Glosse

«Tante Ju» und Autofahrer: Was alt ist, muss weg

Scharfgezeichnet

Silvan Lüchinger
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Eine Junker JU-52 ist am Samstag, 4. August bei Flims abgestürzt. (Bild: Kantonspolizei Graubünden)

Eine Junker JU-52 ist am Samstag, 4. August bei Flims abgestürzt. (Bild: Kantonspolizei Graubünden)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Weshalb die Ju-52 oberhalb Flims abgestürzt ist – wir wissen es bis heute nicht. Technischer Defekt? Pilotenfehler? Eine Verkettung unglücklicher Umstände? Gut möglich, dass es zur Absturzursache nie absolute Klarheit geben wird. Was tatsächliche und selbst ernannte Fachleute nicht daran hindert, laut und öffentlich darüber zu spekulieren.

Unvermeidlich, dass dabei auch das Alter der Maschine zur Sprache kommt. Das abgestürzte Flugzeug wurde vor fast 80 Jahren gebaut. Konstruktion und Ausstattung entsprachen dem damaligen Standard, Leistungsvermögen und Sicherheitseinrichtungen ebenso. Mit dem Stand heute sind sie nicht zu vergleichen. Sollen fliegende Oldtimer deshalb vom Himmel geholt werden, wie manche Kommentatoren fordern?

Auf unseren Strassen sind Zehntausende ältere Auto­fahrer unterwegs. Sie haben ihr Billett gemacht, als es noch Autos ohne ABS-Bremssystem und ohne Bordcomputer gab. Als Kreisel noch unbekannt waren und lautlose Elektroautos höchstens in Science-Fiction-Filmen vorkamen. Und als vor allem noch viel weniger Betrieb herrschte auf den Strassen. So wie in der Luft.

Diese Autofahrer sind eine permanente Gefahr. Über­fordert von der Technik, überfordert von den Möglichkeiten, die ihr Gefährt bietet. Wenn alte Flugzeuge weg müssen, dann auch alte Autofahrer. Alle ab etwa 60.