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St.Gallens Textilbranche erhält vorerst keine neuen Impulse

Textilien haben in St.Gallen nicht nur Tradition. Die Stadt ist noch immer eine Hochburg der Kreation edler Stoffe. Ein Lehrgang dafür kommt aber nicht zustande – zumindest vorläufig nicht.
Marlen Hämmerli
Ein neuer Lehrgang könnte der St.Galler Textilindustrie Impulse geben. (Bild: Ralph Ribi)

Ein neuer Lehrgang könnte der St.Galler Textilindustrie Impulse geben. (Bild: Ralph Ribi)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Den Grossteil ihrer Produktion haben die Textilhäuser der Stadt zwar ins Ausland verlagert. Doch das Design vieler Stoffe, aus denen die Modeschöpfer ihre Kreationen schneidern, kommt immer noch aus St.Gallen. Das soll auch so bleiben, findet die ­Soziologin und Trendforscherin Monika Kritzmöller. Unter ihrer Leitung hätte diesen Monat ein Lehrgang zum Textildesigner auf der Stufe einer höheren Fachschule beginnen sollen. Doch aus dem Kurs an der Gewerblichen Berufsschule St.Gallen (GBS) wird nichts. Die Zahl der Anmeldungen war zu klein.

Monika Kritzmöller ist die Studienleiterin des Lehrgangs (Bild: Michel Canonica)

Monika Kritzmöller ist die Studienleiterin des Lehrgangs (Bild: Michel Canonica)

Kritzmöller bedauert das. Die St.Galler Textilindustrie habe eine «800 Jahre lange Geschichte von Innovationen». Der Lehrgang und dessen Absolventen könnten dieser Geschichte neue Impulse geben, hofft sie. Das sieht Kathrin Lettner ähnlich. «Nie hatte ich so viel Freiheit wie im Studium», sagt die Leiterin der Schule für Gestaltung an der GBS. «Im strengen Arbeitsalltag fehlt oft die Zeit für Innovation.»

An Anforderungen gescheitert

Doch Kritzmöller und Lettner planen keinen Spasslehrgang. Wer in St.Gallen Textildesign studieren will, muss einen gestalterischen oder textilen Hintergrund vorweisen und während der Ausbildung in der Branche arbeiten. Gerade diese Praxisnähe wäre ihr Trumpf. «Die Absolventen kennen so auch die Arbeit in der Textilindustrie», sagt Kritzmöller. Die Ansprüche an die Teilnehmer haben aber auch Nachteile. «Wir mussten viele Bewerber ablehnen, weil ihnen der Hintergrund fehlt», sagt Lettner. Und einige Bewerber, die sich angemeldet hatten, mussten diese Anmeldung wieder zurückziehen.

«Sie fanden keine Teilzeitstelle in der Branche.»

Hier sieht Kritzmöller auch die Industrie in der Pflicht. Sie hofft, dass mehr Unternehmen jungen Talenten eine Chance ­geben. Zumal die Firmen auch ­etwas zurückerhalten: Zwei Semester widmen die Studierenden Projekten, die sie bis zur Marktreife entwickeln können. Ein weiterer Punkt, der für die Praxisnähe des Lehrgangs spreche. Nicht dass es keine Unterstützung aus der Ostschweizer Textilbranche gäbe: Etablierte Unternehmen wie Bischoff Textil oder Persönlichkeiten wie Martin Leuthold, pensionierter Chefdesigner bei Jakob Schläpfer, unterstützen den Lehrgang.

Dass der Start verschoben wurde, bedauert so auch Andreas Hungerbühler, CEO von Bischoff. «Die Maschinen sind überall die gleichen.» Mit gutem Design könne man von der Schweiz aus noch punkten. «Und so eine Schule könnte uns helfen.» Denn Textildesigner zu finden sei nicht einfach. «Wir haben unter den St.Galler Stickern eine Abmachung, dass wir regelmässig jemanden ausbilden», sagt er.

Fachfremde Designer

Trotzdem müsse man immer wieder Leute aus dem Ausland holen oder von der Fachhochschule Luzern. Doch viele Absolventen der Fachhochschule kennen die Praxis in der Branche nicht. «Der Letzte, den wir einstellten, kam aus der Druckerbranche.» Die Praxisorientierung des geplanten Kurses sieht er als Vorteil. So könnte er es sich durchaus vorstellen, eine Stelle für einen Studenten oder eine Studentin zu schaffen. «Leute in Ausbildung tragen dazu bei, dass das Geschäft aufgefrischt wird», sagt er. «Aber die wirtschaftliche Lage ist nicht so rosig, dass die Branche beliebig Stellen schaffen kann.» Die Designabteilungen sind klein. Bei Bischoff besteht sie aus sechs Mitarbeitenden.

Doch Monika Kritzmöller will nicht nur etablierte Textilfirmen der Region vor dem Fachkräftemangel bewahren. Der Lehrgang könnte auch eine Szene von Jungunternehmen befeuern. «Im Bereich Mode gibt es viele junge Designer. Aber sie brauchen Stoffe, mit denen sie arbeiten können.» Deshalb dozieren auch aufstrebende Jungunternehmer wie der einstige Bischoff-Lehrling Martin Schlegel, Inhaber der Arboner Textildruckerei TDS. Auch er fände einen solchen Lehrgang in der Stadt wichtig. «Wo sonst als in St.Gallen muss es das geben.»

Techniker fehlen der Branche

Ein Fachkräftemangel drohe der Schweizer Textilbranche tatsächlich, sagt Peter Flückiger, Präsident des Branchenverbands Swiss Textiles. Doch fehle es vor allem an Technikern. «Es braucht Leute, die die Produktion verstehen. Und es braucht Leute für die Forschung, Materialwissenschafter und Textilingenieure.» Einer der Gründe für den drohenden Mangel:

«Die Textilindustrie hat einen Ruf, der nicht den Tatsachen entspricht.»

In den Augen der Öffentlichkeit habe sie mehr Vergangenheit als Zukunft. «Dagegen müssen wir ankämpfen, zeigen, dass die Textilindustrie ein spannendes Berufsfeld ist.»

Gerade bei Technikern sei dies wichtig – denn die seien in vielen Branchen begehrt. «Beim Design ist die Situation entspannter», sagt Flückiger. Ob es die Schule in St.Gallen brauche, sei schwer zu beurteilen. «Das muss auch der Markt entscheiden. Aber wir begrüssen jede Initiative, die die Qualität der Ausbildung stärken will.»

Möglicherweise sei der geplante Kurs noch zu wenig bekannt, sagt Isabel Schorer, Leiterin der Standortförderung der Stadt St.Gallen. Dass die textile Tradition in der Region nicht nur Geschichte sei, zeigten auch zahlreiche Jungunternehmen aus der Branche. «Ein solcher Lehrgang passt zu Stadt. Es ist gut, dass man die Idee nicht begräbt.»

Denn aufgeben wollen Kritzmöller und Lettner nicht. «Wir werden noch einmal bei den Unternehmen anklopfen», sagt Kritzmöller, mehr Werbung machen auf allen möglichen Kanälen. Im August 2019, hofft sie, soll es dann doch losgehen.

Textildesigner in sechs Semestern

Der geplante Lehrgang «Gestalter/in HF Textildesign» der Gewerblichen Berufsschule St.Gallen (GBS) dauert sechs Semester. An jeweils zwei Tagen pro Woche lernen die Kursteilnehmer neben Design auch viel über gesellschaftliche Entwicklungen und deren modischen Ausdruck, sie erlernen aber auch traditionelle und moderne Fertigungstech­niken. Unternehmertum sowie Marketing und Kommunikation sind ebenfalls Teil des Lehrgangs auf Stufe einer höheren Fachschule.

Der Kurs wird in enger Vernetzung mit Institutionen und Unternehmen der Region durchgeführt. Zur Zulassung wird ein gestalte­rischer oder textiler beruflicher Hintergrund erwartet. Die Teil­nehmer müssen darüber hinaus nachweislich mindestens 50 Prozent in einem artverwandten Bereich arbeiten.

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