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Kolumne

Start in die Rekrutenschule: So schnell ist man überfordert

Die 21-jährige Urnerin Chiara Zgraggen berichtet über ihre Erlebnisse in der Sanitätsrekrutenschule in Airolo. Warum sie bereits der zweite Tag ihrer ersten RS-Woche überforderte, erzählt sie in ihrer ersten Kolumne.
Chiara Zgraggen
Rekrutin und Journalistin Chiara Zgraggen ist anfangs Januar in Airolo eingerückt. (Bild: Dominik Wunderli, 19. Januar 2019)

Rekrutin und Journalistin Chiara Zgraggen ist anfangs Januar in Airolo eingerückt. (Bild: Dominik Wunderli, 19. Januar 2019)

Kennen Sie das Gefühl der totalen Überforderung? Beispielsweise wenn Sie als Kind an der Kasse von der Mutter alleine gelassen wurden, weil sie einen Artikel vergessen hatte und diesen noch schnell holen wollte? Die Hände begannen zu schwitzen, der Puls stieg, im Körper stieg die Angst, dass die Mutter nicht wiederkehren könnte, bis die eigenen Artikel den Weg auf dem Band bis zur Kassiererin kommen könnte.

Ungefähr dieselbe Überforderung erlebt ein Rekrut in seiner ersten RS-Woche. Beispielsweise an Tag zwei. An besagtem Tag wird jenes Material gefasst, welches nach einiger Zeit wieder abgegeben werden muss. «Schauen sie, dass sie jegliches Material fassen und nichts vergessen oder verlieren», hiess es vorab in scharfem Ton von Seiten der Vorgesetzten.

Mit diesen Worten im Ohr steht der Rekrut in einer meterlangen Warteschlange. Auf der anderen Seite aber erwarten ihn nicht die Augen einer freundlichen Kassiererin, sondern die der Vorgesetzten. Genauso wie als Kind wandert der Blick der Rekruten nach links und rechts. Die Angst, eine Station versehentlich zu verpassen, steigt.

Und dann steht der Rekrut da, inmitten der noch unbekannten Kameraden. Fühlt sich wie damals als achtjähriges Kind. Im Prinzip ist es von Vorteil, in diese Kinder-Rolle schlüpfen zu können. Nicht nachdenken zu müssen, sondern nur auszuführen, was einem befohlen wird.

So zum Beispiel beim Hauptverlesen, kurz HV. An diesem steht die gesamte Kompanie in klirrender Kälte auf dem Platz vor der Kaserne. Von weit her erklingt der Drill: «Kompanie, ruhn!». Das linke Bein schnellt nach links, die Handgelenke wandern zum Rücken. Augenblicke später ertönt der Befehl «Kompanie, Achtung!», das linke Bein schiesst wieder zurück zum rechten, die Hände werden mit zusammengekniffenen Fingern an die Aussenseite der Oberschenkel gedrückt.

Sie finden, das sei Unsinn? Dies liegt im Auge des Betrachters. Aber in der Rolle des Rekruten, welcher nur ausführt und kaum aktiv darüber nachdenkt, wird dies schlicht ohne Nachzudenken ausgeführt. Obwohl man viel Zeit hätte, sich Gedanken über das Tun zu machen. Dieses Hinterfragen lassen aber die meisten. Ob dies von Vorteil ist, werden die nächsten 16 Wochen zeigen. Rekrut Zgraggen meldet sich ab!

Chiara Zgraggen (21) absolviert von Januar bis Mai 2019 die Sanitätsrekrutenschule in Airolo. Im Zweiwochenrhythmus schreibt sie an dieser Stelle über die Erfahrungen während der Militärzeit.

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