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Soll ich jetzt wirklich
auch einmal fasten?

Läuterung durch Magenrumpeln. Eine Erfahrung die unserem Autor
wohl auf ewig fremd bleiben wird.
Hans Graber
Hans Graber

Hans Graber

Fasten ist das Gebot der Jahreszeit und mehr denn je im Trend. Es muss ja jetzt nicht mehr unbedingt eine 40-tägige Periode höchster Enthaltsamkeit sein. Das überlässt man dann doch lieber unbeschuhten Bettelorden strenger Observanz. (Sandalen sind übrigens bei «unbeschuht» erlaubt.)

Heute, da alles husch-husch und mit überschaubarem Aufwand gehen sollte, wird eher teilweises oder teilzeitliches Fasten propagiert. Stark angesagt ist sogenanntes Intervallfasten, entweder nach der Methode 16:8 (16 Stunden fasten, 8 essen) oder 5:2 (5 Tage essen, 2 fasten). Wahrscheinlich gibt es noch diverseste Unterarten, in diesen Kreisen herrscht bekanntlich selten Einmütigkeit.

Egal, welche Fastenmethode: Es geht einerseits um Gewichtsabnahme (Fettverbrennung), andererseits um spirituelle Erfahrungen. Um das bessere Spüren des eigenen Ichs und um das Erkennen von dem, was wirklich wichtig ist im Leben. Je ausgeprägter der Verzicht, desto grösser die Erleuchtung. Wer es sich leisten kann, zieht sich beim Fasten zurück, um in der Abgeschiedenheit wenn auch keine Nahrung, so doch die absolute Stille aufzusaugen, höchstens unterbrochen durch ein forciertes Magenrumpeln.

In die Tiefe seiner selbst dringen, Reinigung, Läuterung – eventuell hätte ich das schon mal nötig. Ich weiss aber nicht, ob die Fasterei das Richtige wäre für mich. Man müsste es halt versuchen, werden Sie vielleicht sagen. Schon, aber irgendetwas in mir sträubt sich hartnäckig dagegen. Ich bin nicht frei von Sünden, zu nennen sind Missgunst, Faulheit, Völlerei, ein partieller Hang zum Jähzorn und früher noch anderes, aber als Protestant nagen meine Verfehlungen nicht gross an mir.

Ferner ist es so, dass mit mir sicher so einiges nicht oder nicht mehr stimmt, aber ich kann machen, was ich will, das Gewicht ist immer gleich. Und zwar im grünen Bereich, sehr knapp zwar, aber immerhin. Ich verspüre also wenig Druck, abzunehmen. Das Immergleiche ist ohnehin der rote Faden meines Lebens, aber auch wenn man mich als faden Trampel tituliert: Ich möchte es nicht unbedingt anders. So Sachen wie Intervallfasten würden die tief eingeschliffenen Tagesstrukturen nur durcheinander bringen. Das ist doch sicher auch nicht gesund.

Ich werde deshalb wohl weiterhin nicht wissen, was wirklich wichtig ist im Leben, und mich besser spüren werde ich auch nicht. Letzteres muss aber nicht zwingend ein Nachteil sein. Ich habe ja auch so schon genug zu tun mit mir.

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