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UNKOMMOD: Arbeitsfreie Feiertage auf dem Prüfstand

Lukas Niederberger

Als ich am Karfreitag kurz vor 17 Uhr durch die Unterführung eines grösseren Bahnhofs ging, verpasste ich wegen der dichten Menschenmenge beinahe den Zug. Ich hatte nicht erwartet, dass die ganze Schweiz den Tag in der Kirche verbringt, war aber bass erstaunt, dass so viele Menschen den arbeitsfreien Tag mit «Lädele» totschlugen. Drei Tage später, am Ostermontag, öffneten sämtliche Möbelmärkte zwischen Aubonne und Abtwil ihre Tore, um die kollektive Feiertagsverdrossenheit aufzufangen. Dasselbe Ritual wiederholt sich jeweils am Berchtoldstag und an Auffahrt, am Pfingstmontag und am Stephanstag.

Dass die Kantone im 19. Jahrhundert in der homogen christlichen und religiös praktizierenden Gesellschaft jährlich zehn bis zwölf christliche Feiertage als arbeitsfrei gesetzlich festlegten, machte Sinn. Heute aber besuchen in der heterogenen, multireligiösen und säkularen Gesellschaft noch 10% der Bevölkerung an religiösen Feiertagen eine Kirche. 90% kann inhaltlich mit diesen Tagen wenig anfangen. Darum ist die Forderung aus Wirtschaftskreisen, die religiösen Feiertage ersatzlos zu streichen, verständlich, wenn auch unsozial. Zehn bis zwölf arbeitsfreie Tage pro Jahr sollten bestehen bleiben, jedoch neu bestimmt werden. Schüler können schulfreie Joker-Tage pro Jahr individuell wählen. Analog sollten Erwerbstätige frei entscheiden können, ob und an welchen religiösen Feiertagen sie arbeiten wollen oder nicht. Als Kompromiss könnten die Kantone fünf individuelle arbeitsfreie Tage gewähren und fünf kollektive Feiertage demokratisch jeweils für 10–20 Jahre wählen lassen. Damit sich alle mit diesen Tagen identifizieren können, wären UNO-Gedenktage ideal, etwa der Tag der Frau (8.3.), der Flüchtlingstag (20.6.), der Armuts-tag (17.10.), der Menschenrechtstag (10.10.), der Tag der Freiwilligen (5.12.), der Tag der Senioren (1.10.) oder der Tag der Toleranz (16.11.). Man könnte auch die originellen Feiertage von Frankreich importieren: den Tag des Nachbarn (letzter Freitag im Mai), den Tag der Musik (21.6.) oder den Tag der Gastronomie (23.9.). All diese Tage liessen sich leicht mit sinnvollen und Gemeinschaft stiftenden Aktionen verbinden.

Die kantonalen Regelungen der arbeitsfreien Feiertage erfüllen heute ihren Zweck, die Weltanschauung der Bevölkerung sowie den Gemeinsinn und den sozialen Zusammenhalt zu schützen und zu fördern, nicht mehr. Kommt hinzu, dass die kantonale Regelung der Feiertage speziell an Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen und Mariä Empfängnis zu skurrilen Familiensituationen führt, wenn Pendler in reformierten Städten arbeiten und in katholischen Kantonen wohnen. Wenn es neben den 52 Sonntagen, dem Bundesfeiertag und individuellen Joker-Tagen künftig noch kollektive Feiertage geben soll, dann müssen diese den Gemeinsinn und den Kitt der Gesellschaft fördern. Das gilt nicht nur für religiöse, sondern auch für sozialistische Tage wie den 1. Mai, der mehr polarisiert als verbindet. Am 1. Mai könnten beispielsweise alle für einen Tag an einer ganz anderen Arbeitsstelle wirken. Und Stellenlose würden jeweils mit RAV-Beamten tauschen. Das wäre sinnvoller als Reden schwingen und Pflastersteine werfen.

Lukas Niederberger

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