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SONNTAGSGERICHT: Wöchentlich ein SMS an den Kokaindealer

Silvan Meile

Mit Kokain habe er im Studium angefangen. «Da gab es ab und zu Feste, an denen konsumiert wurde», sagt der 35-Jährige vor Bezirksgericht Weinfelden. Das ist Jahre her. Davon losgekommen ist er aber nicht, auch wenn er gegenüber der Richterin das Gegenteil behauptet. «Sie werden von einem Kokainhändler schwer belastet, die Droge wöchentlich bezogen zu haben. Sie werden als Hauptkunde genannt», sagt sie. «Der leimt mich rein, weil ich ihn unmittelbar vor seiner Verhaftung scharf beleidigte.» Das sei eine Retourkutsche. Deshalb habe er Einsprache gegen den Strafbefehl erhoben.

Eine Stunde zu spät ist der magere Thurgauer zu seinem Gerichtstermin erschienen. Dafür hat er einen Anzug mit Krawatte angezogen. «Ich bin krank», begründet er seine Verspätung und schnieft. Er will klarstellen, dass er kein Kokain mehr nehme. Das macht er alleine. Einen Anwalt hat er keinen dabei.

2010 sei seine Tochter zur Welt gekommen. «Meiner Frau war es wichtig, dass ich aufhöre», sagt der Beschuldigte zur Richterin. Zwar habe er dann ab und zu im Ausgang noch konsumiert. Später sei aber Schluss gewesen. Wirklich. «War es für Sie einfach, aufzuhören?», will die Richterin wissen. «Das war kein Problem.» Man werde ja nicht körperlich ­abhängig. «Wenn man psychisch einigermassen stabil ist, dann ist das kein Problem.»

Das kann die Richterin nicht glauben. Sie erwähnt einen mehrere Seiten langen SMS-Verkehr aus den Jahren 2015 und 2016 zwischen ihm und dem verurteilten Kokainhändler. Diese Gerichtsakten zeugen davon, dass der Familienvater fast wöchentlich den Dealer kontaktierte. «Das sind Absprachen über Zeitpunkte und Drogenmengen», stellt die Richterin fest. Man habe lediglich ab und zu in Weinfelden abgemacht, um etwas trinken ­ zu gehen, beschwichtigt der Beschuldigte.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Mann aus einer Hinterthurgauer Gemeinde in Konflikt mit den ­Behörden gekommen ist. Wegen Kokain und Alkohol ist ihm 2011 der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen worden. Ein Gutachten hielt eine erhebliche Drogen- und Alkoholproblematik fest. «Ich fahre mit dem öffentlichen Verkehr und dem Velo, habe mich gut eingerichtet», sagt er. Doch auch in diesem Punkt weht ihm im Gerichtssaal ein ­rauer Wind entgegen. Der Dealer habe ausgesagt, dass der Beschuldigte teilweise auch mit dem Auto vorbeikam. «Stimmt nicht. Auch das ist eine haltlose Beschuldigung.» Weil das nicht Bestandteil des Einspracheverfahrens war, wurde nicht weiter auf das Fahren trotz Ausweis­entzug eingegangen.

Der intensive Kokainkonsum hinterliess beim Hinterthurgauer auch körperliche Spuren. 2012 wurde beim ihm ein Loch in der Nasenscheidewand festgestellt. «Ich lebe gut damit. Das merkt man gar nicht», sagt er.

Das Gericht lehnte die Einsprache ab. Die Geldstrafe von 3900 und die Busse von 600 Franken bleiben. Hinzu kommen Verfahrenskosten von 1990 Franken.

Silvan Meile

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