrücklich dagegen verwahrt hat und als «Nicht-Organspender» registrieren lässt bzw. eine entsprechende Karte bei sich trägt. Die Überlegung ist klar. Der «Markt der Organe» soll entspannt werden. Mehr Personen könnten gerettet werden. Denn es ist ja keineswegs so, dass jeder, der keinen Organspenderausweis bei sich trägt, dagegen wäre, Organe zur Lebensrettung zu spenden. Es ist vielmehr so, dass man schlicht und einfach nicht daran denkt oder gerade als junger Mensch den Gedanken an den eigenen Tod verdrängt und sich nicht damit befassen will.

Kommt die Diskussion auf, so wird häufig eingewendet, dass die Gefahr bestünde, dass die Ärzte vorzeitig, also vor einem wirklichen Tod Organe entnehmen würden, um als Transplantationschirurgen zu brillieren. Diese Annahme ist – zumindest in zivilisierten Umständen wie bei uns – wohl unbegründet. Würde die Vermutung des Einverständnisses gelten, so würde sich überdies der Markt ein wenig entspannen, und die Dringlichkeit zuzugreifen wäre nicht mehr gleich hoch wie heute. Ganz abgesehen von allem Moralischen wäre also der Druck geringer. Und gerade der Druck ist es ja, der letztlich diese Ängste schafft. Eine solche Entspannung würde auch helfen, illegalem Organhandel Boden zu entziehen. Die Notwendigkeit, in einem andern Land eine Transplantationsmöglichkeit zu suchen, würde sinken. Eine Entspannung dieser Situation scheint mir dringend geboten vor allem im Interesse all derer, deren Leben gerettet werden kann, und wer weiss – vielleicht gehören wir einmal zu denen, deren Leben am seidenen Faden hängt und die auf ein entsprechendes Spenderorgan hoffen müssen.

Man sollte die Umkehr der Vermutung aus all diesen Gründen politisch weiter im Auge behalten und das Thema nicht einfach begraben zusammen mit den Leichen derer, denen kein Organ mehr zur Verfügung stand. Es ist die Sache unserer Parlamentarier, hier sinnvolle und menschlich vertretbare Lösungen für die Gesetzgebung zu suchen. Österreich hat die Umkehr der Vermutung bereits eingeführt.

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